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Amerika

Haiti auf langjährige Hilfe angewiesen

In Haiti können viele der hunderttausenden Obdachlosen und Verletzten noch immer nicht ausreichend versorgt werden. Der deutsche Entwicklungsminister Niebel mahnte deshalb eine zügigere Hilfe für die Erdbebenopfer an.

Ein Plakat mit dem Aufruf 'Wir brauchen Hilfe' in Port-au-Prince in Haiti (Foto: AP)

Die internationale Hilfe hat noch nicht alle Betroffenen erreicht

Knapp eine Woche nach dem Erdbeben in Haiti rechnet die Regierung des schwer zerstörten Karibikstaates nach Angaben der EU-Kommission mit bis zu 200.000 Toten. Hilfsorganisationen berichten, dass immer noch hunderttausende Erdbebenopfer auf die Versorgung mit dem Nötigsten warten. In dem Katastrophengebiet kommt es zunehmend auch zu Plünderungen und Gewalt, die Menschen kämpfen ums Überleben.

Eine haitianische Familie hat Zuflucht in einer nach dem Beben errichteten Zeltstadt gefunden (Foto: AP)

Sie überlebten, haben aber ihr Zuhause und oft ihr gesamtes Hab und Gut verloren

Für den Wiederaufbau und die Unterstützung der Bevölkerung in dem schwer zerstörten Karibikstaat werden rund zehn Milliarden Dollar benötigt, wie der Präsident des Nachbarstaats Dominikanische Republik, Leonel Fernandez, erklärte. "Wir sprechen von einem auf fünf Jahre angelegten Programm", sagte Fernandez am Montag (18.01.2010) nach einem Treffen mit seinem haitianischen Kollegen René Préval und Vertretern weiterer Länder der Region.

Ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Dominikanische Republik, Leonel Fernandez (rechts), seinem haitianischen Kollegen René Préval (links) und Vertretern weiterer Staaten der Region (Foto: AP)

Dominikanische Republik: Haiti benötigt zehn Milliarden für den Wiederaufbau

Um diese Hilfe sicherzustellen und zu kontrollieren, schlug Fernandez in Santo Domingo eine "zentrale Behörde" und eine Koordinierung auf internationaler Ebene vor.

Niebel: Schnellere Hilfe nötig

Der deutsche Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) forderte mehr Tempo bei der Versorgung der Erdbebenopfer. Der "Saarbrücker Zeitung" sagte er, die internationale Hilfe habe bislang erst einen Bruchteil der drei Millionen betroffenen Haitianer erreicht. "Dies muss in den nächsten Tagen dringend ausgeweitet werden."

Die Vereinten Nationen und ihre Partner arbeiteten zwar mit Hochdruck daran, Hilfslieferungen nach Haiti zu transportieren und an die betroffenen Menschen zu verteilen. Dies setze aber voraus, dass die Sicherheitslage unter Kontrolle bleibe, sagte Niebel. Er erwarte durch die Zusage der USA, Soldaten zur Unterstützung nach Haiti zu senden, eine Verbesserung der Situation.

Hunderttausende warten noch auf Hilfe, Gewalt nimmt zu

Blick aus einer zerschmetterten Glascheibe eines Busses in Haiti (Foto: AP)

Mit der Verzweiflung der Betroffenen nehmen auch Gewalt und Plünderungen zu

Angesichts zunehmender Gewalt in Haiti forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mehr Blauhelmsoldaten für das ins Chaos gestürzte Land. Der UN-Sondergesandte für Haiti, Bill Clinton, wies unterdessen Vorwürfe zurück, die Hilfe erreiche die Opfer viel zu langsam. Bei dem Erdbeben sei die "gesamte Infrastruktur zusammengebrochen, und die bauen wir jetzt wieder auf", sagte der frühere US-Präsident.

Die US-Luftwaffe warf inzwischen doch Hilfsgüter über Haiti ab. Rund 14.500 Fertigmahlzeiten und 15.000 Liter Wasser seien in ein gesichertes Gebiet nordöstlich der Hauptstadt Port-au-Prince niedergegangen, erklärte eine Sprecherin. Es werde derzeit geprüft, ob sich dieses Vorgehen auch für den Rest des Landes eigne. Wenige Tage zuvor hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates noch erklärt, dass solche Aktionen kurz nach einer Katastrophe nicht sinnvoll seien, weil es die Gefahr von Unruhen erhöhe, wenn es keine geordneten Strukturen für die Verteilung der Hilfsgüter gebe.

USA bereiten sich auf Massenflucht aus Haiti vor

Vorübergehend haben die USA auch die Einreise-Vorschriften für Waisen aus dem Katastrophengebiet gelockert. Damit solle eine Behandlung der Kinder in den USA erleichtert werden, teilte US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano mit. Die Regelung gelte aber nur für Waisen, die in den USA bereits für eine Adoption zugelassen seien. Diese Kinder dürften auch ohne ausreichende Papiere einreisen, um dort "die benötigte Hilfe" zu erhalten. Frankreich erwägt Berichten zufolge eine ähnliche Ausnahmeregelung.

Eine Rot-Kreuz-Krankenschwester versorgt ein verletztes Kind in Haiti (Foto: AP)

Auch zahlreiche Kinder sind von der Erdbeben-Katastrophe betroffen

Unterdessen bereiten sich die USA auf einen Ansturm haitianischer Flüchtlinge vor. Vorsorglich solle in einem Auffanglager für Einwanderer im US-Staat Florida Platz für die Aufnahme von Überlebenden des verheerenden Erdbebens geschaffen werden, hieß es am Montag aus dem US-Heimatschutzministerium. Einige Flüchtlinge könnten notfalls auch auf den US-Militärstützpunkt Guantanamo in Kuba gebracht werden. Sie würden aber getrennt von den im Gefangenenlager Guantanamo festgehaltenen Terrorverdächtigen untergebracht. Ministeriumsvertreter betonten zugleich, es gebe bisher keine konkreten Anzeichen für eine Massenflucht aus Haiti. Man wolle jedoch für alle Fälle gerüstet sein.

Die US-Regierung machte deutlich, dass illegal aus Haiti eingereiste Flüchtlinge auch künftig mit einer Abschiebung rechnen müssen. Ein von Washington verhängter vorläufiger Abschiebestopp gelte nur für Haitianer, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens am 12. Januar bereits in den USA aufhielten.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, ap, afp, rtr)
Redaktion: Frank Wörner

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