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Wirtschaft

Gute Stimmung an der Istanbuler Börse

Sinkende Inflation, steigendes Wachstum - am türkischen Aktienmarkt herrscht Freude. Experten meinen: Die wirtschaftliche Entwicklung am Bosporus wird weitergehen, auch wenn es keine EU-Beitrittsverhandlungen gibt.

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Aktienparkett am Bosporus

Die Türkei ist vor dem Gipfel der Europäischen Union (EU) am 16. und 17. Dezember überall Thema, soll doch über den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit dem Land am Bosporus entschieden werden. Auch die türkische Börse in Istanbul - Istanbul Stock Exchange (ISE) - ist in das Blickfeld internationaler Investoren gerückt. Seit Ende 2003 hat der Wert des National-100-Index der ISE fast um ein Viertel zugelegt: Von 18.625 Punkten auf über 23.000, berechnet auf der Basis der türkischen Währung Lira (TL). Das Handelsvolumen der ISE hat sich in den vergangenen fünf Jahren von rund 36.000.000 Milliarden TL auf gut 190.000.000 Milliarden TL Anfang Dezember 2004 erhöht.

Bemerkenswerte Entwicklung

Dafür gibt es zwei Erfolgsfaktoren: Zum einen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit fallender Inflationsrate und steigendem Wirtschaftswachstum. Zum anderen die politische Aussicht, in die EU aufgenommen zu werden. Ein Ja aus Brüssel zum Beginn der Beitrittsverhandlungen wurde in den Monaten vor dem Dezember-Gipfel immer wahrscheinlicher.

Sechs Nullen weniger

Eine neue 20-Lira-Note

Die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei ist tatsächlich bemerkenswert. Noch vor einigen Jahren lag die Inflation fast bei 100 Prozent. Anfang 2001 gab es eine Währungsabwertung, wegen der die damalige Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Reformen vereinbarte, um die Krise in den Griff zu kriegen. Derzeit liegt die Inflationsrate bei rund zehn Prozent und könnte 2005 sogar noch geringer ausfallen. Das Wirtschaftswachstum ist mit gut fünf Prozent ebenfalls erfreulich. Experten rechnen auch in den kommenden Jahren mit einer Steigerung von fünf bis acht Prozent. "Die Türkei hat in den vergangenen Jahren einen dramatischen Wandel vollzogen", sagt Manfred Zourek, Fondsmanager bei der österreichischen Kapitalanlagegesellschaft Erste Sparinvest. Er verwaltet einen der wenigen in Europa erhältlichen Fonds, der ausschließlich in türkische Aktien investiert. Wenn am 1. Januar 2005 die türkische Lira umgewandelt wird - aus einer Million TL wird dann eine neue Lira -, bleibt das an den Märkten ohne Folgen, ist aber laut Zourek ein Zeichen der Regierung: "Die Zeiten der Hyperinflation sind vorbei."

Kurzfristige Kursveränderungen

Die EU-Entscheidung zum Beginn der Beitrittsverhandlungen wird sich an der Istanbuler Börse nach Einschätzung von Marktkennern nur wenig auswirken. Ein Ja ist in den Kursen bereits berücksichtigt, so dass nur geringe Aktiengewinne zu erwarten sind. Ein Nein würde zwar zu größeren Kursverlusten führen, doch die seien kurzfristig, meint Baris Büyükdemir: "Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung wird weitergehen", sagt der Manager für den Türkei-Fonds der deutschen Ceros Vermögensverwaltung.

Galerie Türkei Flagge und Kemal Atatuerk

Die türkische Fahne und ein Bild des Staatsgründers Kemal Atatürk

Entscheidender wird das Signal aus Brüssel für ausländische Investoren sein. Manches Unternehmen wartet die Weichenstellung zu Türkei-Verhandlungen noch ab. "Das ist für viele ausländische Investoren bisher ein Unsicherheitsfaktor", sagt Fondsmanager Zourek. Ein Nein hielte manchen Geldgeber weiterhin ab, da ohne Beitrittsverhandlungen die EU keinen Einfluss auf die Politik in Ankara nehmen kann. Zustimmung der EU würde hingegen neue Investitionen in die Türkei bringen, und das hohe Zinsniveau von derzeit 22 Prozent voraussichtlich senken. "Mit geringeren Leitzinsen könnte man dann Anfang 2005 rechnen", sagt Fondsmanager Büyükdemir.

Hohes Defizit und viele Schulden

Bei aller Euphorie gibt es in der türkischen Wirtschaftspolitik auch Risiken, die den weiteren Verlauf am Istanbuler Aktienmarkt ebenfalls beeinflussen. Das Leistungsbilanzdefizit ist mit knapp fünf Prozent relativ hoch, das Land importiert mehr, als es exportiert. "Das muss man beobachten", meint Zourek. Auch die öffentliche Verschuldung beträgt drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts und ist damit zu hoch. Die EU-Zielgröße liegt bei 60 Prozent.

Trotzdem zeigen sich die beiden Fondsmanager Büyükdemir und Zourek zuversichtlich. "Wenn die positiven Trends in der türkischen Wirtschaft anhalten, gibt es keinen Grund zur Sorge, unabhängig von der EU-Entscheidung", sagt der Österreicher. Der IWF setzt ebenfalls auf die Türkei. Am Dienstag (14.12.2004) hat er bekannt gegeben, dass das Land ab 2005 einen weiteren Kredit von zehn Milliarden US-Dollar bekommt. "Das dürfte in mancher Hinsicht helfen", sagt Büyükdemir.

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