1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Gute Noten für Präsident Medwedew

Den staatlichen TV-Sendern trauen die Russen kaum. Über die Proteste im Land sind sie gut informiert. Und der scheidende Präsident Medwedew bekommt gute Noten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle DW-Umfrage.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hält Rede zur Lage der Nation in Moskau (Foto: ITAR-TASS)

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hält eine Rede zur Lage der Nation in Moskau

Nur eine Minderheit von 21 Prozent der Russen meint, die staatlich gelenkten Fernsehsender des Landes würden über die bevorstehende Präsidentschaftswahl am 4. März fair und unabhängig berichten. Rund die Hälfte der Befragten (49 Prozent) glaubt nicht an eine unabhängige Berichterstattung. 30 Prozent haben keine Meinung zur Unabhängigkeit der Berichterstattung der zentralen TV-Stationen.

Das geht aus dem repräsentativen DW-Trend vom Februar 2012 hervor. Dafür hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut IFAK im Auftrag der Russischen Redaktion der Deutschen Welle 1000 Personen in Russland befragt.

Dabei zeigt sich, dass die Skepsis in allen Altersgruppen auf gleich hohem Niveau liegt. Sie beschränkt sich nicht auf die jüngeren Altersgruppen, die tendenziell stärker dazu neigen, sich alternativ über das Internet zu informieren. Auch ältere Menschen in Russland sehen die TV-Berichterstattung kritisch.

Große Mehrheit weiß von Protestaktionen

Obwohl die Proteste von Bürgern in ganz Russland seit den Parlamentswahlen im Dezember 2011 im staatlich kontrollierten Fernsehen nur am Rande oder recht oberflächlich behandelt werden, weiß eine überwältigende Mehrheit der Russen über die Aktionen Bescheid.

So geben 86 Prozent der Befragten an, sie hätten von den Massenprotesten gegen die vermuteten Fälschungen bei der Wahl zur Duma, dem Unterhaus des russischen Parlaments, gehört.

Viele rechnen mit klarem Sieg Putins

Trotz der Proteste vieler Menschen glaubt die Mehrheit der Russen an einen klaren Sieg des russischen Premiers und Präsidentschaftskandidaten Wladimir Putin. So geht die Hälfte der Befragten (50 Prozent) davon aus, dass es nicht zu einer Stichwahl bei der Präsidentenwahl kommt, sondern Putin bereits im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält.

38 Prozent hingegen rechnen mit einer Stichwahl. Sollte Putin im ersten Wahlgang tatsächlich scheitern, dann wäre dies bereits ein Achtungserfolg für die Opposition.

Positives Urteil über Medwedew

Ein positives Zeugnis stellen viele Russen dem scheidenden Staatsoberhaupt Dmitri Medwedew aus. Im DW-Trend vom Februar 2012 meint fast jeder Zweite (48 Prozent), Medwedew habe als Präsident seine Aufgaben gut erfüllt. Lediglich 27 Prozent bescheinigen ihm eine schlechte Leistung. Rund ein Viertel (25 Prozent) der Befragten hat hierzu keine Meinung.

Vor allem Medwedews Vorschlag, die Gouverneure der Regionen wieder direkt vom Volk wählen zu lassen, stößt auf große Zustimmung. Unter Putins Präsidentschaft war die Direktwahl der Gouverneure abgeschafft worden. Seitdem werden sie direkt vom Staatsoberhaupt ernannt. Dadurch sind die Regionen eng an den Präsidenten gebunden und Russland stark zentralisiert worden.

Von einer Rückkehr zur Direktwahl der Gouverneure erhoffen sich die Befürworter wieder eine Stärkung der regionalen Regierungen. Eine deutliche Mehrheit von 75 Prozent der Befragten unterstützt diesen Vorschlag von Amtsinhaber Medwedew. Lediglich 8 Prozent der Befragten lehnen eine Direktwahl der Gouverneure ab.

Autoren: Markian Ostaptschuk / Sergey Govoruha
Redaktion: Bernd Johann