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Amerika

Haiti-Erdbebenhilfe läuft nur schleppend an

Mehr als einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben mit vermutlich Tausenden von Toten im Karibikstaat Haiti kommt die internationale Hilfe auf Touren. Doch die Rettung stößt auf allergrößte Schwierigkeiten.

Erdbebenopfer am Straßenrand (Foto: AP)

Überall werden die Helfer benötigt. Doch die kommen häufig gar nicht durch

Auf dem Flughafen von Santo Domingo, der Hauptstadt in der benachbarten Dominikanischen Republik, sind bereits Dutzende von Hilfstrupps gelandet. "Es kommen sehr viele Flugzeuge aus New York, aus Frankfurt, aus Panama und anderen Ländern", berichtete ein Augenzeuge am Donnerstag (14.01.2010). Der Airport in Haitis zerstörter Hauptstadt Port-au-Prince ist bislang nur unter Schwierigkeiten anzufliegen, da auch der Kontrollturm eingestürzt ist. Helfer aus den USA arbeiten an einer Behelfslösung. Durch den Umweg über Santo Domingo verzögert sich die Ankunft der Hilfsgüter erheblich. Die Rettungstrupps benötigten mit dem Auto drei Stunden bis zur Grenze und dann noch mal zwei Stunden bis Port-au-Prince, heißt es aus dem Katastrophengebiet.

Ärzte versorgen Verletzte auf der straße (Foto: AP)

Systematische Versorgung von Verletzten ist bislang noch die Ausnahme

Schreiend und betend durch die Straßen

Dort berichten Helfer wie der Regionalkoordinator der Welthungerhilfe für Haiti, Michael Kühn, von "dramatischen Szenen". Die Menschen liefen schreiend und betend durch die Stadt, trauten sich nicht mehr in ihre Häuser. An den Straßen lägen Leichen. Die vielen Verletzten seien oft sich selbst überlassen, es gebe kaum Nahrungsmittel und Trinkwasser. Das Rote Kreuz schätzt, dass inzwischen jeder dritte Haitianer auf Hilfe angewiesen ist und berichtet ähnlich wie andere Organisationen von Plünderungen.

Haitis Botschafter in Deutschland, Jean-Robert Saget, forderte ein umfassendes Hilfsprogramm der internationalen Gemeinschaft. Notwendig sei eine Art "Marschallplan" für den Wiederaufbau und zur Ankurbelung der Wirtschaft seines in Trümmern liegenden Landes.

Westerwelle schüttelt Haitis Botschafter Saget die Hand (Foto: AP)

Haitis Botschafter Saget mit dem deutschen Außenminister Westerwelle

"Wir haben es mit einer großen humanitären Notsituation zu tun, die einen umfassenden Einsatz erfordert", bestätigt auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon. Man befinde sich in einem Wettlauf mit der Zeit: Schuttberge, die zusammengebrochene Strom- und Wasserversorgung und ein defektes Telefonnetz erschwerten die Arbeiten. Trotz eigener schwerer Verluste beim Einsturz ihres Hauptquartiers in Port-au-Prince mobilisierten die UN inzwischen 37 Such- und Spürtrupps. Blauhelm-Soldaten versuchen, so gut es geht, eine Ordnung herzustellen.

Eine tägliche Mahlzeit schon vor der Katastrophe

Nach Angaben der Bonner Don Bosco-Hilfswerke sind drei Einrichtungen des Salesianer-Ordens in der Hauptstadt nahezu komplett zerstört. In den Trümmern seien mehr als 200 Kinder und Jugendliche verschüttet. Auch die Don-Bosco-Einrichtungen in Carrefour, Petion Ville und Gressier seien beschädigt. Schon vor der Bebenkatastrophe wurden dort täglich 26.000 Kinder mit einer Mahlzeit versorgt.

Hilfsladungen vor Frachtflugzeug (Foto: AP)

Die USA mobilisieren Frachtflugzeuge und Kriegsschiffe

Die USA haben einen Flugzeugträger mit Transport-Hubschraubern an Bord vor Haitis Küsten beordert. Die Ankunft der atomgetriebenen "Carl Vinson" im Karibikstaat ist für Freitag in Aussicht gestellt. Das haitianische Rote Kreuz erklärte unterdessen, seine Organisation sei zwar gewohnt, mit Katastrophen in verarmten Ländern umzugehen. Das Desaster im eigenen Land sei jedoch überwältigend: "Es gibt einfach zu viele Menschen, die Hilfe benötigen."

Autor: Gerd Winkelmann (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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