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Aktuell Kultur

Gurlitt-Erbe: NS-Raubkunst soll in Deutschland bleiben

Am Montag soll es offiziell werden: Die Schweiz akzeptiert das Erbe Gurlitts. Am Wochenende gab es hierzu noch einmal heftigen Wirbel: Was wird aus den unter Raubkunstverdacht stehenden Bildern?

Nach Angaben der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) hat sich der Stiftungsrat des Kunstmuseums Bern am Samstag zu einer außerordentlichen Sitzung versammelt und mehrere Stunden das weitere Verfahren in Sachen Gurlitt-Erbe diskutiert. Einer der wichtigsten Eckpunkte: der weitere Umgang mit jenen Bildern des Gurlitt-Erbes, die unter Raubkunst-Verdacht stehen.

Gurlitt-Erbe: Was passiert mit der Raubkunst?

Die NZZ wisse aus "zuverlässigen Quellen", dass jene Werke, bei denen es sich um Raubkunst handeln könnte, in Deutschland verbleiben sollen, bis jeder einzelne Fall geklärt sei. Das sehe eine Vereinbarung zwischen dem Kunstmuseum, dem Bund und Bayern vor. Das bestätigt auch die Deutsche Presse-Agentur dpa, die es aus Kreisen deutscher Kulturverantwortlicher erfahren haben will. Ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters wollte die Informationen nicht bestätigen und verwies auf den angekündigten Pressetermin am Montag.

Wird die Taskforce abgelöst?

Die bereits seit Monaten tätige deutsche Taskforce wird demnach ihre Arbeit fortsetzen. Vorerst. Ein "Insider" soll der NZZ verraten haben: Die Gurlitt-Taskforce solle bald durch eine neue Expertengruppe abgelöst werden, die von Schweizer Privatpersonen bezahlt werde. Bern strebe eine "beispielhafte Klärung" aller Fragen an, gemäß den Washingtoner Richtlinien zur Rückführung der von den Nazis geraubten Kulturgüter.

Offenbar weiteres Raubkunstgemälde ermittelt

Carl Spitzweg Musizierendes Paar Raubkunst Gurlitt Fund

Carl Spitzwegs Zeichnung "Das Musizierende Paar"

Unterdessen berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus", in Cornelius Gurlitts Kunstsammlung soll nun ein weiteres Bild als NS-Raubkunst erkannt worden sein. Dabei handelt es sich um die Zeichnung von Carl Spitzweg "Das musizierende Paar". Nach Ermittlungen der von der Bundesregierung eingesetzten Taskforce steht laut "Focus" nun fest, dass Gurlitts Vater - Hildebrand Gurlitt - die Zeichnung weit unter Wert von dem jüdischen Sammler Henri Hinrichsen erworben hatte. Hinrichsen starb 1942 in Auschwitz. Seine in den USA lebende Enkelin Martha Hinrichsen erhielt jetzt von der Taskforce die schriftliche Bestätigung, dass der Verkauf des Bildes erzwungen war.

Das Gurlitt Erbe

Cornelius Gurlitt starb am 6. Mai dieses Jahres. Er vermachte seinen Kunstschatz, der 2011 in seiner Münchner Wohnung beschlagnahmt wurde, dem Kunstmuseum Bern. Sein Besitz umfasst mehr als 1500 Kunstwerke, einige stehen unter Raubkunstverdacht und werden von der Taskforce unter der Leitung von Ingeborg Berggreen-Merkel geprüft. In seinem Testament hielt Gurlitt fest, dass die Sammlung in die Schweiz gehen soll, da er an diesen Ort sehr gute Erinnerungen habe. Die Bundesregierung und die Taskforce begrüßten seinen letzten Willen, Gurlitts Cousine Uta Werner fühlte sich aber übergangen und soll am Freitag einen Erbschein beim Nachlassgericht eingereicht haben.

ag/sti (dpa/ NZZ/ tagesschau.de)

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