1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Gute WM weckte großes Publikumsinteresse

In Shanghai ist die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen mit der erfolgreichen Titelverteidigung der Deutschen zu Ende gegangen. Wolfgang van Kann kommentiert die WM und das Finale.

Themenbild Kommentar

Wir haben in China eine sehr gute Weltmeisterschaft gesehen – und dabei lasse ich den Zusatz Frauen bewusst weg. Die Bewertung hat auch nicht nur damit zu tun, dass dem deutschen Team der zweite Titelgewinn in Folge gelungen ist, was die Männer noch nicht geschafft haben.

Die 16 Nationalmannschaften haben eindrucksvoll bewiesen, dass Frauenfußball heute nicht einmal mehr ansatzweise etwas mit den teilweise immer noch unausrottbaren Stammtischbetrachtungen zu tun hat. Es war ohne jeden Zweifel ein Turnier auf hohem technischem und taktischem Niveau. Frauenfußball von heute ist fairer als bei den Männern, spielerisch gut, offensiv und deutlich schneller geworden. Klar sind die Männer noch schneller – aber das sind sie in der Leichtathletik auch. Sind die Rennen da deshalb langweiliger?

Wie weit sich Frauenfußball von den oft belächelten oder gar verspotteten Anfängen entwickelt hat, als beispielsweise die deutschen Nationalspielerinnen 1989 für ihren Europameistertitel noch ein Kaffeeservice erhielten, kann man an vielen Aspekten aufzeigen. Heute bekommt jede deutsche Spielerin 50.000 Euro für den Titelgewinn. Knapp 40.000 Zuschauer pro Spiel in China sprechen für sich. Haben 1999 aus den USA noch 67 Länder die Spiele übertragen, so waren es diesmal schon 220 – und die Zuschauerquoten hier in Deutschland waren sehr hoch.

Die WM in China hat dem Frauenfußball in aller Welt zweifellos Impulse zur Weiterentwicklung gegeben. Die Ankündigung aus Brasilien, jetzt so schnell wie möglich erstmals eine richtige Liga einzuführen, ist nur ein erstes kleines Ergebnis.

Wenn der Sport aber dennoch in der Massenwahrnehmung nicht sofort den großen Sprung machen wird, dann liegt dass an der in vielen Ländern noch fehlenden Ligastruktur und am geringen Reservoir. Im Vergleich zu den Männern spielen einfach ungeheuer viel weniger Frauen Fußball und damit ist natürlich auch die Zahl der echten Talente viel kleiner. Als Folge ist das Niveau auf Vereinsebene noch deutlich niedriger als bei den Nationalteams und vor allem extrem unterschiedlich. Deshalb sollte man sich auch genau überlegen, ob der Plan, die kommende WM bereits mit 24 statt 16 Mannschaften auszutragen, wirklich richtig ist.

Die WM war ja auch so etwas wie ein weiterer Testlauf für die Olympischen Sommerspiele in Peking 2008. Diesen Testlauf haben die Zuschauer mit Bravour bestanden, die Organisatoren mit kleinen, aber unerheblichen Abstrichen. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn sich Teams über sportliche Spionage beschweren, Journalisten und auch Spielerinnen ständig überwacht werden und sie sogar das Gefühl haben, bis ins Zimmer ausgehorcht zu werden. In dieser Hinsicht kann man den Chinesen nur dringend dazu raten, für Abhilfe zu sorgen, wenn es im kommenden Jahr nicht zu Eklats kommen soll.