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Wirtschaft

Härtere Zeiten für Investmentbanken

Sind die fetten Jahre vorbei? Rechtsstreitigkeiten machen Investmentbanken zu schaffen, so die Ratingagentur Moodys. Nach einer anderen Studie sinken die Einnahmen der weltweit zehn größten Investmentbanken 2015 erneut.

Zuwächse im Aktiengeschäft begrenzen den Rückgang aber voraussichtlich auf zwei Prozent, wie eine am Dienstag vorgestellte Umfrage der Beratungsfirma Coalition ergab.

Der Handel mit festverzinslichen Papieren, Währungen und Rohstoffen, der fast die Hälfte der Einnahmen von insgesamt 148 Milliarden Dollar beisteuert, werde etwa sieben Prozent einbüßen. Dagegen bringe das Aktiengeschäft rund zwölf Prozent mehr ein.

Umbau der Geldhäuser

Investmentbanken haben in den vergangenen Jahren vor allem in Europa wegen härterer Vorgaben der Aufseher, hoher Kosten für Gerichtsverfahren und der Marktschwankungen empfindliche Rückschläge hinnehmen müssen. In der Folge unterzogen sich Geldhäuser einem massiven Umbau, entließen Beschäftigte und stiegen aus einzelnen Geschäftsfeldern aus.

In der Studie berücksichtigt sind unter anderem die Deutsche Bank, Goldman Sachs, UBS, Credit Suisse, Morgan Stanley, JPMorgan, BNP Paribas, Barclays, Citi und Bank of America Merrill Lynch.

Vor allem Rechtsstreitigkeiten wiegen schwer

Ein erhebliches Risiko für die globalen Investmentbanken stellen milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten dar, so die Einschätzung der Ratingagentur Moody's. Die Institute seien inzwischen zwar besser für hohe Strafen gewappnet, weil ihre Kapitaldecke dicker und ihr Geschäftsmodell ausbalancierter sei, erklärten die Experten in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Noch seien aber nicht alle Rechnungen bezahlt und auch so blieben Probleme bestehen, warnte Analyst Alessandro Roccati. Das gelte insbesondere für den Fall, dass sich einzelne Banker wegen kriminellen Verhaltens vor Gericht verantworten müssten und dies die gesamte Organisation beschädige. Ein Kundenschwund könne die Folge sein. Dann sei es auch schwerer, Geld zu verdienen und für Rechtsstreitigkeiten zur Seite zu legen.

219 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten

Deutschland Deutschen Bank Symbolbild

Die Deutsche Bank steht im Visier der Justiz

Moody's hat sich in der Studie insgesamt 15 große Investmentbanken näher angeschaut. Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass die Institute seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 bis 2014 rund 219 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten aufgewendet haben. Etwa zwei Drittel der Summe entfällt auf US-Häuser, die besonders stark auf dem in der Krise kollabierten US-Hypothekenmarkt engagiert waren.

In Europa zählt die Deutsche Bank zu jenen Banken, die immer wieder von teuren juristischen Altlasten eingeholt werden. Das frisst die mühsam erwirtschafteten Gewinne regelmäßig auf. Ende September hatten die Frankfurter noch 4,8 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt, obwohl beispielsweise der besonders teure Zinsskandal bereits beigelegt ist. Ein Ende der Belastungen ist derzeit nicht absehbar.

iw/hb (rtr)