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Deutschland

Hagenkord: "Papst wollte Glaubwürdigkeitskrise beenden"

Mit dem Rücktritt des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst geht ein unrühmliches Kapitel für die katholische Kirche zu Ende. Der Papst habe Schaden von der Kirche abwenden wollen, sagt Bernd Hagenkord von Radio Vatikan.

DW: Als Chef von Radio Vatikan sind Sie näher dran am Machtzentrum der Katholiken. Wie sehr hat die Limburger Affäre Tebartz-van Elst den Vatikan erschüttert?

Bernd Hagenkord: Ich glaube, das geht uns hier schon ziemlich nah, wenn ich mal von "uns" sprechen darf. Das ist nicht nur eine deutsche Sache, sondern das ist etwas weitergehend und sehr ungewöhnlich: Der Papst hat ja dem Vorgehen der Deutschen Bischofskonferenz ausdrücklich zugestimmt – dass eine Kommission eingesetzt wird, dass ein Bericht geschrieben wird usw. Das ist nicht normal. Und da zeigt sich, wie Papst Franziskus mit Bischöfen umgeht: Er will schon genau wissen, was sie tun und ob das alles mit rechten Dingen zugeht. Und wenn das nicht mit rechten Dingen zugeht, müssen die Konsequenzen gezogen werden. Das schlägt schon auch Wellen hier.

Welche Gefahr wollte der Papst bannen, als er entschied, dass der Bischof nicht in sein Bistum zurückkehrt?

Tebartz-van Elst - Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

"Ein Neuanfang in Limburg war nur ohne Tebartz-van Elst möglich"

Wenn man sich diesen 108-seitigen Bericht anschaut, ist das schon ziemlich starker Tobak, was da alles beschrieben wird: Verantwortung, die nicht wahrgenommen wurde, Leitung, die nicht wahrgenommen wurde, und all diese Dinge. Das hat natürlich großen Schaden angerichtet, im Bistum, aber auch darüber hinaus bis in die angrenzenden Länder. Die ganze Kirche hat darunter gelitten, nicht nur eine bestimmte Bistumsstadt. Und nur ein Personalwechsel konnte die Möglichkeit schaffen, den Schaden abzuwenden und den Menschen dort einen Neuanfang zu ermöglichen. Deswegen: Gefahr abwenden? Ein Neuanfang war überhaupt nur möglich mit einem Rückzug von Bischof Tebartz-van Elst.

Wie äußerte sich dieser Schaden? In einer Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche?

Papst Franziskus - Foto: REUTERS/Stefano Rellandini

"Papst Franziskus will genau wissen, was die Bischöfe tun"

Natürlich, das ist das erste. Wir dürfen nicht vergessen: Dies ist schon die zweite Glaubwürdigkeitskrise nach dem Missbrauchsskandal. Das sind zwei sehr gravierende Glaubwürdigkeitskrisen direkt hintereinander. Die zweite hat die erste noch einmal verstärkt. Dazu kommen schlicht und einfach auch noch finanzielle Probleme: Kirchenaustritte auf katholischer wie auf evangelischer Seite, muss man tragischerweise sagen. Und, was ganz schlimm ist: Die Hilfswerke sagen, dass es weniger Spenden gibt. Das trifft ja die Ärmsten der Armen, also diejenigen, die die Hilfswerke unterstützen wollen. Da hat es große Einbrüche gegeben. Zwar nicht so viel wie befürchtet, aber immerhin doch ausreichend. Das hat sehr viel Schaden auf allen möglichen Ebenen verursacht.

Also hatte der Papst Grund zu handeln. Nun zeigt sich der Verbannte Tebartz-van Elst bisher uneinsichtig, will die Aussagen des Prüfberichts nicht akzeptieren. Wird der Papst ihn dafür zurecht weisen, wenn Tebartz-van Elst an diesem Freitag zur Audienz in Rom weilt?

Ich bin kein großer Freund von Spekulationen. Warten wir ab, wie dieses Treffen abläuft und was die beiden miteinander besprechen. Das vorweg erraten zu wollen, bringt uns nicht weiter.

Bernd Hagenkord ist deutscher Jesuit und leitet die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan.

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