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Politik

Guttenbergs zu Truppenbesuch in Afghanistan

Verteidigungsminister Guttenberg ist zu einem Überraschungsbesuch in Afghanistan eingetroffen - erstmals in Begleitung seiner Ehefrau. Mit dabei waren auch zwei Ministerpräsidenten und ein TV-Moderator.

Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) und seine Frau Stephanie, tragen am Montag (13.12.2010) bei ihrer Ankunft im Feldlager Kundus Schutzwesten und Stahlhelme. Guttenberg besucht die Bundeswehrsoldaten des ISAF Einsatzkontingents in Afghanistan. (dpa)

Eheleute Guttenberg bei ihrem ersten gemeinsamen Truppenbesuch in Afghanistan

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist unangekündigt zu einem Truppenbesuch in Nordafghanistan eingetroffen. Zum ersten Mal begleitete ihn diesmal seine Ehefrau Stephanie. Das Ehepaar besuchte am Montagmorgen (13.12.2010) zunächst den Bundeswehr-Stützpunkt Masar-i-Scharif, den Sitz des Regionalkommandos Nord. Anschließend reisten beide zum deutschen Feldlager Kundus weiter.

"Es ist ganz wichtig, dass man gerade in der Weihnachtszeit jenen Anerkennung und Unterstützung gibt, die tausende Kilometer von der Heimat entfernt einen harten Dienst absolvieren", sagte Guttenberg. Den Besuch in der Vorweihnachtszeit bezeichnete der Minister als "eine Frage des Herzens".

Erste deutsche Ministerfrau in Afghanistan

Stephanie zu Guttenberg ist die erste deutsche Ministerfrau, die ihren Mann ins Einsatzgebiet begleitet. Sie habe ihren Ehemann schon immer nach Afghanistan begleiten wollen, sagte sie im Feldlager in Kundus. Ziel ihres ersten Besuchs am Hindukusch sei es, sich einen Eindruck von den Betreuungseinrichtungen der Bundeswehr für Familien und von den besonderen Anforderungen an Frauen im Einsatz zu verschaffen. "Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig am falschen Platz", sagte sie zu der Gefahrenlage im Land. Sie wolle sich aber nicht durch die angespannte Sicherheitslage davon abhalten lassen, "als Bürger dieses Landes Danke zu sagen".

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, links, steht am Donnerstag, 15. April 2010, im Feldlager Faisabad der Bundeswehr gemeinsam mit dem Kommandeur des Lagers, Oberst Fritz Urbach, auf einen Beobachtungsturm. (Archivfoto: apn)

Verteidigungsminister Guttenberg war seit seinem Amtsantritt alle zwei Monate in Afghanistan

Zur Mitreise seiner Frau sagte der Minister: "Es war ihr eigener Wunsch, und es war ein Wunsch, der immer wieder aus der Truppe geäußert wurde". Der gemeinsame Besuch solle zeigen, wie sehr Soldaten im Einsatz auf den Rückhalt ihrer Familien angewiesen seien. Dass sich die Frauen der Verteidigungsminister für die Truppe engagierten, habe eine lange Tradition, sagte der Minister.

Frau zu Guttenberg wurde von einer Soldatin durch das Feldlager geführt und sprach mit Soldaten. Während ihres weiteren Aufenthalts will sie Verletzte in einem Feldlazarett besuchen und vor allem mit deutschen Soldatinnen reden.

Erstmals zwei Ministerpräsidenten dabei

Begleitet werden die Guttenbergs von den Ministerpräsidenten David McAllister aus Niedersachsen und Wolfgang Böhmer aus Sachsen-Anhalt. Die zwei Regierungschefs wollen den Einsatz der Soldaten aus ihren Bundesländern in Afghanistan würdigen. Vier der acht in diesem Jahr gefallenen Bundeswehrsoldaten waren Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf. Böhmer hatte erst im Oktober 240 Soldaten eines Logistikbataillons nach Afghanistan verabschiedet.

Der Delegation gehört auch Fernsehmoderator Johannes B. Kerner an. Dieser will in Afghanistan eine Talkshow mit dem Verteidigungsminister und Soldaten aufzeichnen.

Härtere Gefechtssituation

Der Sarg eines gefallenen 26-jaehrigen Sanitaets-Oberfeldwebel vom Fallschirmjaegerbataillon 313 steht am Samstag (09.10.10) im Feldlager in Kundus in Afghanistan waehrend einer Trauerfeier in einem Transportpanzer. (Archivfoto: dapd)

In diesem Jahr starben acht Bundeswehrsoldaten in Afghanistan

Der Verteidigungsminister ist seit seinem Amtsantritt im Herbst 2009 zum siebten Mal in Afghanistan. Er kommt damit seiner Ankündigung nach, die deutschen Soldaten im Einsatz alle zwei Monate zu besuchen.

In Kundus traf Guttenberg mit Befehlshabern und Soldaten zusammen, um sich ein Urteil über den Einsatz zu bilden. "Die Gefechtssituation ist härter und länger als in den Wintern zuvor", sagte Guttenberg zu der Lage in Afghanistan. In den vergangenen Monaten seien aber Fortschritte erkennbar gewesen. "Da muss man sich die Realitäten schildern lassen." Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der Debatte über die Verlängerung des Mandats.

Sensibler Reisezeitpunkt

Der Truppenbesuch findet zu einem politisch brisanten Zeitpunkt statt. Die Bundesregierung legt in dieser Woche ihren Fortschrittsbericht zum Einsatz in Afghanistan vor. Außenminister Guido Westerwelle gibt dazu am Donnerstag eine Regierungserklärung im Bundestag ab, wo die Unterstützung für den Einsatz abnimmt. Einer Verlängerung des Mandats im Januar will die SPD nur zustimmen, falls das rund 5000 Soldaten zählende deutsche Kontingent bereits 2011 verkleinert wird. Westerwelle hat erst für 2012 eine Truppenreduzierung in Aussicht gestellt.

Afghanistan gehört zu den außereuropäischen Ländern, die deutsche Spitzenpolitiker am häufigsten besuchen. Allein in diesem Jahr hat die deutsche Botschaft in Kabul mehr als 40 Delegationen von Ministern, Staatssekretären oder Bundesabgeordneten gezählt. Die Reisen wurden in den vergangenen Jahren aus Sicherheitsgründen bis zur Ankunft geheim gehalten. Die Besuche beschränkten sich meistens auf die Bundeswehrstandorte im Norden des Landes und die Hauptstadt Kabul.

Autor: Bachir Amroune (dpa, afp, dapd)
Redaktion: Martin Schrader