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Wirtschaft

Gut, aber nicht spitze: Internet in Deutschland

Internet und Kommunikation sind wichtige Standortfaktoren. Wie steht Deutschland international da?

Am Strand der Ostseeinsel Usedom surft eine Urlauberin kabellos im Internet. (Foto: AP)

Surfen am Strand der Ostseeinsel Usedom

Daten-Highway statt Strasse, Computer statt Werkbank. Informations- und Kommunikationstechnologien, kurz IKT, sind zu einer wichtigen Infrastruktur geworden und bilden die Grundlage der vernetzten Gesellschaft. Um diese Infrastruktur und um die Branche, die sie liefert, ist es in der Bundesrepublik trotz der aktuellen Wirtschaftskrise gut bestellt. Zu diesem Ergebnis kommt der 12. Faktenbericht zum IKT-Standort Deutschland, den Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, in Berlin vorstellte.

Der Branche gehe es gut, trotz Wirtschaftskrise. "Wenn sie die europäischen Vergleiche sehen, insbesondere in der Spitzengruppe der fünf bevölkerungsreichsten Länder Europas, können wir uns sehen lassen. Wir stehen vielfach an der Spitze", so Pfaffenbach.

Mit rund 830.000 Beschäftigten und einem Umsatz von knapp 150 Milliarden Euro hat die deutsche IKT-Branche einen Weltmarktanteil von rund sechs Prozent. Bezogen auf den Umsatz ist Deutschland nach den USA und Japan der drittgrößte Ländermarkt weltweit.

Zweiter hinter Großbritannien

Breitbandkabel in einem Rechenzentrum der DE-CIX, German Commercial Internet Exchange in Frankfurt am Main. Die Bundesregierung plant eine flächendeckene Versorgung mit Breitbandanschluessen für schnellen Internet-Zugang. (Foto: AP)

Das Ziel: Schnelle Internet-Anschlüsse per Breitband -überall in Deutschland.

Geht man allerdings ins Detail und beurteilt Faktoren wie die Verbreitung von Breitbandanschlüssen und die Nutzung des Netzes für Geschäfte, dann muss sich Deutschland im europäischen Vergleich Großbritannien geschlagen geben. Die Bundesrepublik belegt in der EU-Spitzengruppe vor Frankreich, Spanien und Italien den zweiten Platz. Die britische Vorreiterrolle hat nach Ansicht von Sabine Graumann vom Marktforschungsinstitut TNS Infratest, das die Studie für das Wirtschaftsministerium erstellt hat, einen einfachen Grund: die Sprache. "Die haben alle ihre Webseiten auf englisch. Unser Mittelstand muss das erst mal alles mühselig übersetzen und dafür braucht man einfach auch Geld und Investitionen", so Graumann.

Zudem nehmen neue Entwicklungen, wie zum Beispiel das Web 2.0 mit seinen interaktiven Diensten und sozialen Netzwerken, in der Regel ihren Weg von den USA über Großbritannien in andere Länder. Trotzdem kann es Deutschland in einigen Bereichen inzwischen mit Großbritannien aufnehmen. Vor allem in der Dynamik, mit der Informations- und Kommunikationstechnologien weiterentwickelt werden. So wurden im europäischen Vergleich in Deutschland 60 Prozent mehr Patente angemeldet.

Was allerdings nicht bedeutet, dass aus diesen Patenten auch Anwendungen wurden, wie Sabine Graumann aufgrund ihrer Befragungen für die Studie feststellen musste. "Die befragten Experten schätzen die Umsetzungsdefizite von Erfindungen in marktreife Produkte als gegenwärtige Schwäche am deutschen Standort ein und sagen auch, dass das bis 2013 so bleiben wird."

Die mangelhafte Umsetzung guter Ideen ist nicht die einzige deutsche Schwachstelle. Ganz oben auf der Liste führen die Experten den Nachwuchsmangel. Im Fach Informatik sind in den vergangenen Semestern an mehr als zwei Dritteln aller deutschen Hochschulen Studienplätze frei geblieben. Der Bedarf von Wirtschaft und Wissenschaft an Nachwuchskräften kann nicht gedeckt werden.

Fachkräftemangel

Ein voller Hörsaal an der Universität Karlsruhe. Informatik-Vorlesungen sind nicht so voll (Foto: dpa)

Informatik-Vorlesungen sind nicht so voll

Für die Zukunft heißt das nichts Gutes, glaubt Marktforscherin Graumann. "75 Prozent der von TNS Infratest befragten Experten stimmen der These zu, Investitionen in Bildung sind wichtiger als Investitionen in Netze. Und 96 Prozent gehen von negativen Auswirkungen des Fachkräftemangels auf den IKT-Standort Deutschland aus."

Defizite gibt es auch bei Forschung und Entwicklung. Experten gehen davon aus, dass die Innovationsbereiche der Branche in Deutschland bis zum Jahr 2020 zusätzliche Wachstumsimpulse von insgesamt 100 Milliarden Euro auslösen könnten. Die Bundesregierung will das befördern, indem Aufwendungen deutscher Unternehmen für Forschung und Entwicklung zukünftig, wie in anderen Ländern Europas, steuerlich absetzbar sein sollen. Außerdem will die Regierung die Investitionen in Breitbandanschlüsse beschleunigen. Ende 2010 soll in Deutschland flächendeckend ein schneller Internetzugang verfügbar sein.

Breitband hat Vorrang

Um das zu erreichen, müssten Wirtschaft und Staat an einem Strang ziehen, meint Wirtschafts-Staatssekretär Pfaffenbach: "Wir sind fest entschlossen, diese Ziele mehr als ernsthaft anzugehen. Für die Bundesregierung gehört Breitband zu den ganz wichtigen Infrastrukturen, die wir zügig ausbauen müssen."

Handlungsbedarf auf staatlicher Ebene gibt es auch beim Thema E-Government. Darunter versteht man die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie. Es geht darum, für Bürger und Unternehmen im Netz komfortabler und vor allem auch interaktiv erreichbar zu sein. Das scheint bis jetzt noch nicht der Fall zu sein, denn die Nutzung von E-Government-Diensten durch Unternehmen liegt in Deutschland 20 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Autorin: Sabine Kinkartz

Redaktion: Andreas Becker

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