Gut 21 Prozent weniger Lohn für Frauen | Wirtschaft | DW | 07.03.2018
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Gender Pay Gap

Gut 21 Prozent weniger Lohn für Frauen

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland so groß wie in fast keinem anderen EU-Land. Das sogenannte unbereinigte Verdienstgefälle lag in der Bundesrepublik 2016 bei 21,5 Prozent.

Im EU-Vergleich war die Lohnlücke im Jahr 2016 lediglich in Estland (25,3 Prozent) und in Tschechien (21,8 Prozent) größer als in Deutschland, wie aus aktuellen Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Seit 2011 haben sich die Einkommen von Frauen und Männern demnach in fast allen EU-Staaten angenähert.

Bei den Daten handelt es sich um Differenzen im sogenannten unbereinigten "Gender Pay Gap", das heißt um die Unterschiede beim allgemeinen durchschnittlichen Stundenlohn. Sie gehen darauf zurück, dass Männer und Frauen überwiegend in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig sind. Die Daten sagen daher noch nichts darüber aus, ob Frauen für vergleichbare Tätigkeiten schlechter bezahlt werden als Männer. In Deutschland hat sich der Gender Pay Gap zwischen 2011 und 2016 um 0,9 Prozent verkleinert, in der EU um 0,6 Prozent.

Niedrigste Lohnunterschiede in Rumänien

Im Durchschnitt aller EU-Länder verdienten Frauen 2016 Eurostat zufolge rund 16 Prozent weniger als Männer. Am niedrigsten sind die Lohnunterschiede in Rumänien (5,2 Prozent), Italien (5,3 Prozent) und Luxemburg (5,5 Prozent). Allerdings ist in Rumänien und Italien die Quote erwerbstätiger Frauen im EU-Vergleich sehr niedrig.

Zwischen 2011 und 2016 näherten sich die durchschnittlichen Einkommen von Frauen und Männern in Rumänien, Ungarn, Österreich und Spanien am meisten an - um zwischen 3,4 und 4,4 Prozentpunkte. In Portugal und Slowenien wurde die Lücke jeweils um rund 4,5 Prozentpunkte größer. In Deutschland tut sich Eurostat zufolge allerdings wenig: Der Lohnunterschied verringerte sich innerhalb von fünf Jahren nur um 0,9 Prozentpunkte.

Eurostat stützt sich bei den Daten auf eine vierjährige Erhebung sowie auf Schätzungen der Mitgliedstaaten auf Grundlage nationaler Quellen. Die Statistiker weisen darauf hin, dass sich der Lohnunterschied in Teilen etwa dadurch erklären lasse, dass Männer vergleichsweise häufig in Berufen mit hohem Einkommen arbeiten.

Vor allem Männer auf der Chefebene

Das lässt sich auch an den Chefpositionen im deutschen Mittelstand ablesen: Die Zahl der Chefinnen steigt nur langsam. Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen kletterte im vergangenen Jahr von 15 auf 16,3 Prozent. Das hat die Unternehmensberatung EY berechnet. Dabei ist dieser Anteil noch deutlich höher als in den börsennotierten Unternehmen: In diesen 160 Firmen betrug der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder 2017 gerade einmal 7,3 Prozent.

Die 30 größten börsennotierten Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (Dax) vertreten sind, wiesen laut EY immerhin einen Frauenanteil von 13 Prozent in ihren Vorständen auf.

Im Mittelstand hätten "nach wie vor mehrheitlich Männer das Sagen", erklärte EY-Partnerin Elfriede Eckl. Frauen schafften es nur mühsam in die Entscheidungsgremien. Nur aus Männern besteht die Geschäftsführung bei mehr als jedem dritten Mittelständler (36 Prozent). Hat es eine Frau dann in die Führungsetage geschafft, ist sie dort oft die einzige: Gerade einmal bei 13 Prozent der Mittelständler ist die Geschäftsführung zu mehr als 40 Prozent von Frauen besetzt.

ul/ar (dpa, afp, kna, epd)

 

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