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Politik

"Hände weg von diesem Heiligtum!"

Noch vor 10 Jahren war die Anwesenheit von Deutschen Staatsmännern in Polen auf heftige Kritik gestoßen. Zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes reist nun auch der deutsche Bundeskanzler Schröder an.

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Museum des Warschauer Aufstands

BildgalerieBundespräsidenten Bundespräsident Roman Herzog

Roman Herzog: erster deutscher Staatsmann bei den Gedenkfeiern zum Warschauer Aufstand.

Vor 10 Jahren war Roman Herzog als erster deutscher Staatsmann zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstands eingeladen - eine schwere Reise für den damaligen Bundespräsidenten. Es war der polnische Präsident Lech Walesa, der ihn eingeladen hatte, weil er ein Zeichen der Versöhnung für möglich hielt. Viele Polen reagierten allerdings ablehnend - zu schmerzlich war die Erinnerung an den verzweifelten Ansturm der schlecht ausgestatteten Kämpfer der "Armia Krajowa" gegen Wehrmacht und SS. Roman Herzog ließ sich trotzdem auf einen Besuch der Stadt ein, die deutsche Besatzer nach der Niederschlagung des Aufstands dem Erdboden gleichgemacht hatten: Es gehe ihm darum, den Aufständischen Ehrerbietung zu zollen. Diese Geste sei auch Zukunft weisend gewesen.

"Uns trennt ein Meer aus Blut"

Der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa

Der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa

63 Tage lang hatten die Aufständischen im Sommer 1944 durchgehalten. Über 150.000 Warschauer, vor allem Zivilisten, waren bei den Kämpfen ums Leben gekommen, weitere 200.000 wurden nach der Kapitulation in Konzentrationslager verschleppt. Walesa erinnerte am 1. August 1994 an das Grauen: "Unsere Völker trennt ein Meer aus Blut. Durch dieses Meer ist der Weg zueinander weit. Anerkennung gebührt jenen, die als erste den Mut hatten zu sagen: Wir vergeben und bitten um Vergebung. Wir erteilen den Mördern von Warschau keine Absolution, aber wir übertragen diese Gefühle nicht auf das ganze deutsche Volk. Wir wollen und können mit Euch in Freundschaft leben als gute Nachbarn." Herzog erklärte in seiner Rede, dass es die Deutschen mit Scham erfülle, dass ihnen ewig der Schmerz und das Leid anhaften werde, das den Polen zugefügt wurde. Seine Bitte um Vergebung wurde in Polen positiv aufgenommen; sie war ein wichtiger Meilenstein in den schwierigen deutsch-polnischen Beziehungen seit dem Ende des Krieges.

Die Wogen haben sich geglättet

10 Jahre später ist die Einladung an den Bundeskanzler kein Anlass mehr für Kontroversen in Polen, aber für Gerhard Schröder keinesfalls selbstverständlich: "Ich habe mich sehr gefreut, dass die polnische Regierung, dass der polnische Staatspräsident mich eingeladen hat, zum 60. Tag des Warschauer Aufstands in Polen dabei zu sein."

Claus Graf Schenk von Stauffenberg

Hitler-Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg

Ferner zog er am 20. Juli 2004 eine Parallele zwischen dem Warschauer Aufstand und dem Widerstand deutscher Offiziere gegen Hitler, er nannte sie beide "flammende Zeichen auf dem Weg zu einer wahren europäischen Wertegemeinschaft", die es in Ehren zu halten gelte. "Denn der Kampf für Freiheit und Recht, gegen Gewaltherrschaft und militärische Aggression ist die wichtigste Grundlage dessen, was uns in Europa eint - seit der Erweiterung der EU am 1. Mai mehr denn je."

Unbeliebter Bund der Vertriebenen Als unpassend und provozierend empfanden viele Polen in diesem Zusammenhang die Gedenkveranstaltung des Bundes der Vertriebenen zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstands in Berlin. Dessen Vorsitzende Erika Steinbach hat in Polen ohnedies wenige Freunde. Besonders scharf reagierte der frühere Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, der selbst am Warschauer Aufstand teilnahm. Die Polen bräuchten mit Sicherheit kein Mitgefühl vom Bund der Vertriebenen, die Rede Herzogs sei ausreichend gewesen. Der Warschauer Aufstand sei für viele Polen ein Heiligtum, so Bartoszewski - "Hände weg von diesem Heiligtum!"

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