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Wissen & Umwelt

"Gute Zeit zum Vögelgucken"

Dieses Wochenende können sich Hobby-Ornithologen wieder auf die Lauer legen. Mit der "Stunde der Wintervögel" ruft der Naturschutzbund zum Vogelzählen im heimischen Garten auf. Interview mit NABU-Experte Lars Lachmann.

DW: Was ist die Stunde der Wintervögel?

Lars Lachmann: Die Stunde der Wintervögel ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion, oder auf Neudeutsch "Citizen Science". Dabei betätigen sich Laien als Forscher. Die Teilnahme ist sehr einfach, aber es gibt drei Dinge, an die man sich halten muss:

Man darf nur am Wochenende der Aktion beobachten, dieses Mal also vom 8. bis 10. Januar.

Man soll sich genau eine Stunde lang Zeit nehmen, in der man aufschreibt, welche Vogelarten man an seinem Beobachtungsplatz sieht.

Die dritte wichtige Festlegung ist, dass man von jeder Vogelart aufschreibt, wie viele man in dieser Stunde maximal gleichzeitig gesehen hat. Das ist wichtig, damit nicht der eine - wenn 100 Mal der gleiche Vogel vorbeifliegt - 100 aufschreibt, und der andere sagt, das war ja immer der gleiche, wir schreiben nur einen auf.

Lars Lachmann. (Foto: NABU)

Lachmann: Wir wollen die Leute für die Natur vor ihrer Haustür begeistern

Seit wann gibt es die Aktion?

Die Stunde der Wintervögel findet inzwischen zum sechsten Mal statt. Wir haben meist über 70.000 Teilnehmer. Im letzten Jahr waren es 77.000 Teilnehmer und wir haben Stichproben aus 50.000 Gärten bekommen.

Der Januar ist eine besonders gute Zeit zum Vögelgucken im Garten, vor allem für Leute, die sich noch nicht so gut auskennen, denn man sieht die Tiere sehr gut - es gibt keine störenden Blätter.

Warum macht der NABU das?

Es gibt zwei wichtige Aspekte. Zum einen bekommen wir durch die Bürgerbeteiligung 50.000 Stichproben aus einem Wochenende, das ist ein großer Vorteil gegenüber universitären Studien. Profis könnten niemals so viele Stichproben an einem Wochenende sammeln.

Genauso wichtig ist es, die Teilnehmer für die Natur zu begeistern. Viele Leute wissen gar nicht, was bei ihnen alles vorkommt im Garten. Da ist die Stunde der Wintervögel genau das richtige. Wir wollen die Menschen ermuntern, auch im weiteren Jahresverlauf ein bisschen mehr für die Natur in ihrem Garten zu tun, so dass sie vielleicht im nächsten Jahr mehr Vögel zählen können.

Gibt es solche Projekte auch in anderen Ländern?

Selbstverständlich. Unsere Aktion ist im Grunde die Kopie einer Aktion, die in Großbritannien schon seit Anfang der 70er Jahre erfolgreich läuft: "The Big Garden Birdwatch", also die große Vogelbeobachtung im Garten. Die läuft auch immer im Januar. Dort gibt es sogar noch mehr Teilnehmer als in Deutschland, etwa 500.000 pro Jahr.

Da sind wir noch etwas hintendran, aber wenn man bedenkt, dass in Großbritannien jeder zweite ein aktiver Vogelbeobachter ist, sind wir auch mit unserer Zahl von 70.000 bis 80.000 Teilnehmern sehr gut dabei.

Haussperling oder Spatz auf einem Zweig (Foto: Lukas Schulze/dpa)

Sperlinge oder Spatzen sind bei der Stunde der Wintervögel ganz vorn mit dabei

Wie viel, glauben Sie, hat dieser Erfolg mit dem großen Umweltbewusstsein und dem Interesse an der Umwelt in Deutschland zu tun?

Sicherlich sind Deutsche besonders umweltbewusst, vermutlich sogar noch umweltbewusster als die Briten. Es gibt eben verschiedene Themen. In Großbritannien sind vielleicht mehr Menschen am Vogelbeobachten interessiert, dafür aber weniger an Recycling.

Die Teilnahme an solchen Aktionen hängt auch ein bisschen davon ab, wie kulturell die Teilnahme an öffentlichen Aktionen oder die Mitgliedschaft in Vereinen gesehen wird. Da gibt es in der angelsächsischen Welt eine große Tradition - wenn jemand sich für etwas interessiert, gründet er sofort einen Verein oder tritt einem bei. Ein bisschen ist das bei uns auch so, in Osteuropa dagegen ganz anders. Dort werden Vereine, die ja früher meist staatlich kontrolliert waren, sehr kritisch gesehen und dort ist es viel schwieriger, Teilnehmer für öffentliche Aktionen zu bekommen.

Was waren Ergebnisse, die Sie aus der Aktion in den letzten Jahren bekommen haben?

Man kann sehen, welche Vogelarten in den Gärten im Winter besonders häufig vorkommen. Das sind, nicht ganz überraschend, in jedem Jahr der Haussperling (auch als Spatz bekannt, die Red.) oder die Kohlmeise auf Platz eins.

Grünfink auf einem Stein (Foto: Imago/blickwinkel)

Die Grünfinken sind von einer ansteckenden Krankheit bedroht

Es gibt aber auch eine Art, bei der wir in den letzten sechs Jahren schon einen deutlich abnehmenden Trend feststellen konnten. Das ist der Grünfink, eigentlich ein häufiger Vogel im Garten, auch im Winter. Wir vermuten, dass der Rückgang der Zahlen an der Ausbreitung einer Krankheit liegt, die auch das "Grünfinken Sterben" genannt wird. Das ist ein Parasit, der sich gerade an Futterstellen ausbreitet, und bei dem sich Grünfinken gegenseitig anstecken können.

Lars Lachmann ist Referent für Vogelschutz und Ornithologie beim

Naturschutzbund Deutschland

(NABU). Die Stunde der Wintervögel findet dieses Jahr vom 8. bis 10. Januar statt. Wer mitmachen möchte, kann bis zum 18. Januar

hier

das Teilnahmeformular ausfüllen. Außerdem ist am 9. Und 10. Januar eine kostenlose Hotline unter 0800-1157-115 geschaltet.

Das Interview führte Carla Bleiker.

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