1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

"Höchstwahrscheinlich gibt es Wasser dort"

Wissenschaftler haben erstmals einen bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. DW-World sprach mit einem der Entdecker, Stéphane Udry vom Observatorium Genf, über den Planetenfund.

Illustration die andere Erde und die Sonne, Quelle: AP

Die andere Erde und ihre Sonne

DW-WORLD.DE: Wie haben Sie den neuen Planeten entdeckt? Rein zufällig?

Stéphane Udry: Nein, natürlich nicht rein zufällig. Wir arbeiten in einem unfassenden Forschungsprogramm, um solche Planeten aufzuspüren. Wir verfolgen mehrere tausende von Sternen, um über sie Hinweise auf Planeten zu bekommen. Unser Planet hat einen Heimatstern, den er umkreist. Uns interessiert vor allem die Umlaufgeschwindigkeit solcher Sterne, über die wir die Existenz eines Planeten berechnen können.

Wie heißt der Planet?

Wir geben solchen Planeten keine Namen, weil es zu viele von ihnen gibt. Wir nehmen für die Bezeichnung den Namen des Heimatsterns und fügen einen Buchstaben hinzu, der sich auf das Entdeckungsdatum des Planeten bezieht. Der erste Planet, den man im Umkreis des Sterns entdeckt, erhält ein "B", der zweite ein "C". Der neue Planet heißt Gliese 581 C, weil er der zweite ist, den wir in der Umgebung des Sterns Gliese 581 entdeckt haben.

Wie sind die Lebensbedingungen auf "Gliese 581 C"?

Das ist eine schwierige Frage. Wahrscheinlich gibt es eine feste Oberflächenstruktur, weil die meisten Planeten dieser Größe eine feste Oberfläche haben. Unser Planet hat die fünffache Masse der Erde. Die Durchschnittstemperatur dürfte zwischen Null und 40 Grad Celsius liegen. Und eine Jahreszeit dauert auf dem Planet nur 13 Tage, weil er seinen Stern dicht umkreist.

Gibt es dort vielleicht organisches Leben?

Ich kann nur sagen, dass die Größe und die Temperatur des Planeten dafür günstig sind. Der Planet befindet sich in der bewohnbaren Zone, wie wir sagen, denn höchstwahrscheinlich gibt es auch Wasser dort. Es gibt wohl mehrere Quellen der Wasserversorgung, von denen wir ausgehen können. Zum Beispiel dürfte es Kometen geben, die Wasser zum Planeten bringen, so wie es auf der Erde in der Frühphase des Sonnensystems geschah. Und es könnte Eis geben, aus dem der Planet zu gewissen Teilen besteht. Grundvoraussetzung für Leben sind aber chemische Komponenten wie Kohlenstoff oder Sauerstoff. Wenn diese Komponenten hinzukommen, sind die Bedingungen günstig. Aber darüber kann ich im Augenblick nicht viel sagen. Es kann gut sein, dass wir in 20 Jahren dazu in der Lage sein werden. Wir bräuchten Licht aus der Atmosphäre des Planeten, um das festzustellen.

Können Sie Forschungssonden einsetzen, um den Planeten weiter zu untersuchen?

Nein, dazu ist es zu weit entfernt, es sind 20 Lichtjahre. Wenn wir nur ein Zehntel der Lichtgeschwindigkeit aufbringen würden, was schon wunderbar wäre, bräuchten wird dennoch zwei Jahrhunderte, um dorthin zu gelangen. Wir müssen und also weiter darauf beschränken, die Informationen von hieraus zu analysieren, die vom Planeten kommen.

Welche Bedeutung hat die Entdeckung für die Wissenschaft?

Es ist durchaus eine wichtige Entdeckung. Langfristig ist es unser Ziel, einen zweiten Planeten zu finden, auf dem Leben möglich sein könnte. Wir gehen Schritt für Schritt in die Richtung, eine weitere "Erde" zu finden.

Die Redaktion empfiehlt