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Wirtschaft

Guttenberg sieht immer noch keinen Favoriten

Der Endspurt im Rennen um den Opel-Einstieg läuft: Am Mittwoch findet in Berlin der entscheidende Gipfel statt. Kurz vor Toresschluss scheint alles offen. Es hat sich sogar noch ein vierter Bieter gemeldet - aus China.

Symbolbild Opel-Rettung (Foto: AP)

Wohin führt der Rettungsweg - und gibt es überhaupt noch einen?

Aus der Volksrepublik gebe es ein "signalisiertes Interesse", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Dienstag (26.05.2009) in Berlin. Nach Agenturberichten soll es sich um den Autobauer Beijing Automotive Industry Corp (BAIC) handeln.

Auch die bisher bekannten Interessenten sind bis zum Schluss im Rennen - der italienische Autobauer Fiat, der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna und der US-Finanzinvestor Ripplewood. "Es ist kein Favorit absehbar", betonte Guttenberg vor dem Spitzentreffen am Mittwoch im Berliner Kanzleramt.

Fiat und Magna stehen Rede und Antwort

Teilnehmer der Zusammenkunft werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Minister Guttenberg die Regierungschefs der Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sein.

Fiat-Chef Sergio Marchionne (Foto: AP)

Fiat-Chef Sergio Marchionne nach seinem Treffen mit der Kanzlerin

Außerdem werden der Europachef der amerikanischen Opel-Mutter General Motors, Carl-Peter Forster, ein Vertreter von GM-Chef Fritz Henderson und ein Repräsentant des US-Finanzministeriums erwartet.

Die Manager von Fiat und Magna sollen bei dem Treffen getrennt voneinander über ihre Konzepte befragt werden. Ob auch ein Repräsentant von Ripplewood teilnimmt, ist noch unklar. Am Dienstag hatten sich Merkel und Guttenberg erneut mit Fiat-Chef Sergio Marchionne getroffen. Einzelheiten der Gespräche wurden nicht bekannt.

GM vor Entscheidung über Insolvenz

Die Regierung hält sich wohl deshalb alle Optionen offen, weil die ausschlaggebende Entscheidung in den USA getroffen wird - vom Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und der US-Regierung in Washington. GM steht kurz vor der Entscheidung über eine Insolvenz. Die Gläubiger, bei denen der Konzern mit 27 Milliarden Dollar in der Kreide steht, müssten spätestens in der Nacht zum Mittwoch ihre Zustimmung zu einem umfangreichen Schuldenverzicht geben, wenn GM überleben soll. Dies wird allgemein für unwahrscheinlich erachtet.

GM-Konzernzentrale in Detroit (Foto: AP)

Steht die Insolvenz der Opel-Mutter unmittelbar bevor?

Beobachter gehen davon aus, dass die deutsche Seite bei dem Spitzentreffen am Mittwoch den Amerikanern zwar ihre Präferenzen deutlich macht, aber keines der Rettungskonzepte ganz ausschließt. Die Bundesregierung und die vier Bundesländer mit Opel-Standorten wollen Opel vor der möglichen Insolvenz von General Motors aus dem US-Konzern herauslösen. Dafür sollen eine Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Dollar und eine Treuhandlösung festgezurrt werden.

Diskussion über Opel-Insolvenz

In der Berliner Regierungskoalition wird unterdessen weiter darüber gestritten, ob bei Opel auch eine "geordnete Insolvenz" in Frage käme. Das Wirtschaftsministerium wies am Dienstag einen Bericht der "Bild"-Zeitung zurück, wonach Minister Guttenberg sogar eine Zerschlagung von Opel ins Gespräch gebracht hatte. Das Blatt hatte unter Berufung auf einen internen Vermerk des Ministers gemeldet, er halte die drei bisher vorliegenden Investorenangebote für "wirtschaftlich nicht belastbar". Da eine Liquidation von Opel aber "nicht vermittelbar" sei, könnte alternativ eine "geordnete Insolvenz" angestrebt werden.

Die CDU-Ministerpräsidenten von Hessen und Thüringen, Roland Koch und Dieter Althaus, sprachen sich indes gegen eine Opel-Insolvenz oder eine weitere Debatte hierüber aus. Ähnlich hatte sich in den vergangenen Tagen auch Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier geäußert.

SPD und Arbeitnehmer sehen Magna vorn

Magna-Chef Frank Stronach (Foto: AP)

Magna-Chef Frank Stronach

SPD-Chef Peter Struck bekräftigte, aus Sicht der Sozialdemokraten liege Magna im Bieterwettstreit vorne. Er rechne mit einem Zuschlag für den Zulieferer, weil er das "realistischere und bessere Konzept habe", sagte Struck nach einer Fraktionssitzung in Berlin.

Ebenso sehen es offenbar auch die Arbeitnehmer. "Magna ist derzeit in der Pole Position", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, nachdem er das zuletzt noch einmal nachgebesserte Konzept von Magna geprüft hatte. Franz zeigte sich zudem empärt darüber, dass Vertreter von Fiat am Dienstag, im Gegensatz zu Magna und Ripplewood, nicht nach Rüsselsheim gekommen waren, um den Opel-Mitarbeitern ihr Konzept vorzustellen. (gri/wl/dpa/rtr)

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