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Global Ideas

Gutes Palmöl, schlechtes Palmöl

Eigentlich ist die Ölpalme eine Art Wunderbaum. Doch der Anbau kann zu einer Gefahr für das Klima werden, weil oft große Waldflächen dafür gerodet werden. Das grüne Öl soll nun auch klimafreundlich werden.

Die Ölpalme ist eine wahre Wunderpflanze: Ihr Öl ist gesund, veredelt Kosmetika und man kann damit sogar Autofahren. Dazu ist der Ertrag der Palme mit bis zu sechs Tonnen Öl pro Hektar pro Jahr extrem hoch - um so viel aus Raps, Sonnenblumen oder Soja zu pressen bräuchte man zehnmal so viel Platz. "An sich ist die Ölpalme eine gute Pflanze", sagt Corinna Hölzl, Wald- und Klimaexpertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Und das Geschäft boomt: Die Weltmarktführer Indonesien und Malaysia haben ihre Anbauflächen in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut, um den stetig größeren Durst nach dem grünen Öl zu stillen. Länder wie Thailand ziehen mit großen Pflanzprojekten nach.

Die gelb-roten Samen in einem Eimer (Foto: cc/Marco Schmidt)

Ölpalmensamen


Doch die Klimabilanz des Wunderbaums fiel bislang nicht besonders positiv aus, wie eine Studie des Wuppertal-Institutes für Klima, Umwelt und Energie im Auftrag der Bundesregierung 2008 feststellte. Durch die Produktion von Palmöl wird um ein Vielfaches mehr Kohlendioxid freigesetzt, als sogenannter Biokraftstoff einsparen könnte. Schuld daran ist der Anbau in riesigen Monokultur-Plantagen. Vor allem in Indonesien werden dafür riesige Regenwaldflächen gerodet, jedes Jahr Schätzungen zufolge 1,3 Millionen Hektar.

Wald abgeholzt für Plantagen (Foto: cc/H Dragon)

Verheerend für das Klima: Brandrodungen

Mit positiver Klimabilanz lässt sich Palmöl nach übereinstimmender Meinung nur produzieren, wenn keine Regenwälder geopfert und die Produktionszyklen der Plantagen länger sind als die üblichen 25 Jahre. Neue Projekte sollen dies bewerkstelligen. Um von allen akzeptierte Minimal-Regeln zu formulieren, sitzen Produzenten, Händler und Nicht-Regierungs-Organisationen nun schon seit 2004 am runden Tisch des Roundtable for Sustainable Palm Oil (RSPO).

Kritik an Umweltschützern

Das Projekt drohte mehrfach zu scheitern. Die Palmöl-Produzenten weigern sich beispielsweise, Klimagas-Emissionen zu integrieren. Für sie ist die Kritik von Umweltschützern nahe an der Heuchelei. Palmöl sei gut gegen Armut und damit auch gut für den Wald, lautet das Argument - denn letztlich sei Armut der Hauptgrund für den Rückgang von Waldflächen. "Wir werden mit Umweltargumenten angegriffen, während der wahre Grund die Konkurrenz zum Rapsöl ist", sagt etwa der ehemalige indonesische Landwirtschaftsminister Anton Apriyantono.

Das Versprechen der Gütesiegel

Ende 2008 vergab die RSPO schließlich erstmals ein Gütesiegel für Palmöl. Es soll garantieren, dass für den Anbau kein Regenwald zerstört wurde – allerdings ohne die Rodung von Wäldern ausdrücklich zu verbieten. Der deutsche Konzern Henkel, der hunderttausende von Tonnen importiert, kündigte an, in den nächsten Jahren komplett auf zertifiziertes Palmöl umzusteigen.

Tankstelle (Foto: cc/BinaryApe)

Palmöl wird vermehrt als Biodiesel benutzt

Bereits ein Jahr zuvor, Ende 2007, hatte Deutschland die "Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung" eingeführt. Seitdem dürfen nur noch ökologisch und sozial verträglich angebaute Energieträger – wie zertifiziertes Palmöl – importiert werden. "Wir wissen selbstverständlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis sich die notwendigen Zertifizierungssysteme am Markt etablieren werden", sagte der damalige deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel. "Unser Ziel ist es, den Einsatz von Palmöl, für dessen Anbau Regenwälder vernichtet wurden, in Deutschland auszuschließen."

In der Tat ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Denn obwohl es sauberes Palmöl gibt – es müsste auch gekauft werden. Seit Ende 2008 ist das RSPO-zertifizierte Palm-Öl in nennenswerten Mengen auf dem Markt. Eine aktuelle Untersuchung des WWF zeigt aber, dass es nur zehn der 60 größten verarbeitenden Hersteller in Europa verwenden – dabei ist es nur etwa fünf Prozent teurer.

Autor: Oliver Samson
Redaktion: Ranty Islam

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