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Asien

Haft für indischen Karikaturisten

Die Haftstrafe für den Karikaturisten Aseem Trivedi hat in Indien eine Debatte ausgelöst. Ihm wird Volksverhetzung vorgeworfen, weil er die Korruption von Regierungsstellen in seinen Cartoons anprangert.

Indian political cartoonist Aseem Trivedi gestures after he is arrested by the police on charges of mocking the Indian constitution in his drawings, in Mumbai, India, Sunday, Sept. 9, 2012. Police arrested Trivedi on sedition charges after his drawings criticizing government corruption irked the ruling Congress party. (AP Photo)

Indien Cartoonist Aseem Trivedi

Dem 25-jährigen indischen Karikaturisten Aseem Trivedi wird vorgeworfen, "nationale Symbole beleidigt" zu haben. Eine seiner Zeichnungen verfremdet das indische Nationalwappen: Das zeigt auf dem Kapitell der sogenannten Ashokasäule vier Löwen, darunter eine Inschrift mit dem Wahlspruch "Allein die Wahrheit siegt". In Trivedis Karikatur sind die Löwen durch vier Wölfe ersetzt und der Wahlspruch heißt dort: "Allein die Korruption siegt." Eine andere Karikatur stellt das Parlament als "nationale Toilette" dar.

Unverständnis und Proteste

Inzwischen ist Trivedi auf Kaution freigelassen worden. Seine Verhaftung hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Intellektuelle, Bürgerrechtler und Künstler im ganzen Land sicherten dem Karikaturisten volle Unterstützung zu und kritisierten die Behörden für die zunächst verordnete lange Untersuchungshaft.

Der indische Premierminister Manmohan Singh (Foto: EPA)

Die Regierung unter Manmohan Singh steht wegen Bestechungsvorwürfen in der Kritik

"Es ist die Aufgabe eines Künstlers, der Nation den Spiegel vorzuhalten. Aseem hat nichts Falsches getan, er hat den tragischen Zustand Indiens dargestellt. Dieser feige Akt [seiner Verhaftung, Anmerkung der Redaktion] wird die Protestwelle nur noch weiter anschwellen lassen und die Regierung zwingen, die Haft wieder aufzuheben", hatte der bekannte Musiker und Bollywood-Komponist Pritam Chakraborty unmittelbar nach der Verhaftung gesagt. Unverständnis äußerte auch Aseems Vater, Rewa Shankar: "Warum nimmt die Regierung unseren Sohn, einen Karikaturisten, fest, während so viele korrupte [politische] Führer frei herumlaufen? Seine Karikaturen haben doch nur dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf die Korruption zu lenken."

Tausende drückten über Twitter und Soziale Netzwerke ihre Unterstützung für den Kariakturisten aus. "Anstelle von Aseem Trivedi hätte die Regierung einige der Karikaturen, die dieses Land regieren, festnehmen sollen", twitterte der Schauspieler Suhel Seth.

Anti-Korruptionsbewegung

Als Mitglied der Indischen Anti-Korruptionsbewegung IAC, die von Indiens bekanntestem Kämpfer gegen Korruption, Anna Hazare, ins Leben gerufen wurde, hat Trivedi mit seinen Karikaturen die Regierung aufs Korn genommen.

Der IAC will Indiens Parlament mit einer Kampagne zwingen, ein Gesetz zur Einsetzung eines unabhängigen Ombudsmanns zu verabschieden. Dieser Ombudsmann soll ermächtigt werden, korrupte Politiker und Beamte strafrechtlich zu verfolgen.

Meinungsfreiheit in Gefahr?

Der indische Anti-Korruptions-Aktivist Anna Hazare winkt seinen Unterstützern (Foto: REUTERS)

Anti-Korruptions-Aktivist Anna Hazare will eine politische Partei gründen

Die Verhaftung Trivedis hat in Indien erneut die Debatte über Meinungsfreiheit angeheizt. Meinungsfreiheit ist in der indischen Verfassung festgeschrieben. Der Vorsitzende des indischen Nationalen Presserates, Richter Markandey Katju, verteidigte den jungen Aktivisten: "Er hat nichts Unrechtes getan. In einer Demokratie werden viele Dinge gesagt, manche sind wahr, andere sind falsch. Die Festnahme und die Haft sind ungerechtfertigt."

Schriftsteller, Akademiker und Künstler kritisierten die Verhaftung Trivedis als erneutes Beispiel wachsender Intoleranz der indischen Behörden gegenüber Kritik. Diese habe sich auch gegenüber bekannten Persönlichkeiten wie die Schriftstellerin und politischen Aktivistin Arundhati Roy und dem Dichter Varavara Rao gezeigt. Beide wurden der Volksverhetzung bezichtigt, als sie 2010 im Rahmen der Friedensgespräche zur umstrittenen Kaschmir-Region sogenannte "Anti-Indien" Reden hielten.

Dennoch hofft Aseem Trivedi, dass nach den landesweiten Protesten alle Anklagen gegen ihn fallengelassen werden.