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Aktuell Europa

Hacker attackieren Kreml und Notenbank in Moskau

Vor einer Zins-Sitzung haben Hacker die Internetseite der russischen Notenbank lahmgelegt. Auch die Homepage des Kreml hat mit Problemen zu kämpfen. Sind die Angriffe Reaktionen auf die Sperrung oppositioneller Portale?

Eine Sprecherin des Kreml sagte, dieser sei Ziel "einer mächtigen Cyber-Attacke" gewesen. Seine Internetseite sei mehrmals gestört worden. Sicherheitsexperten versuchten, weitere Störungen zu verhindern. Die russische Zentralbank teilte mit, ihre Webseite sei durch einen Angriff aus dem Netz lahmgelegt worden. Man arbeite daran, das Problem zu lösen. Die Notenbanker entscheiden über den weiteren Leitzins für Russland. Experten gehen davon aus, dass der Zinssatz diesmal nicht angetastet wird.

Erst vor zwei Wochen hatten die Hüter des Rubels den Leitzins wegen der Ukraine-Krise deutlich erhöht. Mit dem Schritt sollten "Risiken für die Inflation und die Finanzstabilität im Zusammenhang mit den zuletzt erhöhten Schwankungen an den Finanzmärkten" vorgebeugt werden.

Vier regimekritische Websites blockiert

Am Donnerstag waren vier der wichtigsten Internetseiten der Opposition gesperrt worden. Wie die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor mitteilte, ist unter anderem der Blog des führenden Kreml-Kritikers Alexej Nawalny betroffen, der seit Februar unter Hausarrest steht. Begründet wurde die Sperrung damit, dass Nawalny trotz eines Verbots zur Benutzung des Internets über Vertraute weiter seinen Blog betrieben habe. Ein Gesetz erlaubt seit Februar die Sperrung von Seiten ohne Gerichtsbeschluss.

Nach Angaben von Roskomnadsor wurde auch die Internetseite Kasparov.ru des früheren Schachweltmeisters und Bürgerrechtlers Garri Kasparow auf die schwarze Liste gesetzt. Die Behörde warf ihm einen "Aufruf zur illegalen Aktivitäten und Teilnahme an Massenkundgebungen, die die öffentliche Ordnung verletzen" vor. Aus den selben Gründen wurden auch die kremlkritischen Internetseiten EJ.ru und Grani.ru gesperrt. Die Seiten konnten jedoch noch außerhalb Russland erreicht werden.

Chefredakteurin entlassen

Die Entscheidung von Roskomnadsor erfolgte zwei Tage nachdem die Chefredakteurin der ältesten und meistgelesenen Nachrichtenseite Russlands, Lenta.ru, wegen der Verbreitung "extremistischen Materials" entlassen worden war. Lenta.ru hatte unter anderem wiederholt über die rechtsradikale paramilitärische Gruppierung Prawy Sektor berichtet, die bei den Protesten in der Ukraine gegen den prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch eine führende Rolle spielte.

Menschenrechtler beklagen seit Jahren unter Kremlchef Wladimir Putin massive Einschränkungen der Pressefreiheit. Russland hatte zuletzt mehrere Gesetze erlassen, die Behörden im Grunde volle Gewalt auch über das Internet geben. Unter anderem können Internetseiten ohne gerichtlichen Beschluss blockiert werden. Die nun über russische Server nicht mehr zugänglichen Webseiten galten als prominente Plattformen für unabhängigen Journalismus und freie Meinungsäußerung.

Die russischen Behörden hatten bei den Telekom-Unternehmen des Landes eine weitreichende Infrastruktur installieren lassen, die schnelle Websperren und laut Medienberichten auch eine weitreichende Überwachung ermöglicht. Gesperrt wurden bisher vor allem Seiten mit Kinderpornografie oder dubiösen Geschäftspraktiken.

kle/det (rtr, afp, dpa)