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Sprachbar

Haariges

Prachtvolle Perücken zierten früher die Häupter der Adligen, Adlerfedern waren es bei vielen Indianern, die Punk-Jugend der 80er stand auf bunte Farben. Haare haben eine große symbolische Bedeutung – auch in der Sprache.

Obwohl die Haare ja kein Organ mit Nerven und Empfindungen sind, in der Sprache vermitteln sie reichlich Gefühl oder stehen für ausgeprägte Charakterzüge. Menschen mit Haaren auf den Zähnen gelten als wenig freundlich, aber als sehr durchsetzungsstark. Peinliche Situationen lassen manche Menschen rot werden, und wenn es besonders peinlich ist oder der Betroffene besonders empfindlich, dann wird manch einer auch rot bis in die Haarspitzen – bildlich gesprochen.

Mit Haut und Haar

Unangenehme Begegnungen und Schrecksituationen lassen einem zuweilen die Haare zu Berge stehen. Ganz ähnlich ist das beim Anblick unerwartet hoher Rechnungen, bei denen sich manchen Menschen die Haare sträuben. Eltern passiert das allerdings auch, wenn sie von den hochfliegenden Plänen ihrer Kinder hören, zum Beispiel als Musiker berühmt zu werden oder zwecks Erleuchtung durch weise Gurus nach Indien zu reisen.

Mit Haut und Haar – in diesem Fall – gefressen werden nicht nur Rotkäppchen und seine Großmutter im Märchen der Brüder Grimm. Sich mit Haut und Haar einer Sache hinzugeben, bedeutet, vollkommen begeistert von einer Idee zu sein und sie mit aller Energie zu verfolgen. Egal, ob es dabei um Briefmarkensammeln, Skispringen oder das Lösen mathematischer Formeln geht. Mit Haut und Haar verfallen ist man dagegen nur seiner großen Liebe, egal, ob die glücklich ist oder nicht.

Um Haaresbreite

Um ein Haar wäre es passiert und das Auto hätte den kleinen Paul erwischt, als er auf die Straße lief, um seinen Fußball wiederzuholen. Zum Glück konnte der vorbeifahrende Wagen rechtzeitig bremsen, so dass sogar Pauls Geburtstagsgeschenk unbeschädigt blieb.

Noch einmal gut gegangen, aber um Haaresbreite wäre der schöne Lederball platt gewesen. Mit etwas zitternden Beinen entschuldigte sich Paul beim Autofahrer. Der atmete erst einmal tief durch und sagte: "Das war aber haarscharf." Durchatmen musste auch Pauls Mutter, als sie von der Geschichte hörte. Pauls Schwester hatte ihr alles haarklein erzählt, ganz ausführlich und mit vielen Details.

Haarspaltereien

Fürs Haare schneiden ist der Friseur zuständig. Mit Haarspaltereien aber hat er nichts zu tun. Das ist eher etwas für Menschen, die es im Gespräch übertrieben genau nehmen und weit über das Notwendige hinaus Differenzen betonen. Zumindest aus der Sicht des anderen.

"Schatz, sagtest du nicht, du möchtest heute Abend einen lustigen Film im Fernsehen anschauen?", fragte die aufmerksame Ehefrau. "Nein, ich sagte, ich wollte einen unterhaltsamen Film sehen", erwidert er schlecht gelaunt, weil sie die Komödie schon eingeschaltet hat. Wenige Sätze und Minuten später liegt sich das Paar in den Haaren und streitet um Vorlieben, Geschmack und Niveau.

Das ist ja zum Haareraufen!

Sie wirft ihm vor, er würde doch immer ein Haar in der Suppe finden, an nichts ein gutes Haar lassen und an jedem Film etwas zu kritisieren haben. Er gibt zurück, das sei an den Haaren herbeigezogen, eine wild erfundene Behauptung, nichts liege ihm ferner. Zu guter Letzt könnte dann noch einer der beiden ausrufen: "Das ist ja zum Haareraufen", um seinem Ärger Ausdruck zu verleihen.

Sich tatsächlich in die Locken greifen müsste er oder sie sich dabei nicht. Das sprachliche Bild der aus Verzweiflung zerzausten Haare reicht schon, um verstanden zu werden. Fest steht dann auch, der Abend wird sicher nicht mehr unterhaltsam und lustig schon gar nicht.

Haarige Geschichten

Wenn Sie auch solche schwierigen und haarigen Geschichten erleben, seien Sie beruhigt, raufen Sie sich nicht die Haare und lassen Sie sich auch keine grauen Haare wachsen. Sie sind damit nicht allein.

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