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Filme

Gute Filme beim Max Ophüls Preis

Der deutsche Filmnachwuchs beherrscht sein Handwerk. Fast alle Filme, die beim Nachwuchsfestival in Saarbrücken gezeigt wurden, zeugten von einer guten Ausbildung. Thematisch war das Angebot diesmal weit gespreizt.

Szene aus dem Film Der Albaner: junger Mann im Bus (Foto: Max Ophüls Preis)

Siegerfilm "Der Albaner"

Einen thematischen Trend suchte man unter den 17 Wettbewerbsbeiträgen in diesem Jahr vergeblich. Es gab nicht das eine beherrschende Thema in Saarbrücken, wie man es in den vergangenen Jahren oft hatte beobachten können. Zumindest hatten sich die Veranstalter des Festivals dieses Mal offenbar für eine sehr breite thematische Vielfalt entschieden.

Ein Vater und seine beiden Kinder trauern um die bei einem Unfall verstorbene Mutter. Ein albanischer Flüchtling versucht in Deutschland Fuß zu fassen und seine schwangere Freundin in der Heimat finanziell zu unterstützen. Eine junge Frau wird vergewaltigt und zerbricht fast daran - die Liste an Themen ließe sich weiter fortsetzen. Waren es in den letzten Jahren oft moderne Arbeitswelten, Folgen der Sozialpolitik und vor allem Coming-of-Age-Geschichten, so konnte man die Beiträge in diesem Jahr beim besten Willen thematisch nicht zusammenfassen.

Professionelles Handwerk

Das gute Dutzend Film- und Medienhochschulen in Deutschland entlässt jedes Jahr viele junge talentierte Regisseurinnen und Regisseure mit ihrem Abschlussfilm. Einige der Besten dürfen sich beim Max Ophüls-Preis präsentieren. Wenn es also einen Trend gibt, dann ist es der, dass diese Schulen immer professioneller werden, dass die Jungfilmer eigentlich schon gar nicht mehr wie solche wirken und dass ihre Debüts meist von einer erstaunlichen handwerklichen Güte sind.

Nachwuchsregisseurin Pia Strietmann (Foto: Jochen Kürten)

Nachwuchsregisseurin Pia Strietmann

Die junge Pia Strietmann etwa, Absolventin der Filmhochschule in München, lieferte in Saarbrücken mit ihrem Film "Tage die bleiben" die eindringliche Studie einer Familie in der Krise ab. Ein Vater und seine zwei Kinder finden nur mühsam zusammen, als die Mutter bei einem Autounfall ums Leben kommt. Das Thema Trauer ist nicht gerade das klassische Sujet für einen Erstlingsfilm. Umso erstaunlicher ist es, wie behutsam und differenziert Pia Strietmann sich den Ängsten und Nöten innerhalb der Familie nähert und es gleichzeitig schafft, den Film nicht mit Pathos und allzu großer Dramatik aufzuladen.

Da hatte sich Johannes Naber, der vom Dokumentarfilm kommt, mit seinem Film "Der Albaner" schon eher eines klassischen Themas bedient. Der junge Arben wohnt mit seiner Familie in einem Dorf in der tiefsten albanischen Provinz. Wie so viele seiner jungen Landsleute versucht er sein Glück im westlichen Europa. Die Reise und der Aufenthalt in Deutschland geraten jedoch zum Desaster. Das hat man in den letzten Jahren schon oft gesehen - Migrationsfilme sind fast schon ein eigenes Subgenre im deutschen Film. Naber aber gelingt es mit guten Schauspielern und eindrucksvollen Bildern die Zuschauer mit drängenden Fragen nach sozialer Ungerechtigkeit in Europa zu konfrontieren. Das gefiel auch der Jury: "Der Albaner" erhielt den Max Ophüls-Preis und wird nun auch bei der Berlinale gezeigt.

Folgen einer Vergewaltigung

Erstaunlich auch der zweite Spielfilm von Brigitte M. Bertele. In "Der Brand" schildert sie minutiös und mit geradezu nervenaufreibender Spannung den Leidensweg einer vergewaltigten Frau. Hat man schon hunderte Filme über Verbrechen in Deutschland, über Mord und Totschlag, über Raub und Korruption gesehen, so überrascht Bertele mit ihrem Film über ein nicht gerade seltenes Verbrechen, das täglich in Deutschland stattfindet. Was genau ein solcher sexueller Übergriff für eine Frau bedeutet - nach dem Film "Der Brand", der die Folgen für das Opfer konsequent aufzeigt, dürfte das jedem Zuschauer klar sein.

Szenenbild aus dem Film Der Brand: junge Frau mit zerzaustem Haar (Foto: Max Ophüls-Preis)

Das Opfer in "Der Brand" (Maja Schöne)

Die meisten Filme des 32. Max Ophüls-Festivals hinterließen einen starken Eindruck - wenn auch der große originelle, künstlerische Wurf nicht dabei war. Doch erst nach dem Debüt beginnt für den deutschen Filmnachwuchs die Leidenstour. Abschlussfilme sind meist mit Herzblut, Enthusiasmus und der Unterstützung der Filmhochschulen und Fernsehanstalten gemacht. Dem harten Wettbewerb muss sich der Nachwuchs erst nach dem Debüt stellen. Denn das ist die Kehrseite des gut funktionierenden und breit aufgestellten deutschen Nachwuchssystems: Der Markt kann die vielen Regisseurinnen und Regisseure inzwischen nicht mehr aufnehmen - trotz Privatfernsehens und immer mehr Kinostarts. Wer künftig mal eine Folge des Fernsehkrimis "Tatort" drehen kann, der darf sich schon glücklich schätzen. Der Traum vom regelmäßigen Arbeiten für das Kino aber wird für die meisten nicht Wirklichkeit werden.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Petra Lambeck

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