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Deutschlehrer-Info

Gute Aussichten für Deutsch

Zum ersten Mal seit Langem lernen weltweit wieder etwas mehr Menschen Deutsch. Doch die Statistik erzählt mehr als nur das. Sie spiegelt auch das Ansehen Deutschlands in der Welt. Und das ist aktuell wohl ganz gut.

Es gibt gute Nachrichten. Maria Böhmer strahlt über das ganze Gesicht. Sie ist Staatsministerin im Auswärtigen Amt und darf verkünden, dass nach Jahrzehnten des Schrumpfens eine für sie wichtige Zahl endlich wieder steigt. Es ist die Zahl, die verrät wie viele Menschen in der Welt Deutsch lernen: 15,4 Millionen. "Wir haben die rückläufige Zahl endlich stoppen können. Das ist eine positive Botschaft", sagt Maria Böhmer.

Doch die 15,4 Millionen zeigen nicht nur, dass das Goethe-Institut und das Auswärtige Amt ihre Hausaufgaben im Fach Deutsch erledigt haben. Schrumpfen und Wachsen der Zahl erzählen auch eine Geschichte. Und zwar die von Deutschlands Ruf in der Welt. Im Moment ist der sehr gut: Die Wirtschaft floriert, die Politik ist stabil und "die Mannschaft" ist Weltmeister. "Die Sprache eines solchen Landes ist immer verlockend. Man hofft, dass man mit solch einem Land eher Beziehungen entwickeln kann, wenn man die Sprache spricht", sagt Sprachforscher Ulrich Ammon, Professor für Linguistik an der Universität Duisburg-Essen. Er hat erst kürzlich ein Buch über die Verbreitung der deutschen Sprache in der Welt veröffentlicht.

Alle fünf Jahre untersuchen die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Auswärtige Amt, der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Goethe-Institut die Verbreitung der deutschen Sprache in der Welt. Die erste Erhebung fand im Jahr 1985 statt. Und zunächst ging es damals mit den Zahlen stets aufwärts.

In den letzten 15 Jahren mussten die Verantwortlichen der Zahl der Deutschlernenden jedoch beim stetigen Schrumpfen zuschauen: Während im Jahr 2000 noch 20,1 Millionen Menschen auf der ganzen Welt Deutsch lernen wollten, gab es 2010 nur noch 14,9 Millionen Deutschlernende. Alle fünf Jahre wurde die Zahl immer kleiner (siehe Grafik) - und das bei einer steigenden Gesamtbevölkerung weltweit. In der nun aktuellsten Erhebung ist die Zahl nun nach langer Zeit wieder angestiegen. Allerdings wurden in diesem Jahr zum ersten Mal auch die Zahlen der Deutschlernenden an Goethe-Instituten mit einberechnet. Sie machen mit rund 228.528 Schülerinnen und Schülern jedoch weniger als zwei Prozent aller Deutschlernenden weltweit aus. Die meisten Menschen lernen Deutsch an der Schule, rund 87 Prozent.

Deutschlehrer haben Angst um ihren Job

Auch Anne Lind war sehr erfreut als sie die ersten Ergebnisse der aktuellen Erhebung sah und der Pfeil für Estland nicht mehr steil nach unten zeigte. Lind koordiniert die Sprachprogramme des estnischen Goethe-Instituts. Sie hofft, bald keine Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer mehr beruhigen zu müssen, die sich vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes fürchten: "Das geht ja leider seit mehreren Jahren schon so. Es gibt Schulen, wo Deutsch zunächst erste Fremdsprache war, dann zweite und wo das Fach dann ganz vom Stundenplan verschwunden ist."

Weltweit erhält die englische Sprache Einzug in die Klassenräume und wird als erste Fremdsprache gelernt. Deutsch hat also nur noch dort eine Chance, wo mehr als eine Fremdsprache unterrichtet wird. Angesichts zahlreicher Sparmaßnahmen in den Bildungsetats vieler Länder sind das keine leichten Voraussetzungen. Hinzu kommen aktuelle "Sprachtrends": In Estland sind Russisch und Spanisch momentan sehr beliebt, erzählt Anne Lind.

Deutsch lernen aus wirtschaftlichen Gründen

Ulrich Ammon (Foto: privat)

Ulrich Ammon ist Professor für Linguistik an der Universität Duisburg-Essen

Aber auch die politischen Umbrüche zur Wiedervereinigung beeinflussten die Zahl der Deutschlernenden in der Welt stark. "Zunächst stieg die Zahl wieder an, man hatte hohe Erwartungen an Deutschland", sagt Sprachforscher Ammon. "Doch wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch die Vereinigung galt Deutschland dann lange Zeit als der kranke Mann Europas". Und für die Sprache eines wirtschaftlich schwächelnden Landes erwärmen sich nur wenige. Doch aktuell ändere sich die Sicht auf Deutschland wieder stark, so Ammon. Er glaubt, dass der Trend zum Deutschlernen weiter anhalten wird.

Vor allem auch, weil das Hauptmotiv vieler Deutschlernenden sogenannte "wirtschaftliche" Gründe sind. Das heißt die Lernenden erhoffen sich bessere Studien- und Berufschancen durch das Erlernen der deutschen Sprache. Aktuell lässt sich dieser Wunsch sehr stark in Asien beobachten. So stieg die Zahl der Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler beispielsweise in Indien um ein Vielfaches an. Und auch an den Goethe-Instituten in Indien stieg die Zahl der Interessierten um 36 Prozent. Viele Inder wollen in Deutschland studieren. Die Universitäten sind angesehen - auch, weil die Ausbildung hier günstig ist. Und wer Deutsch kann, steigert die Chance, im Anschluss an das Studium von einem deutschen Unternehmen übernommen zu werden oder in Deutschland arbeiten zu können.

Deutschland braucht Fachkräfte

Umgekehrt ist Deutschland auf hochqualifizierte Einwanderer von außen angewiesen, da die Bevölkerung schrumpft. "Man hat schnell gemerkt, dass die Leute viel eher nach Deutschland kommen, wenn sie schon Deutsch können", sagt Ulrich Ammon. "Die demografische Entwicklung hat Deutschland noch mal ein bisschen aufgeweckt, mehr zu tun zur Förderung der deutschen Sprache."

Staatsministerin im Auswärtigen Amt Dr. Maria Böhmer (Foto: Hendrik Schmidt)

Staatsministerin Böhmer freut sich über den leichten Anstieg der Deutschlernenden

Eine dieser Maßnahmen ist das sogenannte PASCH-Programm (Initiative "Schulen - Partner der Zukunft"). Seit dessen Einführung im Jahr 2008 ist ein weltweites Netzwerk von rund 1800 Schulen entstanden, die die deutsche Sprache besonders fördern. Mehr als 354 Millionen Euro hat sich der Bund dieses Engagement schon kosten lassen. Und es zeigt: Die Zahl der Deutschlernenden in der Welt ist nicht irgendeine Zahl, es ist eine politische, eine wichtige Zahl, die viel bewegen kann.

Doch die allgemein positive Stimmung bei den Vertretern der verschiedenen Deutschlerner-Institutionen könnte bald getrübt werden. Eine dunkle Wolke zieht auf, und die heißt: Bildungsreform in Frankreich. Frankreich ist mit rund einer Million Deutschlernenden eines der Länder mit den meisten Deutschlernenden weltweit. Grund dafür sind auch spezielle Klassen, in denen zweisprachig unterrichtet wird. Diese sollen eventuell bald abgeschafft werden. "Das ist eine schmerzliche Nachricht für alle, die sich um die deutsch-französischen Beziehungen bemühen", sagte Maria Böhmer so auch auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der aktuellen Zahlen: "Ich appelliere sehr deutlich an die französische Regierung und den Präsidenten. Wir brauchen mehr Deutsch und nicht weniger Deutsch, wenn es um die Stärkung der deutsch-französischen Partnerschaft geht."

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