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Aktuell Asien

Häme für die Aufklärer, großes Lob für die Verteidiger

Wie war es möglich, dass eine Handvoll schwerbewaffneter Taliban die Hochsicherheitszone in Kabul erstürmen konnte? Präsident Karsai hat dafür nur ein Wort: Versagen. Und er zeigt mit dem Finger auf die NATO.

Nach der Niederschlagung der Taliban-Angriffe in Kabul wird das Ausmaß der schweren Gefechte deutlich (Foto: DW)

Niederschlagung der Taliban Angriffe in Kabul 15.04.2012

Nach der Serie von Taliban-Angriffen in Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai den in- und ausländischen Geheimdiensten Versagen vorgeworfen. Das "Scheitern der Aufklärung vor allem der NATO" müsse "ernsthaft" untersucht werden, sagte Karsai. Er nannte die Angreifer "Söldner und Handlanger", die von Ausländern gesteuert würden. Auch Diplomaten äußerten sich beunruhigt über die Angriffe im schwer gesicherten Zentrum der Hauptstadt.

Eine Spur führt zum Hakkani-Netzwerk

Bei den Anschlägen und anschließenden Gefechten, die erst in der Nacht zu Montag beendet werden konnten, starben mehr als 50 Menschen, darunter 36 Taliban. Innenminister Bismillah Mohammadi machte das aus Pakistan heraus operierende Hakkani-Netzwerk dafür verantwortlich. Ein festgenommener Angreifer habe der Polizei gesagt, er sei aus Pakistan und gehöre dem Hakkani-Netzwerk an. Die Gruppe gilt als eigenständig, erkennt aber Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar als obersten Anführer an.

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Kämpfe in Kabul beendet

So erbost der Präsident über die Geheimdienste ist, so stolz äußerte er sich über seine Sicherheitskräfte. Sie hätten dem Volk das "Vertrauen gegeben, dass sie ihr Territorium erfolgreich verteidigen können". Die NATO schließt sich diesem Lob an: Der ISAF-Kommandeur John Allen sagte, er sei stolz auf die schnelle Reaktion der afghanischen Sicherheitskräfte. Auch US-Botschafter Ryan Crocker lobte diese als "sehr professionell". In Kabul gelang es den Afghanen mit Unterstützung von US-Hubschraubern, nach 17 Stunden die letzten verschanzten Angreifer zu töten.

Es soll beim Abzug 2014 bleiben

Die NATO sieht keinen Anlass, etwas an ihren Abzugsplänen zu ändern: "Das war nicht die erste solcher Attacken, und ich erwarte nicht, dass es die letzte war. Aber solche Angriffe ändern die Übergabe-Strategie nicht", sagte eine Sprecherin des Militärbündnisses. An dem Zeitplan, der eine vollkommene Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Sicherheitskräfte bis Ende 2014 vorsieht, werde festgehalten. Die Bundeswehr hat Anfang des Jahres mit ihrem Abzug aus Afghanistan begonnen. Bis Januar 2013 soll die Zahl der dort eingesetzten Soldaten von einst maximal 5350 auf 4400 sinken.

In Berlin zeigt man sich bestürzt angesichts der Angriffe, die auch der deutschen Botschaft galten: "Das ist natürlich ein erneuter Rückschlag für die Friedensbemühungen", sagte Regierungssprecher Seibert. Die Regierung halte dennoch an dem international abgestimmten Plan für die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen fest. Die Reaktion der afghanischen Sicherheitskräfte auf die Attacken zeige, dass dieser Plan gelingen könne.

Die Zweifel der Opposition

Einige Oppositionspolitiker zeigen sich da schon pessimistischer: Der Linke-Verteidigungsexperte Paul Schäfer sagte, die neue Welle der Gewalt sei ein "Beleg für das diplomatische Versagen der NATO". Verhandlungen mit den Taliban würden auf die lange Bank geschoben. Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele beklagte, die Sicherheitslage in Afghanistan werde nicht besser, sondern jedes Jahr dramatisch schlechter: "Der Krieg ist verloren."

rb/qu (afp, dapd, dpa)

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