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Wirtschaft

Gute Stimmung, geringe Investitionen

Mittelständische Unternehmer, das Herz der deutschen Wirtschaft, blicken wieder etwas positiver in die Zukunft. Trotzdem investieren sie zu wenig, so eine neue Studie.

Für ihre Studie hat die Commerzbank 4000 mittelständische Unternehmer und rund 70 Ökonomen befragen lassen. Die meisten Firmen machen weniger als 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr, die Spanne reicht von 2,5 bis 250 Millionen Euro. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmer (53 Prozent) plant inzwischen wieder langfristiger und ist bereit, entsprechende Risiken einzugehen, eine deutliche Verbesserung gegenüber 2012 (38 Prozent).

"Die Grundaussichten sind positiver und robuster", so Michael Hüther, Schirmherr der Studie und Direktor des unternehmernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. "Aber das drückt sich nicht in gleicher Weise wie früher in entsprechend kräftiger Investitionstätigkeit aus." Auch mehr als die Hälfte der befragten Ökonomen halten die Investitionen der deutschen Mittelständler für unzureichend. "Im Vergleich zu den USA fällt auf, dass Deutschland schon seit Anfang des neuen Jahrtausends hier eine sehr schwache Performance hat", so Hüther zur Deutschen Welle.

Unternehmer sind zufrieden

Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (Foto: Karlheinz Schindler)

IW-Direktor Hüther: "Robuste Grundaussichten"

In Europa, insbesondere den Krisenstaaten der Eurozone, aber auch in Frankreich und Italien, sei die Investitionsneigung zwar geringer. "Aber Deutschland ragt da nicht wirklich heraus, gemessen an dem, was uns vom Ausland zugesprochen wird, also eine starke Konjunktur, guter Arbeitsmarkt und solide Staatsfinanzen", so Hüther.

Die Unternehmer selbst scheinen das anders zu sehen. Laut Studie sind 75 Prozent mit ihren Investitionen in den Erhalt der Substanz zufrieden, 73 Prozent halten ihre Investitionen in Wachstum für ausreichend. Am Geld scheint es nicht zu liegen: Nur 17 Prozent der Befragten klagen über Finanzierungsprobleme. Zwei Drittel wollen ihre Investitionen sogar möglichst ohne Fremdkapital von Banken und Sparkassen tätigen.

Markus Bäumer ist im Vorstand der Commerzbank für das Geschäft mit dem Mittelstand zuständig. In dieser Funktion ist er natürlich daran interessiert, dass Firmen investieren, möglichst mit Bankkrediten. "Viele Unternehmen nutzen derzeit ihre eingeräumten Kreditlinien nur teilweise", so Bäumer am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie. "Wir beobachten, dass Unternehmen offensichtlich zu wenige attraktive Investitionsprojekte im Inland sehen und deswegen zunehmend ihr Geld im Ausland anlegen. Export- und Leistungsbilanzüberschüsse werden nicht im eigenen Land reinvestiert."

Mittelstandsunternehmen Köberlein & Seigert (Foto: Michael Reichel/ari)

75 Prozent sind mit ihren Investitionen in den Erhalt der Substanz zufrieden, 73 Prozent halten ihre Investitionen in Wachstum für ausreichend.

Trends lassen kalt

Laut Studie gibt es für die Zurückhaltung mehrere Gründe. Fast jeder zweite Unternehmer nannte schwankende Rohstoff- und Energiepreise, 43 Prozent den Mangel an Fachkräften, 36 Prozent komplexe Genehmigungsprozesse von Behörden und 35 Prozent unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland.

Als weitere Gründe führt IW-Direktor Hüther die nur langsame Erholung in Europa und die schwächere Konjunktur in den großen Schwellenländern an. Außerdem hat er beobachtet, dass angebliche Trendthemen die Mittelständler ziemlich kalt lassen. Als Beispiel nennt er die sogenannte "Industrie 4.0", bei der "intelligente Fabriken" dank Digitalisierung selbstständig auf Veränderungen im Produktionsprozess reagieren sollen.

"Die Hannover Messe hatte das in diesem Jahr als Kernthema, und man hört immer wieder davon", so Hüther. "Aber wenn man genau hinschaut, auch in anderen Befragungen, dann stellt man fest: Für die ganz überwiegende Zahl der Unternehmen ist das noch kein wirklich praktisches Thema."

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