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Gut Holz!

Man ist auf dem Holzweg, raspelt Süßholz, hat etwas auf dem Kerbholz oder verhält sich hölzern. Holz ist nicht nur ein wertvolles Material zum Bauen oder Heizen, sondern es bietet auch eine Menge Holz für die Sprache.

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Gut Holz!

Im Jahr 2002 geriet in Deutschland ein Traditionsunternehmen in die Schlagzeilen: die Firma Philipp Holzmann AG, ein weltweit agierender deutscher Baukonzern. Das seit 1849 bestehende Traditionsunternehmen war nämlich pleite, musste Insolvenz anmelden. Dauerhafter als diese Traditionsfirma ist jener Werk- und Baustoff, der Teil des Namens dieser einstmals größten deutschen Baufirma ist: Holz.

Der Umgang mit dem Holz

Der Begriff „Holz“ ist mit Sicherheit nicht so alt, wie das Material selbst. Im 8. Jahrhundert wurde er erstmals verzeichnet. Er bedeutete damals: ein langer, junger Trieb, der von einem Baum abgeschlagen wird. Inzwischen hat sich diese Bedeutung etwas erweitert, nämlich auf den gesamten Baum – und auch Holzblasinstrumente und Kegel.

Holzfäller ist oder besser war die Berufsbezeichnung für die Männer, die ins Holz gingen und die Bäume mit Beilen und Äxten fällten, es schlugen. Heute heißen sie Holzarbeiter –und verwenden unter anderem elektrische Kettensägen zum Fällen eines Baumes.

Die Holzarten

Ein brennender Kamin in einer Wohnung, davor ein Gestell mit Brennholz

Jede Menge Brennholz für den Kamin

Der Holzeinschlag ist das gefällte Holz, das in Holzstapeln oder in Form der noch unbearbeiteten Langholzstämme der Holzindustrie den immer noch begehrten Rohstoff liefert. Brennholz macht allerdings den geringsten Anteil des Holzhandels aus. Bauholz hingegen wird nach wie vor in großen Mengen benötigt, nicht nur für Holzmöbel.

Holz ist aber nicht gleich Holz. Allein die Vielfalt der mitteleuropäischen Holzarten überrascht. Dazu kommen tropische Hölzer. Es gibt Hart- und Weichhölzer, Holzfachleute sprechen von Splint- und Kernhölzern. Also, eine Menge Holz für ein einsilbiges Wort – auch in sprachlicher Hinsicht.

Unangenehme Zeitgenossen: Süßholzraspler

Nehmen wir mal das Süßholz und was man damit redensartlich macht. Es ist das Wurzelholz des Süßholzstrauches, die Lakritze. Der Saft aus dem Wurzelholz wird zur

Herstellung von Arzneien und Süßwaren, etwa Lakritz, verwendet. Die Süßholzwurzel wird geraspelt, also auf einem Reibeisen oder mit einer groben Feile zerkleinert und dann gekocht. Wer allerdings redensartlich Süßholz raspelt, zerkleinert nicht wirklich die Süßholzwurzel. Ein Süßholzraspler ist ein unangenehmer Schmeichler, ein

Schürzenjäger

. Er versucht nicht auf zärtliche Art und Weise das Herz einer Frau zu erobern, sondern plump und grob.

Kein guter Umgang: Personen, die etwas auf dem Kerbholz haben

Oft wird auch Süßholz geraspelt, um etwas wiedergutzumachen. Vielleicht, weil man etwas auf dem Kerbholz hat? Die Redewendung bedeutet heutzutage ganz allgemein, dass sich jemand Einiges hat zuschulden kommen lassen. Das Kerbholz war früher bei Kaufleuten, Handwerkern und Gastwirten so etwas wie ein Schuldbuch.

Symbolbild Mann mit Pistole

Verbrecher haben sehr viel auf dem Kerbholz!

Dafür wurden aus einem kurzen Holzstock zwei gleichlange Hölzer gespalten. Eines bekam der Schuldner, das andere der Gläubiger. Je nach Warenmenge oder erbrachter Leistung wurden unterschiedlich aussehende Kerben ins Holz eingeritzt, geschnitten oder gebrannt. Musste nun abgerechnet werden, wurden die Kerbhölzer aneinandergelegt. Stimmten die Kerben nicht überein, hatte jemand also noch „etwas auf dem Kerbholz“, hatte er Schulden. Daher rührt wahrscheinlich die negative Bedeutung der Redewendung.

Hölzerne Charaktere

Auch andere Wendungen sind wenig schmeichelhaft. Wer wie ein Stück Holz dasitzt, gilt als nicht sehr kommunikativ. Vielleicht ist diese Person auch hölzern wie ein Nudelbrett, im Umgang mit anderen spröde, ungelenk und steif. Sie ist mit Sicherheit nicht aus demselben Holz geschnitzt wie der Süßholzraspler! Wer nicht hölzern oder nicht aus Holz ist, der ist folglich das genaue Gegenteil und sicher alles andere, als ein ungehobelter Holzklotz.

Drei nebeneinander liegende Holzlöffel, die aus demselben Holz gefertigt sind

Sie sind aus demselben Holz geschnitzt

Leicht kann man vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen, wenn man alle übertragenen Bedeutungen oder Begriffe, die mit Holz zu tun haben, aufzählen möchte. Man schweift vom Thema ab und gerät ins Erzählen. Aber das eine oder andere „Stöckchen“ wollen wir dann doch noch aufheben: etwa die Holzhammermethode, die bei manchen Zeitgenossen angewendet wird, wenn sie partout etwas nicht verstehen wollen, oder die tüchtig holzenden Fußballspieler, die unfair spielen und viel foulen, oder der Gruß „Gut Holz!“, der an der Kegelbahn dafür steht, dass man Glück beim Spiel hat.

Vorsicht vor Holzwegen

Und eine ganz besonders schöne Redewendung wollen wir zum Schluss doch nicht vergessen. Wir haben von der Holzwirtschaft und dem Wald gesprochen. Dort kann das Holz nicht liegenbleiben. Es wird abtransportiert auf einem eigens dafür angelegten Weg, dem Holzweg. Das Besondere dieses Weges ist, dass er irgendwo mitten im Wald endet und – anders als ein Wanderweg – keine Orte miteinander verbindet. Wer also von jemandem den warnenden Hinweis bekommt: „Du bist gerade auf dem Holzweg!“ sollte sich Gedanken machen – darüber, was sie oder er falsch macht.




Arbeitsauftrag
Tragt in eurer Lerngruppe weitere Redewendungen und Begriffe zum Stichwort „Holz“ zusammen. Betätigt euch anschließend als Musiker. Schreibt einen kurzen Rap-Song, in dem ihr möglichst viele Begriffe bzw. Wendungen verwendet. Instrumentalisiert diesen Song anschließend mit den Gegenständen aus Holz – wie etwa Stiften, Besenstielen und so weiter.

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