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Musik

Gustavo Dudamel: Dirigieren mit sozialer Leidenschaft

Mit 26 Jahren ist er der Shooting Star unter den jungen Dirigenten: der Südamerikaner Gustavo Dudamel. Sein Simon Bolivar Youth Orchestra glänzt auch beim Beethovenfest in Bonn.

Der venezulanische Dirigent des Simon Bolivar Jugend-Orchesters Gustavo Dudamel

Der Stardirigent beim Beethovenfest 2007 in Bonn

Es hält ihn kaum auf seinem Dirigentenpult: Gustavo Dudamel, gefeierter Jungstar aus Venezuela und gepriesen als die "Zukunft der klassischen Musik", explodiert förmlich, wenn er seine jugendlichen Musiker vor sich hat. Er springt auf und ab, argumentiert mit den Armen, reißt alle mit. Vom "Ausdruckstänzer am Pult" ist die Rede, von einem Orchesterwunder. Dabei war es zunächst nur ein Scherz, als der Zwölfjährige zum ersten Mal ein Orchester leitete. Er spielte Geige und sprang ein, als der Dirigent krank wurde. "Das kannst du auch", dachte der Junge damals. "Es war komisch, weil meine Freunde spielten und alle lachten. Aber nach fünf Minuten war alles anders."

Vom Geheimtipp zum anerkannten Newcomer

Dudamel-Fans erleben temperamentvolle Interpretationen

Dudamel-Fans erleben temperamentvolle Interpretationen...

Alle spürten schnell, welches Talent Dudamel besitzt. Mit 17 Jahren wurde ihm die Leitung des nationalen Jugendorchesters angeboten - des Simon Bolivar Youth Orchestras, mit dem er 2007 auf Tournee ist.

Sein Aufstieg war rasant. Er gewann den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg und gab sein Debüt mit dem Simon Bolivar Youth Orchestra in der Berliner Philharmonie. In Windeseile wurde aus einem Geheimtipp der Newcomer der internationalen Dirigentenszene. Im November 2006 gab er ein viel beachtetes Debüt an der Mailänder Scala; 2008 wird er Chef-Dirigent bei den Göteborger Sinfonikern. "Er ist ein Phänomen", urteilte ein Kritiker der New York Times. "Man braucht keine Lektion in Musikkritik, um dieses Charisma zu erkennen."

Soziales Lernen im Orchester

...und musikalische Explosionen, zum Beispiel bei Beethovens Eroica

... und musikalische Explosionen, zum Beispiel bei Beethovens Eroica

Zu verstehen ist diese Leistung nur vor dem Hintergrund des Ausbildungssystems in Venezuela. Vor 30 Jahren hatte der Komponist José Antonio Abreu die Vision, mit Musik einen großen sozialen Wandel einzuleiten. Kindern ab zwei Jahren wird kostenloser Instrumentalunterricht angeboten, die Instrumente werden gestellt. Allerdings spielt kein Kind allein, von Anfang an spielen alle auch in Orchestern mit. Soziales Lernen steht im Mittelpunkt, gegenseitige Achtung und Unterstützung gehören dazu. Die staatliche Förderung trägt Früchte: Inzwischen gibt es 30 professionelle Sinfonieorchester.

Die Mitglieder im Simon Bolivar Youth Orchestra sind zwischen zehn und 24 Jahren alt, junge Musikerinnen und Musiker mit professionellem Niveau. Zu ihrem Repertoire beim Beethovenfestival in Bonn gehören Werke lateinamerikanischer Komponisten, Stücke von Leonard Bernstein und die Sinfonien von Ludwig van Beethoven.

Beethoven - für den eigenen Klang

Jetzt ist die erste CD mit Dudamels Simon Bolivar Jugendorchester erschienen, eine Aufnahme von Beethovens 5. Sinfonie. Dudamel weiß, dass die Konkurrenz auf dem Musikmarkt groß ist. Aber er hat eine einleuchtende Erklärung, weshalb sein Jugendorchester trotzdem so schwierige Werke spielt: "Man muss Beethoven lernen, wenn man jung ist. In technischer Hinsicht ist es wichtig für die Entwicklung des eigenen Klangs. Hinzu kommt die einfache Tatsache, dass Beethoven ein Genie ist."

Heute arbeitet Gustavo Dudamel regelmäßig mit Sir Simon Rattle, Claudio Abbado und Daniel Barenboim zusammen. Die Liste der Orchester, die er bisher geleitet hat, ist beachtlich: darunter das Royal Stockholm Philharmonic, das City of Birmingham Symphony Orchestra, das Orchestre Philharmonique de Radio France, die Sächsische Staatskapelle Dresden und das Radio Symphonie Orchester Frankfurt.

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