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Nahost

Haftbefehl für Mossad-Chef gefordert

Israel hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach der israelische Geheimdienst Mossad hinter dem Mord an einem Hamas-Führer in Dubai steckt. Es droht eine diplomatische Krise.

Plakat mit dem Portrait von dem ermordetem Hamas-Führer Al-Mabhuh wird aufgehangen (Foto: AP)

Hamas-Sympathisanten haben ein Plakat von Al-Mabhuh zur Erinnerung im nördlichen Gazastreifen aufgehangen

Der Mord an dem Funktionär der radikal-islamischen Hamas, Mahmud Abdel Rauf el Mabhuh, in einem Luxushotel in Dubai am 20. Januar bringt die israelische Regierung mehr und mehr in Bedrängnis. Die Behörden in den Emiraten vermuten, dass der israelische Geheimdienst Mossad hinter der Tat steckt.

Der Polizeichef von Dubai, Dhahi Chalfan, forderte am Freitag (19.02.2010) erneut die Festnahme des israelischen Geheimdienstchefs Meir Dagan, falls sich der Verdacht erhärten sollte, dass der israelische Mossad tatsächlich Drahtzieher des Mordanschlages war. In diesem Falle solle Interpol einen internationalen Haftbefehl für den Mossad-Chef ausstellen, weil ihn dies zum "Mörder" mache, sagte Chalfan am Donnerstag in Dubai.

Interpol stellt "Red-Notice" aus

Chalfan schlug ein internationales Ermittlerteam mit britischen, französischen, irischen und deutschen Vertretern vor, da bei dem Mord nach Angaben aus Dubai mindestens sechs britische, drei irische Pässe sowie ein französischer und ein deutscher Pass von den Tätern eingesetzt wurden.

Interpol hatte am Donnerstag die Passfotos und Namen der elf Verdächtigen im Internet veröffentlicht und eine sogenannte "Red Notice" ausgestellt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen internationalen Haftbefehl. Interpol hilft damit nach eigenen Angaben der Polizei in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die von ihr per Haftbefehl gesuchten Verdächtigen zu finden und zu identifizieren. Unter den Verdächtigen sind zehn Männer und eine Frau. Interpol geht davon aus, dass es sich um gefälschte Pässe handelt und die Identitäten von unschuldigen Bürgern benutzt wurden.

Kontroll-Gremium für Geheimdienste

Symbolbild Westerwelle Israel

Außenminister Guido Westerwelle fordert genaue Aufklärung des Mordanschlages

Die Oppositionsparteien im deutschen Bundestag haben von der Bundesregierung Aufklärung über den Mord gefordert. SPD-Fraktionschef Olaf Scholz kündigte an, das Thema im parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste zur Sprache zu bringen. "Wir werden auf Aufklärung durch die zuständigen Stellen drängen", sagte Scholz. Das Gremium solle vor allem prüfen, wieso einer der mutmaßlichen Täter einen deutschen Pass benutzt habe.

Bereits zuvor hatte Bundesaußenminister Guido Westerwelle von Israel Aufklärung gefordert. "Angesichts der bisher bekanntgewordenen Informationen halte ich es für dringend geboten, die Umstände des Todes von Mahmud al-Mabhuh gründlich aufzuklären", forderte Westerwelle am Donnerstag.

Israel: Es gibt keinerlei Beweise

Israel hat die Vorwürfe zurückgewiesen, wonach der israelische Geheimdienst Mossad hinter dem Mordkomplott in Dubai stecken soll. Ein hochrangiger israelischer Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP, die Polizei in Dubai habe keinerlei Beweise vorgelegt. "Bis heute weiß niemand, was passiert ist", sagte er. Auch dass die Polizei nicht einmal die genauen Umstände des Todes erläutert haben, bemängelte er, es gäbe nicht einmal den Beweis, dass er ermordet wurde. Unter diesen Umständen sei es "lächerlich", mit einem Haftbefehl gegen den Mossad-Chef Dagan zu drohen.

Der Hamas-Führer Mabhuh, der unter anderem von Israel für die Entführung und Ermordung von zwei israelischen Soldaten verantwortlich gemacht wird, war am 20. Januar in einem Luxushotel in Dubai ermordet worden.

Autor: Susanna Hayne (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Hajo Felten

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