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Alltagsdeutsch – Podcast

Gute Manieren

Wie begrüßt und wie verabschiedet man sich in Deutschland? Wie verhält man sich im Restaurant? Bezahlt der Mann oder die Frau? Manche Formen des Benehmens sind geblieben, andere haben sich im Laufe der Zeit geändert.

O-Töne:
„‚Guten Tag'. / ‚Guten Tag.' / Ja, ‚Guten Tag'. / ‚Guten Tag!' / ‚Hi!' / ‚Hi!' / ‚Hallo…!' / ‚Hallo.' / ‚Guten Morgen', ‚Guten Tag', ‚Guten Abend', Hallo!“

Sprecher:
So unterschiedlich wird man in Deutschland begrüßt. Und gegrüßt wird bei uns täglich und überall: je nach Situation mal per Handschlag, mal mit Winken, Umarmen, Schulterklopfen oder Küssen auf Wange, Mund und Stirn. Die Begrüßung ist der Beginn des förmlichen Umgangs miteinander. Zu diesem Umgang gehört vor allem gutes Benehmen oder wie manche sagen „die feine Art“, „der gute“ Ton. Wie aber sieht das konkret aus? Um diese Frage zu beantworten, steht uns eine Expertin zur Seite: die Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen, Inge Wolff. Sie erklärt zunächst, wofür Formen des Verhaltens überhaupt wichtig sind.

Inge Wolff:
„Irgendwelche Spielregeln, um miteinander umzugehen, brauchen die Menschen nun mal. Wenn schon ein Spiel nicht funktioniert ohne Regeln, wie soll unser Zusammenleben ohne funktionieren. Und deshalb brauchen wir einfach Umgangsformen, die allerdings modern sein sollen, denn alte Zöpfe können wir in unserer Zeit nicht mehr gebrauchen.“

Sprecher:
Wie beispielsweise im Sport braucht man auch im menschlichen Umgang Regeln. Allerdings haben sich diese Spielregeln, die von Kultur zu Kultur unterschiedlich sind, im Lauf der Jahrhunderte geändert. Manche alte Zöpfe wurden abgeschnitten. So nennt man alte Sitten und Gebräuche, die nicht mehr zeitgemäß sind. War das, was als gutes Benehmen galt, früher in Deutschland oft sehr strengen Regeln unterworfen, wird es heutzutage lockerer gesehen. Was aber ist noch zeitgemäß und was überholt? Die Meinungen gehen da besonders bei älteren und jüngeren Menschen auseinander.

O-Töne:
„Dass man sich dankbar erweist und dass man auch anderen mal 'nen Gefallen tut, dass man [den] anderen auch mal vorgehen lässt und nicht nur sein eigenes ‚Ich' durchsetzt. / Ja, dass man so zum Beispiel die Autotür geöffnet kriegt. Ja, also ich freu' mich darüber, wenn mein Mann das macht. / Man lebt ja immer in Extremen: Was damals zu streng war, ist heute leicht zu lasch. So ein Mittelmaß finden, ne. Dass man sich einfach nicht so benimmt, als wenn man zu Hause alleine wäre. / Ich steig' ein in die Straßenbahn, aber der junge Mann hat wenigstens noch lachend reagiert. Ich sag': ‚Brauchen Ihre Füße extra eine Bank?“ / Manieren? Hab ich wohl keine. / Die haben wir bestimmt.“

Sprecher:
Gutes Benehmen bedeutet für manchen der Befragten höflich zu sein, auf andere zu achten, nicht nur egoistisch zu sein, sein eigenes „Ich“ durchzusetzen und sich so zu verhalten, wie man es zu Hause tut, wenn man alleine ist. Die älteren der Befragten sind zudem der Meinung, dass die Jugendlichen kein gutes Benehmen, keine guten Manieren, haben. Zurückgeführt wird das auf die lockere, lasche, Erziehung der Eltern. Es wäre besser, ein gesundes Mittelmaß zu finden, einen Weg zwischen den Extremen einer zu strengen und einer zu lockeren Erziehung. Dazu gehört für die eine der Befragten zum Beispiel, dass man in der Straßenbahn seine Füße nicht auf eine freie Sitzbank legt. Und wie verhält man sich, wenn man einen Geschäftstermin, eine Einladung oder eine Verabredung hat?

Inge Wolff:
„Die Pünktlichkeit spielt in unserem Land eine relativ große Rolle. Unpünktlichkeit, noch dazu unentschuldigte, wird als ziemlich grobe Unhöflichkeit betrachtet. Wobei natürlich gut, dieses ‚fünf Minuten', da kann man sich immer noch gut entschuldigen. Und je nach Situation gibt's ja auch das sogenannte akademische Viertel. Das heißt: Eine Viertelstunde später reicht auch noch. Aber ansonsten bei Geschäftsbesprechungen, besonders im Privatleben, wenn man zum Essen eingeladen ist, sollte man schon sehr pünktlich sein. Denn die arme Hausfrau in tausend Nöte, wenn das liebevoll zubereitete Essen auf dem Herd verbrutzelt, weil ein oder zwei Gäste 'ne halbe Stunde zu spät kommen.“

Sprecher:
Die Deutschen sind weltweit bekannt für ihre Pünktlichkeit. Bei manchen Gelegenheiten wird aber das sogenannte akademische Viertel noch abgewartet. Der Begriff stammt aus der Hochschulsprache und bedeutet, dass man fünfzehn Minuten später kommen kann. Früher wurde in der ersten Viertelstunde der Stoff des Seminars oder der Vorlesung wiederholt, so dass Studenten später kommen konnten. Pünktlichkeit ist besonders bei Essenseinladungen nach Meinung von Inge Wolff sehr wichtig. Ansonsten käme die Gastgeberin oder der Gastgeber in Schwierigkeiten, in tausend Nöte, wenn alles eigentlich schon fertig sei, aber noch Gäste fehlten. Wie sie es umgangssprachlich ausdrückt verbrennt, verbrutzelt, das Essen auf dem Herd und schmeckt dann nicht mehr. Vor allem im Restaurant sieht sich mancher mit der Frage konfrontiert, in welcher Reihenfolge das Besteck benutzt werden muss.

Inge Wolff:
„Da gibt's aber eine ganz einfache Grundregel: nämlich immer außen anfangen und sich nach innen durchessen. Denn die Gastronomie hat von sich alleine aus richtig eingedeckt. Da braucht der Gast sich keine Gedanken drüber zu machen. Es gibt aber andere Sachen. Zum Beispiel ist es nicht sehr freundlich, durchs ganze Lokal zu brüllen: ‚Hey, Ober – zahlen!' Oder was in Deutschland inzwischen total unbeliebt geworden ist, ist die Bezeichnung für die Restaurantfachfrauen, nämlich sie mit ‚Fräulein' zu rufen.“

Sprecher:
Als Gast macht man alles richtig, wenn man mit dem außen liegenden Besteckteil beginnt und mit dem abschließt, das direkt neben dem Teller liegt, oder wie Inge Wolff es formuliert, man isst sich von außen nach innen durch. In Restaurants liege das Besteck schon in der richtigen Reihenfolge auf dem Tisch. Es sei so eingedeckt. Kein gutes Benehmen sei, so Inge Wolff, laut nach dem Kellner, dem Ober, zu rufen, statt ihm ein Handzeichen zu geben. Oder die weibliche Bedienung mit dem altertümlichen Begriff „Fräulein“ anzusprechen, der früher für unverheiratete Frauen verwendet wurde. Auch der Umgang von Männern und Frauen bei einem Restaurantbesuch ist nicht mehr so wie früher:

Inge Wolff:
„Eins der grundlegendsten Dinge, die sich im Restaurant geändert haben, sind die Regeln, die früher die Frau betrafen. Denn sie durfte weder als erste reingehen, noch den Wein probieren, noch mit dem Ober reden und schon überhaupt nicht für einen Mann bezahlen. Das ist natürlich in einer Zeit, wo berufstätige Frauen auch männlichen Geschäftsbesuch ins Restaurant einladen, überhaupt nicht mehr haltbar. Die Frau kann ja nicht ihrem Gast hinterher klammheimlich unterm Tisch das Portemonnaie zuschieben und sagen: ‚Nun bezahlen Sie mal bitte für uns beide'.“

Sprecher:
Heutzutage ist es laut Inge Wolff möglich, dass eine Frau auch einen Mann ins Restaurant einladen und das Essen bezahlen kann. Früher gehörte es zu den gesellschaftlichen Regeln, dass nur der Mann zahlte. Das sei nicht mehr haltbar, unüblich. Sehr seltsam sähe es zudem aus, wenn die Frau ihre Geldbörse, das Portemonnaie, dem Mann unbemerkt, klammheimlich, gebe, damit er die Rechnung begleiche. Was sich auch geändert habe, so Inge Wolff, sei die Akzeptanz des sogenannten Kavalierverhaltens, dass ein Mann der Frau zum Beispiel die Tür öffnet oder in den Mantel hilft.

Inge Wolff:
„Ja, dieses typische – ich sage jetzt mal ganz böse – Emanzengehabe, schnippisch über die Schulter zu werfen: ‚Das kann ich auch alleine!', beobachtet man schon ab und zu in Deutschland. Aber wenn es um den Grundsatz geht, die Grenzen eines anderen Menschen zu wahren, dann ist das ja gerade für den, der helfen möchte, eine Grenzübertretung. Denn der fühlt sich brüskiert und abgewiesen.“

Sprecher:
Emanzipation wird im Duden definiert als „Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit“, als „Selbstständigkeit“ und als „rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann“. Oft allerdings werden durch falsch verstandene Emanzipation, durch ein – wie Inge Wolff es ausdrückt – Emanzengehabe, hilfsbereite Menschen unhöflich behandelt, brüskiert. Mit entsprechenden respektlosen, schnippischen, Aussagen, wird ihnen klargemacht, dass man auf fremde Hilfe nicht angewiesen ist. Inge Wolff überträgt das Bild einer locker über die Schulter geworfenen Jacke auf die Art und Weise, wie geantwortet wird. Die abweisende Antwort führt zu einem schlechten Gefühl bei demjenigen, der seine Hilfe angeboten hat, zu einem Gefühl, dass eine persönliche Grenze überschritten wurde. Und was empfiehlt die Etikette-Trainerin in peinlichen Situationen?

Inge Wolff:
„Erstens mal ehrlich zu bleiben, keine Ausflüchte zu suchen, nicht irgendeine hergezauberte Geschichte zu erfinden, sondern schlicht und ergreifend zu sagen: Aus dem und dem Grunde ist mir das und das passiert. ‚Es tut mir sehr leid' oder ‚Es ist mir sehr peinlich' – je nachdem –, die eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen und dann sagen: ‚Entschuldigung. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel'.“

Sprecher:
Inge Wolff meint, dass man ganz einfach, schlicht und ergreifend, sagt, warum etwas geschehen ist. Man sollte nicht – wie ein Zauberer Dinge herbeizaubert – Geschichten erfinden, die mit der Wahrheit nichts zu tun haben. Man sollte keine zweifelhaften Begründungen geben, keine Ausflüchte suchen. Dann habe man am ehesten die Chance, dass niemand verärgert sei, dass einem Dinge nicht übelgenommen würden. Und wie verabschiedet man sich richtig? Mit bestimmten Ausnahmen kann jeder das so machen, so Inge Wolff, wie sie oder er möchte, nach Lust und Laune.

Inge Wolff:
„Ob da jemand ‚Ciao' oder ‚Tschüss' oder ‚Tschau' oder ‚Tschautschau' oder sonst was sagt, ist unter Jugendlichen völlig egal. Jeder nach Lust und Laune. Nur, moderne Umgangsformen müssen situationsgerecht betrachtet werden: Das heißt, ob nun gerade ein Jugendlicher, der sich von seiner alten Tante im Altersheim verabschiedet, das mit einem locker über die Schulter geworfenen ‚Ciao' tun sollte. Da wär's bestimmt der alten Tante recht, wenn er sagt: ‚Auf Wiedersehen, Tante Mienchen'.“




Fragen zum Text

Legt jemand während eines Gesprächs die Füße auf den Tisch, …
1. findet sie/er ein Mittelmaß.
2. hält sie/er sich an gesellschaftliche Normen.
3. verstößt sie/er gegen gesellschaftliche Spielregeln.

Wer das akademische Viertel einhält, kommt …
1. um Dreiviertel zur vollen Stunde.
2. eine Viertelstunde zu früh.
3. fünfzehn Minuten später.

Wer Kindern keine Grenzen setzt und ihnen alle Freiheiten lässt, …
1. hat keine guten Manieren.
2. ist emanzipiert.
3. erzieht sie lasch.

Arbeitsauftrag
Setze die passenden Verben ein. Achte auf die jeweiligen Vorsilben. Bilde anschließend eigene Sätze nach diesem Muster.

abdeckenabschneideneinladeneindeckenanschneidenumladen

1. Der Tisch war für die Gäste sehr schön mit Geschirr, Gläsern, Kerzen und Blumen _________.

2. Nach dem Essen sind alle Gäste zufrieden nach Hause gegangen. Die Gastgeber fingen dann an, zunächst den Tisch _________.

3. Hans hat jede Menge Kartons in seinem Auto. Er will sie in das Auto seiner Freundin _________.

4. Meine Tochter hat mehr als 100 Freunde. Sie will sie alle _________.

5. Katharina will ihre langen Haare _________.

6. Fritz hat einen leckeren Kuchen für den Geburtstag seiner Frau gebacken. Sie ist die erste, die ihn _________ darf.

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