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Wirtschaft

Hängepartie bei der GM-Tochter Opel

Mit Empörung hat die deutsche Politik auf die Vertagung der Entscheidung über die Zukunft des Autoherstellers Opel reagiert. Der GM-Verwaltungsrat hatte sich am Freitag nicht zu einer Entscheidung durchringen können.

Karl Zawadzky, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle (Foto: DW)

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Die Zukunft des angeschlagenen Autoherstellers Opel hängt weiter in der Luft; es droht die von der deutschen Politik so sehr befürchtete Hängepartie sowie eine erneute Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Da mögen die Bundesregierung sowie die Ministerpräsidenten der drei Bundesländer mit Opel-Standorten noch sehr zetern, die Führung des Opel-Mutterkonzerns General Motors pokert. Nachdem der größte amerikanische Autohersteller sein eigenes Insolvenzverfahren in kurzer Zeit hinter sich gebracht hat, lassen sich die Manager in Detroit viel Zeit mit der Entscheidung über ihr künftiges Europa-Geschäft und damit über das Schicksal der deutschen Konzerntochter Opel.

Bundesregierung unter Druck

Dabei baut sich wieder ein erheblicher Zeitdruck auf, denn die 1,5 Milliarden Euro aus deutschem Steuergeld, mit denen die Insolvenz von Opel verhindert worden ist, werden vor Ende dieses Jahres aufgebraucht sein. Hinzu kommt: Bereits in wenigen Wochen läuft die Abwrackprämie aus, die den Absatz auch von Opel in Deutschland kräftig angekurbelt hat. Dann kommen speziell auf Opel wieder schwere Zeiten zu. Denn auch trotz der guten, weil über die Abwrackprämie subventionierten, Absatzzahlen fährt Opel Tag für Tag Verluste in Millionenhöhe ein. Schon bald werden sich die Bundesregierung und die betreffenden Landesregierungen wieder mit der Alternative konfrontiert sehen: Pleite oder neue Milliardenspritze.

GM lässt sich Zeit

Nachdem der amerikanische Mutterkonzern mit dem Mittel der Insolvenz und vieler Milliarden Dollar aus Washington saniert worden ist und das einstmals größte Unternehmen der Welt dem Staat gehört, haben es die Manager in Detroit nicht mehr eilig mit Opel. Es spricht sogar einiges für die Annahme, dass sie ihre europäischen Aktivitäten überhaupt nicht mehr verkaufen, sondern mit viel Geld der europäischen Steuerzahler selbst sanieren wollen.

Jedenfalls sieht es sehr danach aus, dass die Amerikaner nicht vorhaben, die europäischen Autoaktivitäten von General Motors an das von der Bundesregierung bevorzugte Konsortium aus dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna, der russischen Sberbank und dem ebenfalls russischen Autohersteller GAZ zu verkaufen. General Motors würde sich damit nämlich auf immer auf dem europäischen Markt mit einem Minderheitenanteil an Opel begnügen. General Motors versteht sich als weltweiter Autokonzern und will in Europa präsent bleiben.

Deswegen bevorzugt das Management in Detroit den Einstieg des Finanzinvestors RHJ, der die Mehrheit an Opel übernehmen, das Unternehmen sanieren und dann wieder an General Motors verkaufen soll. Und wenn eben möglich, soll dieser Umweg über den Finanzinvestor vermieden werden. Hinzu kommt: Würde Opel den Konzernverbund auf Dauer verlassen, käme General Motors in erhebliche Schwierigkeiten, denn bei Opel liegt die konzernweite Entwicklungskompetenz für Kleinwagen sowie für neue Antriebsarten, also die Zukunft von General Motors. Außerdem sieht General Motors die russische Beteiligung an dem Magna-Konsortium äußerst kritisch. Denn aus russischer Sicht ist der Erwerb von Opel ein Meilenstein auf dem Weg, die marode russische Autoindustrie auf europäisches Niveau zu bringen. General Motors will in Russland selbst Autos bauen und verkaufen und hat kein Interesse daran, auf diesem wichtigen Zukunftsmarkt die Konkurrenz stark zu machen.

Klarheit erst nach der Bundestagswahl

General Motors spielt auf Zeit und setzt damit die Bundesregierung sowie die Landesregierungen mit Opel-Standorten unter Druck. Gleichzeitig ist das aber auch der Versuch, mit einer hier zu Lande höchst unpopulären Entscheidung nicht in die Mühlsteine der Bundestagswahl zu kommen. Das heißt: Erst nach der Bundestagswahl Ende kommenden Monats will General Motors mitteilen, was mit Opel geschehen soll. Freilich hat auch die deutsche Seite Möglichkeiten, Druck aufzubauen. Denn die Mehrheit der Anteile an Opel liegt nicht mehr bei General Motors, sondern wird von fünf Treuhändern verwaltet, dabei zwei Amerikaner und zwei Deutsche sowie ein Vorsitzender, der sich im Konflikt der Stimme enthalten will. Das heißt: Bei einer Blockade gibt es gar keine Entscheidung. Das wäre der sichere Weg in die Insolvenz von Opel und damit vielleicht nicht die schlechteste Möglichkeit. Denn in diesem Fall könnte der Insolvenzverwalter Opel an den Meistbietenden verkaufen. Das müsste nicht der derzeitige amerikanische Mutterkonzern General Motors sein.

Autor: Karl Zawadzky
Redaktion: Zhang Danhong