1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Gute Karten für Prokon-Insolvenzverwalter

In Hamburg haben sich tausende Gläubiger des insolventen Windanlagenbauers Prokon versammelt. Sie müssen entscheiden, wie es mit Prokon weitergeht. Doch gleich zu Beginn kam es zum Eklat.

Video ansehen 01:17

Fall Prokon alarmiert Politik (23.01.2014)

Es ist eine der größten Gläubigerversammlungen in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. 13.000 Menschen passen in die zwei vorgesehenen Messehallen in Hamburg. Schon weit vor dem offiziellen Beginn waren mehrere Tausend der insgesamt 75.000 Anleger eingetroffen und der Paukenschlag kam gleich zum Auftakt: Das Amtsgericht Itzehoe schloss 15.000 Prokon-Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte aus, weil es ihre Vollmachten für ungültig erklärte.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, das Amtsgericht Itzehoe sei einem entsprechenden Antrag ihres Vizepräsidenten Klaus Nieding gefolgt. Neben der DSW hatte auch die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) einen Antrag gestellt, die Stimmen zu annullieren.

Interessenkonflikt beendet

Die Antragsteller erachteten es für unrechtmäßig, dass diese 15.000 Stimmrechte von einem Vertrauten des Ex-Prokon-Chefs Carsten Rodbertus eingesammelt worden waren. Nach Angaben von Nieding hatte die DSW einen entsprechenden Antrag dazu gestellt, weil sie in dem Vertrauten lediglich einen "Strohmann" von Rodbertus sah.

Dietmar Penzlin Prokon Insolvenzverwalter

Dietmar Penzlin hat gute Chancen, sich durchzusetzen

Dies sei ein Interessenkonflikt, da der Gründer von Prokon womöglich Schäden in Höhe von hunderten Millionen Euro verursacht habe und gleichzeitig indirekt als Vertreter betroffener Gläubiger auftrete.

Für Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin bedeutet dies, dass er nun beste Chancen hat, mit der Entwicklung seines Insolvenzplanes beauftragt zu werden. Penzlin hatte Rodbertus als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH fristlos entlassen. Nun will er das Kerngeschäft des Windparkbetreibers und 300 von ehemals 450 Arbeitsplätzen erhalten. Die übrigen Geschäftsbereiche wie eine Ölmühle und die Holzindustrie will er abstoßen und damit Forderungen loswerden.

Carsten Rodbertus hingegen wirft Penzlin vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen. Nach Angaben von Gläubigervertretern hatte er vor der Versammlung in Rundbriefen, Anrufen und über das Internet bei den Anlegern darum geworben, den Insolvenzverwalter abzuwählen.

Am frühen Abend bestätigte die Gläubigerversammlung Penzlin dann aber tatsächlich in seinem Amt.

Penzlin darf schon feiern

Penzlin hatte schon vor dem Eklat gute Chancen, mit seinen Plänen die Mehrheit der Gläubiger hinter sich zu bringen: Die drei große Gläubigergruppen - DSW, SdK und "Freunde von Prokon", ein Verein von mehr als 7000 Anlegern - hatten sich schon im Vorfeld der Gläubigerversammlung für den Insolvenzverwalter ausgesprochen.

Prokon hatte mit hohem Werbeaufwand und hohen Zinsversprechen bei 75.000 Anlegern insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Kapital eingesammelt. Das Geld steckte Prokon in Windkraftanlagen. Jährlich flossen acht Prozent Zinsen. Als viele Anleger ihre Papiere aber kündigten und das Investment zurückforderten, geriet das Unternehmen in Schieflage.

Die Anleger bangen nun um ihr eingesetztes Kapital. Nach ersten Schätzungen des Insolvenzverwalters werden sie mindestens 40 Prozent ihrer Einlagen verlieren.

Die Gläubigerversammlung könnte sich wegen der höchst komplizierten Materie über Stunden hinziehen. Mit einem endgültigen Ergebnis ist voraussichtlich erst am Abend zu rechnen.

jw/bea (afp, dpa, rtrd)

Audio und Video zum Thema