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Wirtschaft

Gute Geschäfte mit den USA

Auf dem Gipfeltreffen von EU und den USA im irischen Shannon ist die Welt aus wirtschaftlicher Sicht in Ordnung. Die Schatten des Irak-Kriegs fallen nicht mehr auf die Handelsbeziehungen zwischen Alter und Neuer Welt.

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Woher kommt der entscheidende Lichtblick für die Weltwirtschaft?

Über ein Jahr nachdem die USA etlichen der Unwilligen mit wirtschaftlichen Folgen drohten, kehrt das politische Washington immer mehr zur Politik des Business as Usual zurück. Wirtschaftliche Probleme zwischen beiden Partnern, die aus der Zeit der Spannungen über den Irak herrühren könnten, sind nicht mehr in Sicht. "Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der EU sind weitgehend normal", sagt Klaus-Jürgen Gern, Leiter der Forschungsgruppe internationale Konjunktur beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Freilich gibt es zentrale Probleme, die in Shannon auf der Agenda von George Bush und seinen EU-Amtskollegen stehen. "Es gibt weiter das Problem, dass das Leistungsbilanzdefizit der USA zu hoch ist. Da muss über kurz oder, was wahrscheinlich ist, eher lang, eine Umkehr einsetzen", benennt Gern ein Problem, das als Hintergrundrauschen die Weltwirtschaft schon geraume Zeit begleitet.

Labiles Gleichgewicht nutzt Europa und den USA

Dabei ist die negative Handelsbilanz der USA kein grundlegender Nachteil, sondern ein Symptom dafür, dass die Wachstumsperspektiven im Vergleich zum Rest der Welt dort positiv gesehen werden. Ein Problem kann sie erst werden, wenn die Finanzierung der Schulden schwierig wird. Da aber die US-amerikanische Notenbank Fed die Zinsen in diesem Jahr leicht anheben wird, wandert auch internationales Kapital weiterhin in die Vereinigten Staaten und sorgt dort für Konsum und Nachfrage. Nicht einmal die immensen Schulden der USA sind derzeit ein Problem für die Welt.

"Allerdings ist bislang nicht ersichtlich, wie die Bush-Administration ihre ehrgeizigen haushaltspolitischen Ziele erreichen will", schränkt Gern ein. Das Damoklesschwert: "Bei Fortdauer des hohen Budgetdefizits könnten private Investitionen ausbleiben", sagt der Wirtschaftswissenschaftler, und das bedeute im Endeffekt eine Verringerung des Potenzialwachstums der USA. Noch aber stärkt der Nachfragesog nach Gütern in die USA die Produktion im Ausland.

Europäer haben ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht

Dennoch haben die Amerikaner seit langem ein Anliegen: "Die USA wünschen sich ein stärkeres Wirtschaftswachstum in der EU, um von dieser Seite dem Anstieg ihres Außenhandelsdefizits entgegenzuwirken", erläutert Gern. Denn durch die relativ stärkere Nachfrage innerhalb der EU würden die amerikanischen Exporte wachsen. Die Wachstumsdifferenz zwischen den USA und den anderen Industrieländern sei stets ein wichtiger Bestimmungsgrund der Entwicklung der Leistungsbilanz, sagt der Kieler Forscher.

Auf der Tagesordnung dürften auch die Herausforderungen stehen, denen sich die Weltwirtschaft ausgesetzt sieht, wenn, wie zu erwarten ist, die Zinsen in den USA angehoben werden. Die Europäer werden alleine schon aus diesem Grund auf Bush einwirken, die Zinspolitik mäßig zu halten, was in Zeiten des Wahlkampfes zunächst offene Ohren in den USA finden dürfte.

Warenaustausch statt Protektionismus

Dabei gibt es natürlich auch Themen, die die Europäer, wenn auch derzeit noch hinter vorgehaltener Hand, aufs Tableau bringen werden. "Das Außenhandelsdefizit hat vor dem Hintergrund der bis vor kurzem schwachen Beschäftigungszunahme in den USA zu einer Zunahme protektionistischer Neigungen geführt. Hier könnte Gesprächsbedarf bestehen", erklärt Gern nüchtern. Dahinter verbergen sich gelegentlich handfeste Streitereien wie etwa um die protektionistischen Strafzölle der USA auf bestimmte Stähle. Auch wenn es dabei nur um einen relativ geringen Umsatz ging, das Thema schlug Wellen und die USA wurden schließlich von der Welthandelsorganisation abgewatscht.

US-Wirtschaft löst keine hausgemachten Probleme

Können die USA also zum Konjunkturmotor für Europa werden oder sind die Europäer sich dank Reformstau und hoher Schulden noch selbst im Weg? "Eine Konjunkturlokomotive sind die USA bis zu einem gewissen Grad ja derzeit, wenn auch gedämpft, infolge der vergangenen Dollarabwertung. Die Wachstumsprobleme Europas und Deutschlands im Speziellen lassen sich jedoch nicht durch Nachfrageimpulse aus dem Ausland lösen", relativiert Gern eine gerne beschworene Dauer-Hoffnung. Das Argument, das auch die Bundesregierung oft anführt, um sich mit der Lage der Weltwirtschaft zu entschuldigen, zieht nicht.

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