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Welt

"Händler des Todes" Bout schuldig gesprochen

Er verdiente Millionen, war Vorlage für einen Hollywoodfilm und in der Branche legendär und berüchtigt: Viktor Bout gilt als einer der gerissensten Waffenhändler der ganzen Welt. Jetzt wurde er in den USA verurteilt.

Viktor Bout wartet am 20.08.2010 in ein einer Zelle auf seine Anhörung in Bangkok (Archivfoto: dpa)

Muss vermutlich lebenslang hinter Gitter: Viktor Bout

Die Geschworenen eines Bundesgerichts in New York befanden den als "Händler des Todes" bekannt gewordenen russischen Waffenschieber am Mittwoch (02.11.2011, Ortszeit) in allen vier Anklagepunkten für schuldig. Allein für die Punkte Verschwörung zur Tötung von US-Bürgern, zur Tötung von US-Regierungsmitarbeitern und zum Abschuss von Flugzeugen sind 25 Jahre jeweils die Mindeststrafe. Möglicherweise muss Viktor Bout aber auch lebenslang hinter Gitter. Das Strafmaß soll am 8. Februar verkündet werden.

Weltweite Waffenlieferungen an Terroristen

Bout, ein ehemaliger Offizier der sowjetischen Luftwaffe, soll zwei Jahrzehnte lang Armeen, Rebellen und Terroristen auf der ganzen Welt mit Waffen versorgt haben. Begonnen hatte der heute 44-Jährige mit einem Lufttransportunternehmen. Bald beförderte er jedoch mit seinen Antonows statt Blumen aus Afrika lieber Waffen nach Afrika. In dem von Kriegen zerrütteten Kontinent, wo er zu Sowjetzeiten stationiert war, fand er Käufer für Kalaschnikows, Panzerfäuste und auch schwere Waffen.

Nach Angaben von US-Behörden verfügte Bout gegen Ende der 1990er Jahre über eine Flotte von mehr als 60 Flugzeugen. Der Russe soll Waffen in Krisengebiete in Afrika, Südamerika, den Nahen Osten und nach Asien geliefert haben. Auch in Afghanistan soll er über Jahre verschiedene Kriegsparteien mit Waffen versorgt und dabei auch islamistische Terrorgruppen ausgerüstet haben.

US-Lockvögeln ins Netz gegangen

Bout war 2008 in Thailand festgenommen und 2010 an die USA ausgeliefert worden. US-Agenten, die sich als hochrangige Mitglieder der kolumbianischen FARC-Guerilla ausgegeben hatten, hatten ihn in Bangkok in ein fiktives Waffengeschäft verwickelt. Sie verlangten unter anderem Raketen zum Abschuss von US-Flugzeugen, welche die kolumbianische Armee in ihrem Kampf gegen die FARC unterstützen. In den heimlich aufgezeichneten Verhandlungen sagte Bout, er könne die Waffen besorgen.

Bout bei seiner Auslieferung im November 2010 (Foto: AP)

Bout bei seiner Auslieferung im November 2010

Die Anklage hatte die Beweise gegen Bout als "überwältigend" bezeichnet. Er habe in alle Krisengebiete geliefert und einzig auf den Profit orientiert den Tod Tausender Menschen in Kauf genommen. Bouts Verteidiger hatte hingegen gesagt, sein Mandant habe nie illegal mit Waffen gehandelt. Bei dem Geschäft mit den falschen Kolumbianern sei es um Flugzeuge gegangen, den Waffendeal hätten die Agenten untergeschoben.

US-Regierung und Hilfsorganisationen erleichtert

"Heute musste sich einer der wichtigsten Waffenschieber für seine schmutzige Vergangenheit verantworten", sagte US-Justizminister Eric Holder. "Sein Waffenschmuggel und seine Unterstützung von Terrorgruppen waren über Jahrzehnte Anlass zur Sorge." Bout habe Waffen in einer Dimension verkauft, "die die Armeen einiger kleinerer Länder neidisch machen könnten".

Auch bei der Hilfsorganisation Oxfam war Erleichterung zu hören. "Das Urteil schließt das Kapitel eines der effektivsten Menschen, die Krieg, Massengewalt und Terrorismus möglich gemacht haben", sagte Oxfam-Expertin Kathi Lynn Austin. "Wir sollten alle dankbar sein, dass die Welt sicherer ist, jetzt, wo einer der Menschen, die die Brennpunkte dieser Welt mit Waffen versorgt haben, hinter Gittern ist."

Bout will in Berufung gehen

In Moskau kritisierten die Angehörigen des Waffenhändlers die Entscheidung als "reine Willkür". Der Prozessverlauf habe gezeigt, dass es "wenig Hoffnung gebe auf ein faires Urteil", sagte Bouts Bruder Sergej der Agentur Interfax. Bouts Anwalt kündigte an, den Schuldspruch nicht hinzunehmen. "Das ist definitiv nicht das Ende des Prozesses. Wir werden in Berufung gehen", sagte er.

Festnahme, Auslieferung und Prozess waren von Russland immer wieder scharf kritisiert worden. Amerikanische Zeitungen hatten deshalb spekuliert, der Kreml befürchte, dass angebliche Verbindungen zwischen russischen Regierungsstellen und dem illegalen Waffenhandel ans Licht kommen könnten. Die russische Führung hatte mehrfach betont, nicht über einen möglichen Austausch von Bout etwa für inhaftierte Agenten nachzudenken.

Bout beherrscht angeblich sechs Fremdsprachen und verfügte in der Vergangenheit über verschiedene Tarnidentitäten. Sein schillerndes Leben diente als Vorlage für den Hollywood-Film "Lord of War" ("Händler des Todes") mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Das darin verwendete Antonow-Transportflugzeug hatte sich die Filmcrew gechartert - vom echten Bout.

Autorin: Julia Elvers-Guyot (dpa, afp, dapd)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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