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Wirtschaft

Höhenflug mit Tücken

Der Euro ist seit Wochen im Aufwind und notiert nahe seines Dreijahreshochs gegenüber dem Dollar. Doch der von Politikern und Zentralbänkern lange angestrebte Kursanstieg der Gemeinschaftswährung birgt auch Risiken.

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Erfolg für "Mr. Euro" Wim Duisenberg

Wim Duisenberg und die Finanzminister der Euro-Zone dürften sich derzeit freuen. Seit der Bargeld-Einführung der Währung im Januar 2001 hatten sie sich gegen das Image des schwachbrüstigen Euro gewehrt und betont, der Euro sei unterbewertet. Angemessen sei die Parität, ein Verhältnis von eins zu eins von Dollar und Euro.

Was damals kaum einer glauben wollte, ist inzwischen schon wieder Geschichte. Der Euro hat die Parität längst hinter sich gelassen und steuert auf immer neue Höchstkurse zu. Am Freitag (10.1.2003) kletterte die Gemeinschaftswährung mit 1,0572 Dollar auf ein Dreijahreshoch. Und ein Ende des Aufwärtstrends ist derzeit nicht in Sicht. "Der Dollar wird schwach bleiben, solange die politische Krise um den Irak anhält", prognostiziert Carsten Fritsch, Devisen-Analyst bei der Commerzbank, und verweist darauf, dass der Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar nicht hausgemacht sei. "Der Euro ist nicht stark, sondern der Dollar ist schwach, das zeigt der Vergleich mit anderen Währungen. Gegenüber dem britischen Pfund hat der Euro nur leicht zugelegt und gegenüber dem Schweizer Franken sogar an Wert verloren."

Unsichere Investoren

Fritsch zufolge ist der Grund für das Euro-Hoch die Unsicherheit der Anleger angesichts eines drohenden Krieges der USA gegen den Irak. "Deswegen stecken internationale Anleger derzeit ihr Geld lieber in Euro als in Dollar." Dies wirke sich aufgrund des großen Refinanzierungsbedarfs der US-Wirtschaft sofort auf den Kurs des Dollars aus, obwohl die Investoren bislang noch nicht im großen Stil Gelder aus den USA zurückgezogen hätten. "Dann würde es einen Dollar-Crash geben", betont Fritsch.

Ein solches Szenario ist aber momentan nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auf dem gegenwärtigen Niveau können eigentlich beide Seiten, USA und Europa, ganz gut mit dem Dollar-Euro-Kurs leben. "Die Europäer können dadurch das Image des schwachen Euros ablegen und auf internationale Mittelzuflüsse hoffen und die USA können dadurch ihre Produkte international billiger anbieten und das Handelsbilanzdefizit senken", erläutert der Devisen-Experte.

Gerechtfertigter Anstieg

Für Jochen Schober, Chefvolkswirt der Helaba, beseitigt der derzeitige Kurs nur die zuvor herrschende Unterbewertung des Euro. "Der Euro ist jetzt eigentlich in den Bereich zurückgekehrt, in den er gehört." Seiner Einschätzung nach sind die vielfach befürchteten negativen Auswirkungen eines starken Euros für die deutsche Exportwirtschaft überzogen. "Der Effekt wird nicht übermäßig groß sein, da ein großer Teil der Exporte in den Euro-Raum geht." Unternehmen, die in großem Maße in die USA exportieren, wie die Automobilhersteller, seien davon natürlich stärker betroffen. Bei ihnen könnte es zu Gewinnrückgängen kommen, sagt Schober.

Devisen-Analyst Fritsch erwartet dagegen, dass der starke Euro die ohnehin gebeutelte deutsche Wirtschaft weiter schwächen könnte. "Für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft hat die Dollarschwäche negative Folgen, denn deutsche Produkte werden in den USA teurer. Da die Binnennachfrage sehr schwach ist, kann dies nicht kompensiert werden."

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