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Fokus Osteuropa

Haftstrafe für orthodoxen Geistlichen in Mazedonien gesenkt

Vergangenes Jahr ist der Exarch der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Mazedonien wegen Volksverhetzung zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nun entschied das Oberste Gericht, die Strafe zu mildern.

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In Skopje entscheidet die Justiz

Das Oberste Gericht von Mazedonien hat die Haftstrafe für den ehemaligen Bischof Jovan der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche (MPC) von 18 Monaten auf acht Monate gesenkt. Dies entschied das Gericht in Skopje am Dienstag (28.2.). Jovan, mit weltlichem Namen Zoran Vraniskovski, befindet sich seit sieben Monaten in Skopje im Gefängnis. Dem Urteil zufolge wird er dann bald entlassen. Der Anwalt von Vraniskovski, Vlado Georgiev, sagte, "die Entscheidung des Obersten Gerichts ist gesetzmäßig und wir haben dies auch erwartet, weil das Gericht berechtigte Gründe angeführt hat, um das Urteil des erstinstanzlichen Gerichts aus Bitola zu mildern."

Umstrittenes Urteil

Der ehemalige Bischof befindet sich seit Juli 2005 im Gefängnis, weil das Berufungsgericht in Bitola den Einspruch Vraniskovskis zurückwies und das Urteil des Hauptgerichts bestätigte. Vorgeworfen wurde ihm, Rassen-, Religions- und nationalen Hass verbreitet zu haben. Seine Anwälte legten Einspruch ein, sie wollten sogar bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gehen. Auch nach Einschätzung des Mazedonischen Helisinki-Komitees ist die Strafe für Vraniskovski zu hart ausgefallen und verstößt gegen das Recht auf Religionsfreiheit.

Opfer eines Kirchenstreits?

Vraniskovski war Mitglied des Synods der MPC und Bischof von Veles-Povardaje. 2002 und wurde von dieser kanonisch nicht anerkannten Kirche in den Laienstand versetzt. Die MPC warf ihm zudem Unterschlagung vor. Auslöser für seine Abwendung von der MPC war, dass er dem Aufruf des serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle folgte, der den mazedonischen Klerus aufgerufen hatte, die Spaltung zu überwinden und sich der Serbisch-Orthodoxen Kirche (SPC) wieder anzuschließen. Daraufhin war Jovan zum serbisch-orthodoxen Exarchen von Ohrid ernannt worden. Die SPC erkannte das Ohrider Erzbistum als einzig kanonisch anerkannte Kirche in Mazedonien an. Der Klerus der MPC betrachtet dies allerdings praktisch als eine parallele Kirche in Mazedonien.

Der Fall Vraniskovski beeinträchtigte auch die politischen Beziehungen zwischen Skopje und Belgrad. Vergangenen Sommer noch drohte Serbien Mazedonien mit einem Wirtschaftsembargo, falls die mazedonischen Behörden Vraniskovski im Gefängnis nicht besser behandeln würden.

Goran Petrski, Skopje
DW-RADIO/Mazedonisch, 28.2.2006, Fokus Ost-Südost

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