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Wirtschaft

Gute Geschäfte in China

Viele Deutsche fürchten, das China-Geschäft vernichte Arbeitsplätze in Deutschland. Dabei kurbelt der starke Umsatz auf dem chinesischen Markt die Produktion von Mittelständlern in Deutschland an.

Die deutsche und die chinesische Nationalflagge wehen am Montag (12.10.09) in Berlin am Kanzleramt beim Empfang des stellvertretenden chinesischen Staatspraesidenten Xi Jinping. Jinping eroeffnet am Dienstag (13.11.09) die Buchmesse in Frankfurt am Main. Foto: Axel Schmidt/dapd // Eingestellt von wa

Flagen von Deutschkand und der Volksrepublik China

Von zweistelligen Zuwachsraten können viele Unternehmer in Deutschland nur träumen. Doch in China sind sie Realität. Zwar erlebt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in der Krise auch eine leichte Abschwächung, aber viele deutsche Firmen in China entwickeln sich ohnehin meist schneller als der Markt. Manager großer Konzerne ähnlich wie Mittelständler in China sprechen jetzt auch keineswegs von einem Rückgang, sondern eher von einer "Normalisierung". Die Geschäftsaussichten sind unverändert gut, was auch der Produktion in Deutschland zugute kommt.

Im März bescherten schwache Importe China wieder einen Handelsüberschuss, nach einem Defizit im Februar. Betrachtet man das gesamte Quartal, verlangsamte sich der Anstieg im Handel mit der EU als wichtigstem Handelspartner aber auf 2,6 Prozent. "Letztlich zeugen die schleppenden Exportzuwächse von der Krise in der Eurozone", sagte Ökonom Thomas Gitzel.

Rund 5000 deutsche Unternehmen in China

In China sind heute schon rund 5000 deutsche Unternehmen mit rund 200 000 Mitarbeitern präsent. Wegen seiner wachsenden Bedeutung ist China in diesem Jahr das Partnerland auf der Hannover Messe, der größten Industriemesse der Welt, vom 23. bis 27. April. Die Technologieschau, die am 22. April von Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Regierungschef Wen Jiabao gemeinsam eröffnet wird, soll der deutsch-chinesischen Kooperation zusätzlich Anschub geben.

Viele deutsche Unternehmen sind schon seit den 90er Jahre in China aktiv. Vom ihrem Engagement profitieren auch die Muttergesellschaften in Deutschland, indem kräftig aus der Heimat dazugeliefert wird. Der für seine Stecker und Klemmen bekannte Mittelständler Phoenix Contact aus Blomberg in Ostwestfalen-Lippe begann 1993 in der ostchinesischen Metropole Nanjing. Heute generiert jeder Euro Umsatz in China fast einen weiteren Euro Umsatz in Deutschland.

"Sehr ertragreiches Geschäft"

"55 Prozent unseres Umsatzes von 183 Millionen Euro sind in China produziert, aber den Rest von 45 Prozent liefern wir aus Deutschland dazu", erzählt Vertriebschef Frank Stührenberg. Das in der Automatisierung, in erneuerbaren Energien und in der Elektromobilität tätige Unternehmen hofft auf den geplanten Ausbau elektrischer Fahrzeuge in China. Es hat Aufladestecker für Chinas Elektroautos oder spezielle Steckverbindungen für Wechselbatterien von Elektrobussen entwickelt, die bereits in einem Pilotprojekt in der Hafenstadt Qingdao rollen.

Die Zahl seiner Mitarbeiter in China ist auf 1500 Mitarbeiter angewachsen. Zehn Prozent seines weltweiten Umsatzes macht Phoenix Contact im Reich der Mitte. Das Geschäft sei "sehr ertragreich", sagt Stührenberg. Der Gewinn vor Ort wird meist reinvestiert. "Wir würden nicht neu investieren, wenn wir nicht weiteres Wachstum erwarteten", weist der Vertriebschef Sorgen über eine Verlangsamung des Wachstums in China zurück. Überhaupt, es entstünden ja auch neue Felder, in denen das Unternehmen tätig werde. "Mittel- und langfristig haben wir keinen Anlass zu glauben, dass wir hier nicht mehr wachsen."

Kräftiges Wachstum in letzten Jahren

Beim Elektrogiganten Siemens sieht es nicht anders aus. "Wir haben uns bisher schneller als der Markt entwickelt, und diesen Trend wollen wir beibehalten", sagt der Siemens-Industriechef in China, Marc Wucherer, in Peking. "Es gibt noch viele Felder die bearbeitet werden können." Ein leichter konjunktureller Abschwung biete auch immer Chancen für Modernisierungen. "Bei einer Abschwächung überlege ich mit dem Kunden, wie die Maschinen effizienter gemacht werden können, weil das bei voller Auslastung sonst gar nicht möglich wäre."

Auch Festo, der Anbieter von Automatisierungstechnik aus Esslingen in Baden-Württemberg, rechnet in China - nach einem Wachstum von bisher mehr als 20 Prozent - immer noch mit jeweils 16 Prozent in den nächsten Jahren. "Festo wächst deutlich schneller als der Markt", sagt Geschäftsführer Qiu Hualai. "China spielt als Wachstumslokomotive eine wichtige Rolle in Asien. Deswegen investieren wir in China so stark." Die wachsenden Aktivitäten in China gehen aber nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland. "70 Prozent der Wertschöpfung kommen im Moment aus Deutschland."

"Erst dabei, uns den Markt zu erarbeiten"

Zufrieden ist auch der Hersteller von Ventilatoren und Motoren, ebmpapst. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Mulfingen will seinen Umsatz in China über fünf Jahre bis 2015/16 auf deutlich mehr als zwei Milliarden Yuan (heute 238 Millionen Euro) verdoppeln. "Wir werden auch in den nächsten Jahren zweistellig wachsen", sagt China-Geschäftsführer Helmut Schoeneberger, in Nanhui bei Shanghai. Ähnlich wächst der Dreh- und Fräsmaschinenhersteller DMG Gildemeister in Shanghai mit 20 bis 30 Prozent im Jahr. "Wir sind durch den Markt nicht begrenzt, sondern wir sind gerade erst dabei, uns den Markt zu erarbeiten", sagt DMG-Manager Franz Michael Oppermann.

Quelle: Andreas Landwehr, dpa / pb