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Deutschland verstehen

Hafenkräne statt Handarbeit

'Am Schiffsschornstein konnten wir die Reederei schon erkennen', schwärmt der Bremer Joachim Bräuer von seiner Kindheit im Hafen der Hansestadt Bremen. Seine Leidenschaft für den Hafen hat er sich bis heute erhalten.

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Ein Leben ohne Schiffe und einer starken Brise kann Hans Joachim Bräuer sich nicht vorstellen. Seit über 40 Jahren arbeitet er im Hafen der Hansestadt Bremen. Der 58-Jährige ist heute als Inspektor bei der Bremer Lagerhausgesellschaft tätig, er teilt Personal in Schichten ein. Gelernt hat er aber den typischen Hafenberuf des Küpers. "Ein Küper, das war die rechte Hand des Kaufmanns", erklärt er. "Wir mussten die Waren, die aus Übersee kamen, kontrollieren."

Die rechte Hand des Kaufmanns

Hans Joachim Bräuer hatte einen Hafen als Kinderspielplatz

Hans Joachim Bräuer hatte einen Hafen als Kinderspielplatz

Von den gelieferten Rohstoffen wie Baumwolle, Kaffee oder Tabak wurden Proben genommen und mit den Proben des Kaufmanns verglichen, die dieser aus den Herkunftsländern mitgebracht hatte. War zum Beispiel die gelieferte Baumwolle nass, fleckig oder mit viel Laub vermischt, dann wurde sofort "Meldung gemacht" auf dem Kontor. Der Kaufmann reklamierte die Ware in Übersee, kam keine Einigung zustande, wurde die Börse als neutrales Schiedsgericht eingeschaltet.

Schiffe am Schornstein erkennen

Groß geworden ist Hans Joachim Bräuer im Hafenrandgebiet im Stadtteil Walle. "Für uns Kinder war der Hafen der beste Spielplatz", erinnert er sich. Zwischen den alten Piers, der Getreideverkehrsanlage, gebaut in Zeiten als Bremen noch der größte europäische Umschlagplatz für Getreide war, und dem U-Boot-Bunker aus weniger rühmlichen Tagen, ließ es sich herrlich Verstecken spielen. Auch das Schiffe-Raten war eine beliebte Beschäftigung bei den Jungen. So sei das rote Hansa-Kreuz immer sicheres Kennzeichen für die Schiffe der Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft Hansa gewesen. Ob man richtig geraten hatte, wurde erst klar, wenn die Schiffe nah genug waren, um den Namen lesen zu können. "Die Hansa-Schiffe hatten die Endung -fels im Namen wie Uhenfels und die Lloyd-Schiffe die Endung -stein wie Birkenstein."

Weil sich seine Schul- und Fußballfreunde nach dem Ende der Schulzeit selbstverständlich im Hafen eine Arbeit suchten, war auch für Bräuer klar, dass er dort arbeiten wollte. Den Beruf des Küpers, in den fünfziger Jahren als Lehrberuf eingeführt, gibt es nicht mehr. Heute nennt sich eine vergleichbare Tätigkeit "Seegüterkontrolleur".

Von der kleinen Sackkarre zum tonnenschweren Kran

Ein Wahrzeichen Bremens: Die Roland-Statue am Marktplatz

Ein Wahrzeichen Bremens: Die Roland-Statue am Marktplatz

Aber nicht nur der Name sei moderner geworden, überhaupt habe sich das Leben im Hafen grundlegend verändert, sagt der Bremer. Menschen und Schiffe seien dort Mangelware geworden. Wegen der hohen Liegegebühren hielten sich Schiffe nur noch stundenweise in den Hafenbecken auf.

"Früher war Sackgut das Tagesgeschäft." Man brauchte viele Arbeiter, die die Waren mit ihren Sackkarren auf die Schiffe oder von den Schiffen brachten. In den 70er Jahren übernahmen Gabelstapler zunehmend diese Arbeit und dann kamen die Container auf. "Heute wird sogar der Kaffee in Schüttcontainern geliefert", weiß Bräuer. Tonnenschwere Kräne und Gabelstapler hätten die Handarbeit ersetzt.

Radeln am Deich

Obwohl Hans Joachim Bräuer schon sein Leben lang mit Schiffen zu tun hat, ist er eine "Landratte" geblieben. Erst im vergangenen Jahr hat er zum ersten Mal in seinem Leben eine längere Schiffsreise nach Norwegen unternommen. Seine Heimatstadt Bremen liebt er über alles. "Das ist keine hektische Stadt. Hier ist alles überschaubar." Außerdem könne er hier am Besten seinem Lieblingshobby nachgehen, erzählt Bräuer. Und das sei das Fahrradfahren. "Wenn ich mich erholen muss, steige ich schnell aufs Fahrrad und bin sofort am Deich. Und dann kann ich stundenlang radeln."

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