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Fußball

Hält der Frieden mit den Fans?

Unbelehrbare bringen den Fußballfrieden in Gefahr: Weil einige "Fans" wieder Pyrotechnik zünden, droht Eintracht Frankfurt eine harte Strafe. Doch es gibt es auch positive Zeichen aus der Ultraszene.

Wolfgang Stark hatte keine andere Wahl. Als Leuchtraketen auf den Platz geschossen wurden, schickte der Bundesliga-Schiedsrichter die Spieler von Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt in die Kabine und unterbrach die Partie am 18. Bundesligaspieltag minutenlang. Die Mehrzahl der Fans auf den Tribünen schüttelte die Köpfe – sie konnte nicht nachvollziehen, was da einige unbeirrbare Frankfurter "Fans" zum wiederholten Male praktizierten. Und zu welchem Zweck?

Pyrotechnik im Stadion ist verboten, die Diskussion über Gewalt im Fußball läuft seit Monaten. Fanvertreter hatten zum Ende der Hinrunde mehrfach eine zwölfminütige Schweigezeit während der Spiele durchgesetzt, um ihre Interessen bezüglich des geplanten neuen Sicherheitskonzepts der Liga besser durchzusetzen. Die Deutsche Fußball Liga DFL und die Vereine reagierten darauf, setzten sich mit den Fans zusammen und näherten sich trotz wiederholter Proteste ein wenig an.

Eintracht Frankfurt droht "Geisterspiel"

Kompromisslos wird nun der DFB-Kontrollausschuss vorgehen, der die Ermittlungen zu den Vorkommnissen in Leverkusen bereits aufgenommen hat. Denn die Anhänger von Eintracht Frankfurt sind bereits wiederholt negativ aufgefallen und haben in der Vergangenheit immer wieder für Krawalle gesorgt. Da der Verein das nicht in den Griff zu bekommen scheint, drohen ihm nun drakonische Konsequenzen: Eine hohe Geldstrafe, vielleicht auch ein Spiel ohne Fans. In das Urteil des DFB-Sportgerichts fließen die Vorkommnisse bei insgesamt drei Partien ein, erklärte der Vorsitzende des Kontrollausschusses, Anton Nachreiner. Auch beim Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (21. September 2012) und in Düsseldorf (30. November 2012) hatte es Vorfälle mit Frankfurter Zuschauern gegeben. Frühestens Mitte nächster Woche sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Einen Punktabzug haben die Frankfurter allerdings nicht zu befürchten.

"Diese Problem-Besucher haben mit Fußball nichts am Hut", erklärte Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen. "Es gibt nur ein Mittel: Man muss sie isolieren und ausgrenzen." Es sei deprimierend und ein Rückschlag, man müsse Maßnahmen ergreifen, die Fans aus den Stadien fernzuhalten. Unterstützung bekommt er aus der Politik: Hessens Innenminister Boris Rhein kündigte an, die Videokontrollen auszubauen. "Meine Hoffnung ist es, dass wir dann auch wirklich an die Einzelnen herankommen, die Krawalle und Probleme machen."

Ultras distanzieren sich von Pyro-Eklat

Auch Bundestrainer Joachim Löw kommentierte die Vorfälle und machte deutlich, dass dringend gehandelt werden muss: "Es ist absolut untragbar und unschön, wenn ein Spiel unterbrochen werden muss. Wenn Raketen geschmissen und damit andere Zuschauer gefährdet werden, ist es unheimlich wichtig, mit aller Macht gegen diese Leute vorzugehen."

Erstmals gibt es jedoch auch positive Reaktionen aus der einschlägigen Fanszene, wo es einen Selbstreinigungsprozess zu geben scheint: Die Frankfurter "Ultras" distanzierten sich auf ihrer Homepage deutlich von den Vorfällen: "Wir möchten alle Eintracht-Fans darüber informieren, dass das Zünden von Böllern, das Schmeißen von Bengalos und das Abschießen von Leuchtspur, insbesondere auch noch auf Spieler, nicht unsere Unterstützung findet." Andere Fans kündigten an, gegen Pyrotechnik mobil machen zu wollen.

Auch für Bayer Leverkusen haben die Vorfälle als Gastgeber der Partie ein Nachspiel. Nach verschiedenen Medienberichten hatte Leverkusen auf die umstrittenen und von den Frankfurter Fans vor einem Jahr kritisierten Ganzkörperkontrollen im Stadion verzichtet. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser will nun die mögliche Geldstrafe auf die Gästetickets beim nächsten Duell gegen Frankfurt umlegen. Wer auch immer für den erneuten Eklat bezahlt – genutzt hat er keinem etwas: Die Eintracht, die das Spiel bis zu dem Zeitpunkt der Unterbrechung gut im Griff hatte, verlor mit 1:3. Die Fans werden sich mit solchen Vorfällen kaum mehr Gehör verschaffen können. Und es ist mal wieder deutlich geworden, dass die Sicherheitsdebatte, die Ende Dezember eigentlich beendet zu sein schien, doch noch geführt werden muss.

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