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Politik

Höchste Sicherheitsstufe für die Türkei-Reise des Papstes

Knapp drei Monate nach seinen umstrittenen Äußerungen über Islam und Gewalt reist Papst Benedikt in die Türkei. Seine Hauptthemen: Der Dialog mit dem Islam, die Annäherung an die orthodoxe Kirche und Religionsfreiheit.

Papst Benedikt XVI. vor seiner Reise in die Türkei beim Segnen von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom

Papst Benedikt XVI. vor seiner Reise an den Bosporus

Die erste Visite Benedikts XVI. in einem islamischen Land findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Im Vordergrund der viertägigen Reise, die den Pontifex in die Hauptstadt Ankara, zum Marienhaus in der antiken Stadt Ephesus und nach Istanbul führt, steht der Dialog mit dem Islam und eine weitere Annäherung an die orthodoxe Kirche. Außerdem will der Papst das Thema Religionsfreiheit sowie die Lage der christlichen Minderheit zur Sprache bringen. Zum Schutz des Papstes werden mehr als 15.000 Polizisten im Einsatz sein.

Erdogan empfängt den Papst doch noch

Gleich nach der Ankunft am Flughafen am Dienstag (28.11.2006) hat sich der Papst kurz mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen. Mit dieser Entscheidung in letzter Minute reagierte Erdogan, der anschließend zum NATO-Gipfel nach Riga fliegt, auf den Vorwurf, er weiche einem Treffen aus. Nach Benedikts Islam-Äußerungen vor knapp drei Monaten, die von Muslimen als Beleidigung des Propheten Mohammed aufgefasst worden waren, hatten Erdogan und der Chef der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, eine Entschuldigung des Papstes verlangt.

Benedikt, der in seiner Regensburger Rede einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert hatte, Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht, hatte Bedauern geäußert, seine Worte aber nicht zurückgenommen. In Istanbul demonstrierten am Sonntag bis zu 30.000 Menschen gegen den Besuch des Papstes, allerdings weit weniger als ursprünglich erwartet.

Proteste sollen während des Besuchs ausbleiben

Der türkische Oppositionsführer Deniz Baykal hat dazu aufgerufen, die Proteste gegen Papst Benedikt XVI. für die Dauer des Besuchs auszusetzen. Zwar könne man sowohl über die Reise selbst als auch über den Umgang der Regierung damit streiten, sagte Baykal laut Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu bei einem Kongress in Istanbul. "Aber das müssen wir jetzt zurückstellen", so der Chef der kemalistisch orientierten Republikanischen Volkspartei, der einen sehr nationalistischen Kurs vertritt.

Treffen mit dem Chef der türkischen Religionsbehörde

Höhepunkt des ersten Besuchstages, an dem der Papst das Mausoleum des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk aufsucht und dem Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer einen Höflichkeitsbesuch abstattet, ist die Unterredung mit Bardakoglu an dessen Amtssitz in Ankara.

Nach dem Abstecher nach Ephesus, wo Mutter Maria der Überlieferung nach die letzten Jahre ihres Lebens verbracht haben soll, trifft Benedikt in Istanbul den orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. Bei dieser und anderen Begegnungen mit religiösen Führern der nichtmuslimischen Minderheiten will Benedikt dem Vernehmen das kritische Thema Religionsfreiheit zur Sprache bringen. Christliche Kirchen haben in der Türkei keinen anerkannten Rechtsstatus und dürfen keine Priester ausbilden. Zum weiteren Programm des Papstes zählen ein Besuch der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in Istanbul. (kap)

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