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Amerika

Haiti-Helfer stoppen Suche nach Überlebenden

Erste Helfer-Teams haben auf Haiti die Suche nach Überlebenden eingestellt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte ein, die Hilfe sei zunächst unkoordiniert gewesen. Erste Haiti-Waisen können bald nach Deutschland kommen.

Baby wird versorgt (Foto: AP)

Dieses Baby hat es geschafft - es wurde aus den Trümmern gerettet. Für viele andere kommt jetzt jede Hilfe zu spät

"Ich weiß, dass es in den ersten Tagen Verzögerungen gab. Aber mittlerweile haben wir ein sehr effektives System aufgebaut, um Engpässe zu umgehen", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Donnerstag (21.01.2010) zur Lage in Haiti. "Wir haben an Land fünf Transport-Routen aufgebaut und die Flugkapazität erhöht." Die Verteilung der Hilfsgüter habe jetzt "absolute Priorität", erklärte Ban.

Kaum Hoffnung auf Überlebende

Helfer graben Frau aus (Foto: ap)

Ein Wunder in all dem Chaos: Eine Frau wird lebend gerettet

Auch anderthalb Wochen nach dem Erdbeben werden in Haiti noch einige Überlebende aus den Trümmern geborgen. Aber die Meldungen über "Wunder" werden immer weniger. Erste Hilfsmannschaften stellten ihre Suche ein: Eine Woche nach dem Erdbeben gebe es faktisch keine Chance auf Überlebende, hieß es.

Laut Augenzeugen irren noch immer viele Menschen durch die Trümmer und warten seit Tagen auf medizinische Erstversorgung. Ärzte, Pfleger und Sanitäter aus aller Welt arbeiten rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung. Nach wie vor liegt Verwesungsgeruch über der Stadt. Schätzungen zufolge sind bei dem Erdbeben rund 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Bei einem Nachbeben am Mittwoch wurden weitere Menschen getötet. Nach Angaben der EU-Kommission wurden bisher erst rund 80.000 Menschen beerdigt. Zwei Millionen Haitianer wurden durch die Erdbeben obdachlos, 200.000 Menschen brauchen dringend Hilfe.

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) erinnerte auch an die katastrophalen Zustände auf dem Land: Sonst könnte nach der Katastrophe in den Städten eine "ländliche Tragödie" folgen. Die Lebensmittelpresie seien schon jetzt für viele Bürger zu hoch. Vor allem die Landwirte in Haiti bräuchten dirngend Hilfe, bevor im März die Saat-Periode beginne, so die UN.

Waisen nach Deutschland

Kind weit (Foto: ap)

Kinder, die alle Angehörigen verloren haben, können adoptiert werden

Nachdem die USA, Frankreich und die Niederlande erklärt hatten, die laufenden Adoptionsverfahren für Waisenkinder aus Haiti zu beschleunigen, reagiert jetzt auch Deutschland: Bereits in den nächsten Tagen könnten die ersten Kinder nach Deutschland ausreisen, erklärte das Auswärtige Amt. Es handelt sich allerdings ausschließlich um Kinder, deren Adoptionsverfahren bereits vor dem Erdbeben weitgehend abgeschlossen war. Demnach können rund 30 Mädchen und Jungen nach Deutschland kommen und werden hier von ihren deutschen Eltern aufgenommen. Unterdessen häufen sich die Anfragen von Deutschen, die gerne ein Waisenkind aus Haiti aufnehmen würden. Die Auswahlkriterien für potenzielle Adoptiv-Eltern seien aber trotz des Erdbebens unverändert streng, erklärten die deutschen Behörden.

USA engagieren sich

Unterdessen geht die Hilfe in Port-au-Prince unvermindert weiter: Mit Unterstützung der USA wurden die Häfen Haitis repariert, so dass jetzt auch über den Seeweg Hilfslieferungen ankommen können. Außerdem werden die Vereinigten Staaten weitere 4000 Soldaten in das Katastrophengebiet schicken. Anstatt nach Europa oder in den Nahen Osten werden die Soldaten in die Karibik umgeleitet. Dies teilten die US-Streitkräfte mit. Der Marschbefehl sei bereits an eine Flugzeugträgerkampfgruppe und eine Einheit der Marineinfanterie ergangen.

US-Streitkräfte vor Ort

Risse im Asphalt einer Straße (Foto: AP)

Die Infrastruktur in weiten Teilen Haitis ist größtenteils zerstört

Die Streitkräfte sollen in Haiti die Hilfsbemühungen für die Überlebenden des Erdbebens unterstützen. Bis Mittwoch hatten die USA bereits rund 11.000 Soldaten entsandt. Ausgerechnet auf dem politisch umstrittenen Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba sollen haitianische Flüchtlinge Unterschlupf finden. Auf dem Gelände wurden bereits etwa 100 Zelte für jeweils zehn Personen errichtet, wie Konteradmiral Thomas Copeman sagte. Sollten Überlebende der Erdbebenkatastrophe tatsächlich massenweise Haiti verlassen, stünden mehr als 1.000 weitere Zelte zur Verfügung. Die US-Streitkräfte machten jedoch auch klar, dass die Flüchtlinge getrennt von den noch rund 200 Lagerinsassen untergebracht werden.

Kritik an USA

Soldaten steigen aus einem Helikopter aus (Foto: AP)

Die USA schicken weitere 4000 Soldaten, um die Hilfsarbeiten in Haiti zu unterstützen

Die Hilfsbemühungen der USA werden jedoch nicht von allen Seiten begrüßt. Einige lateinamerikanische Machthaber unterstellen Washington, in Haiti eher Machtpolitik zu betreiben statt Menschenleben zu retten. So kritisiert der bolivianische Präsident Evo Morales, die US-Soldaten seien in Haiti einmarschiert, ohne dies mit den Vereinten Nationen abzusprechen. Sie würden die Naturkatastrophe benutzen, um den Inselstaat "militärisch zu okkupieren".

Auch ein weiterer sozialistischer Präsident missbilligt öffentlich das Engagement der USA: Venezuelas Präsident Hugo Chávez warf den Vereinigten Staaten vor, in Haiti die Macht übernehmen zu wollen. Die amerikanischen Streitkräfte hätten mit der Einnahme des Flughafens begonnen, sagte Chavez. Jetzt seien US-Marines bereits im zerstörten Präsidentenpalast.

Autoren: Anna Kuhn-Osius / Marcus Bölz (epd, dpa, afp)
Redaktion: Stephan Stickelmann / Frank Wörner

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