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Europa

Hühner übernehmen alternative Müllentsorgung

Abfälle entsorgen kann auch Spaß machen. Das beweist ein Umweltprojekt an der belgisch-französischen Grenze. Die Bürger bekommen von der Stadt Hühner geschenkt - und die Tiere fressen kiloweise Müll.

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Dieses Huhn soll Müll entsorgen

Die Müllhühner von Mouscron

Der Marktplatz von Mouscron

Tausche Biomüll gegen Eier - so lautet das Motto vieler Familien im kleinen belgischen Städtchen Mouscron. So etwas funktioniert zwar nicht im Supermarkt, wohl aber mit eigenen Hühnern im Hof oder Garten - und genau die verschenkt die Stadtverwaltung an interessierte Bürger. Als Doppelpack im Pappkarton.

Crashkurs zur Hühnerhaltung inklusive

Ausgedacht haben sich die alternative Form der Müllentsorgung findige Umweltbeamte der Stadt. Einer davon ist Christophe Deneve, der auf dem Marktplatz einen Einführungsvortrag für die künftigen Hühnerbesitzer hält.

Die Müllhühner von Mouscron

Erst nach dem Vortrag gibt's die Hühner

Wer die Präsentation schwänzt, bekommt auch kein Huhn: „Wir haben die Einführungsveranstaltung organisiert, weil wir im ersten Jahr die schlechte Erfahrung gemacht haben, dass die Hühner die wir in Pappkartons verteilt haben, bei einigen Leuten auch nach zwei Wochen noch im Pappkarton lebten", erklärt Christophe Deneve. "Seit wir die Infoveranstaltungen machen, haben wir kein Problem mehr.“ Jährliche Kontrollbesuche gibt es trotzdem.

Nutz- oder Haustier?

Die Müllhühner von Mouscron

Das Ehepaar Vandewiele liebt seine Hühner

Bei Christine und Charles Vandewiele könnten die Beamten allerdings getrost darauf verzichten. Das ältere Ehepaar hat sich gerade Huhn Nummer sieben und acht zugelegt und bezeichnet die Tiere als Töchter. "Wenn wir nach ihnen rufen, dann kommen sie angerannt", sagt Christine stolz. Gemeinsam mit Ehemann Charles freut sie sich über die leckeren Bioeier, die sie täglich im Hühnerstall einsammelt. Täglich vier bis fünf Stück.

Rund 150 Kilo Bioabfall kann ein Huhn pro Jahr verspeisen. „Auf jeden Fall reduziert das die Abfälle, denn alles, was wir ihnen geben, landet nicht im Müllsack, "sagt Charles. "Wenn ein Stück Fleisch oder Gemüse übrig bleibt geben wir es den Hühnern. Dann ist es ja nicht verloren."

Die eigenen Hühner irgendwann zu schlachten und zu essen kommt für das Ehepaar Vandewiele allerdings nicht in Frage. Obwohl der Vertrag mit der Stadt Mouscron lediglich eine Schonfrist von zwei Jahren vorsieht.

Ein Huhn für's Leben

Die Müllhühner von Mouscron

Leckere Bioeier gibt's gratis

Alle seit 2007 verteilten Hühner seien noch am Leben, versichert der Umweltbeamte Christophe Deneve zufrieden: "Die Leute bringen es nicht über sich, sie zu töten. Ich habe Leute gesehen, wo die Hühner sogar in die Küche durften. Oder den Kindern hinterherliefen, wie kleine Hunde, bloß dass es eben Hühner sind.“

Als pädagogisches Projekt für seine Kinder sieht auch Daoud Riffi die Hühner. "Wir wohnen mitten in der Stadt und das erlaubt uns ein bisschen Natur zuhause.“ Alle Nachbarn hätten bereits Hühner zuhause, erzählt der junge Vater, da sei er fast ein bisschen neidisch geworden.

Ein geschenktes Huhn macht doppelt Spaß

Die Müllhühner von Mouscron

Große Freude über das Huhn im Karton

Kaum hat Daoud Riffi den Vertrag unterzeichnet, der ihn zur artgerechten Haltung der Tiere verpflichtet, nimmt seine sechsjährige Tochter Marjana freudestrahlend den Pappkarton mit zwei Hühnern entgegen. Eines wird "Coucou" heißen, das steht schonmal fest.

Die Familie Riffi hatte Glück - längst nicht jeder Interessent bekommt nach telefonischer Bestellung bei der Stadt Mouscron auch ein Huhn zugeteilt. "Wir hatten wieder viel mehr Bewerber als Hühner", berichten die Umweltexperten der Stadt. Das Ziel sei es, die Bürger für die alternative Abfallentsorgung zu sensibilisieren, und nicht etwa jedem Haushalt ein Huhn zu schenken. "Diejenigen die Hühner wollen, können auch Hühner kaufen, das kostet sieben Euro", so Christophe Deneve. Aber ein geschenktes Huhn ist eben doch etwas ganz besonderes.

Autorin: Susanne Henn

Redaktion: Gero Rueter