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Schlag gegen Pressefreiheit

Haftbefehl gegen zwei Journalisten der türkischen Zeitung "Sözcü"

Nachdem die Journalisten der Zeitung bereits eine Woche lang festgehalten worden waren, sind sie wegen Terrorverdachts nun formell verhaftet. Die Ermittlungen beliefen sich auch auf ein Kreuzworträtsel.

Eine Person hält sich eine aufgeschlagene, leere Zeitung vors Gesicht (Foto: Getty Images)

Aus Protest hatte die "Sözcü" eine leere Ausgabe mit dem Titel "19. Mai Sonderausgabe Pressefreiheit" gedruckt

Bei den Journalisten handelt sich um die für die Internetausgabe verantwortliche Mediha Olgun und den Izmir-Korrespondenten Bekir Gökmen Ulu. Nach Berichten der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu und der Zeitung "Sözcü" selbst werden sie verdächtigt, mit der Bewegung des in den USA ansässigen muslimischen Geistlichen Fethullah Gülen in Verbindung zu stehen, die in der Türkei als Terrororganisation angesehen wird. "Sözcü" gilt als säkulares und absolut Gülen-kritisches, aber auch sehr regierungskritisches Blatt. Außerdem müssten sie sich wegen "Beihilfe zum Attentatsversuch auf den Präsidenten" verantworten.

Die beiden Journalisten waren in der vergangenen Woche nach Razzien in ihren Wohnungen in Gewahrsam genommen. Die Durchsuchungen hatten auch andere Mitarbeiter der Zeitung betroffen. Die Staatsanwaltschaft hatte auch die Festnahme der Herausgebers Burak Akbay angeordnet. Der "Sözcü"-Besitzer lebt allerdings in London. Dagegen wurde die Direktorin der Finanzabteilung, Yonca Yucekaleli festgenommen, am Freitag aber wieder freigelassen. Die größte türkische Oppositionspartei CHP kritisierte das Vorgehen gegen die Zeitung scharf.

Bericht über Erdogans Urlaub wird zum Verhängnis

Wie Anadolu berichtet, wurden im Rahmen der Ermittlungen Fotos und ein Artikel über den Urlaubsort des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von einem Tag vor dem Putschversuch im vergangenen Jahr untersucht. Auch ein Kreuzworträtsel, das versteckt Erdogans Namen enthielt, sei demnach in die Ermittlungen einbezogen worden.

Video ansehen 02:58

Deniz Yücel: 100 Tage hinter Gittern

Sözcüs Anwalt Ismail Yilmaz sagte der DW vor einer Woche, es sei ein klassisches Beispiel für die Berichterstattung in der Sommerpause. "Überall auf der Welt werden die Urlaube oder die Urlaubsorte der Staatsführung mehrmals zum Thema." Das sei auch bei ehemaligen türkischen Präsidenten in der Vergangenheit so gewesen. Doch regierungsnahe Medien hätten berichtet, dass "Sözcü" den Aufenthaltsort des Präsidenten den Putschisten offenbart hat.

In der Türkei sitzen nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen mindestens 145 Mitarbeiter von Medienunternehmen im Gefängnis, darunter auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel und die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu. Seit dem Putschversuch haben türkische Behörden mehr als 130 Medien geschlossen.

ust/uh (dpa, rtr, dw)

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