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Aktuell Europa

Haft und Therapie für "Facebook-Mörder"

Im aufsehenerregenden Fall des sogenannten Facebook-Mordes in den Niederlanden ist das Urteil gesprochen worden. Der 15-jährige Angeklagte bekommt die Höchststrafe - wegen Tötung des ebenfalls erst 15-jährigen Opfers.

Zwei Mädchen, Winsie, 15, und Polly, 16, streiten sich auf Facebook. Ausgangspunkt des Streites der ehemals besten Freundinnen war die Behauptung des späteren Mordopfers, ihre Kontrahentin Polly W. habe mit mehreren Jungen sexuelle Kontakte gehabt. Polly und ihr Freund Wesley C. sind empört und beschließen unfassbares: Winsie müsse wegen ihrer Behauptungen sterben. An ihrem Mordkomplott sollen sie wochenlang gearbeitet haben.

Der von der Polizei abgesperrte Tatort in Arnheim (Niederlande) Foto: picture-alliance/dpa)

Der abgesperrte Tatort in Arnheim (Niederlande): Dort hatte ein 15-jähriger Auftragmörder ein Mädchen umgebracht

Auftragsmörder mit Tod bedroht

Das Pärchen suchte sich für den Mord einen 15-Jährigen aus. Sie bedrohten Jinghua K. mit dem Tode, wenn er nicht zum Mörder würde. Daraufhin führte er die Tat aus, dabei soll er noch "Sorry, ich muss das tun" gerufen haben, als er auf sein Opfer einstach. Den Vater von Winsie, der seiner Tochter zu Hilfe kommen wollte, verletzte der Jugendliche schwer. Als Lohn soll er zwischen 20 und 100 Euro bekommen haben. Das Verfahren gegen seine mutmaßlichen Auftraggeber wird im Oktober fortgesetzt.

Das zuständige Gericht im niederländischen Arnheim verurteilte den 15-Jährigen jetzt wegen Mordes und versuchten Totschlags zu einem Jahr Jugendgefängnis und drei Jahren Zwangsthearpie in einer Anstalt für Straftäter. Dies ist die Höchststrafe für Jugendliche in den Niederlanden

Täterfreundliches Strafrecht?

Der Vater des Opfers, der trotz seiner Verletzungen beim Prozess erschienen war, kritisierte, das niederländische Jugendstrafrecht sei zu täterfreundlich. "Ich habe meine Tochter verloren und er bekommt ein Jahr Gefängnis", sagte Chun Nam Hau unter Tränen..

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Internet-Klatsch kann tödlich sein (03.09.2012)

Schon zuvor hatte er in niederländischen Medien gemahnt: "Die Gefahren durch Chatten und Online-Netzwerke werden unterschätzt." Auch die Staatsanwältin hatte im Verfahren darauf verwiesen, dass alles mit Klatsch auf Facebook begonnen habe. In den Niederlanden hat der Fall eine heftige Debatte über die Bedeutung sozialer Medien ausgelöst. Daher wurde der Fall auch öffentlich verhandelt. Normalerweise finden Verfahren gegen Jugendliche unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In diesem speziellen Fall sahen es die Richter aber als wichtig an, dass die Allgemeinheit die Fakten erfährt.

pt/wl (dpa)

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