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Homosexualität in der Türkei

Gummigeschosse gegen Schwule und Lesben in Istanbul

Eigentlich ist in der Türkei Homosexualität nicht verboten. Dennoch wurde der Gay-Pride-Marsch in Istanbul untersagt. Es kam zu Zwischenfällen - die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Bei der verbotenen 15. Istanbuler Schwulen- und Lesbenparade hat die Polizei Gummigeschosse auf etliche Teilnehmer abgefeuert. Sie setzte auch Tränengas ein. Nach Medienberichten wollten die Beamten die etwa 40 Aktivisten auf dem zentralen Taksim-Platz damit an der Fortsetzung ihres Marsches hindern. Es gab mehrere Festnahmen.

Straßen blockiert

Die Polizei sperrte die zentrale Einkaufsstraße Istiklal großräumig ab und blockierte auch die Seitenstraßen. Aktivisten berichteten der Deutschen Presse-Agentur, sie seien aufgehalten worden, weil sie etwa Regenbogen-T-Shirts trugen. Die Regenbogenfahne ist ein Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Der Istanbuler Provinzgouverneur hatte die Gay-Pride-Parade mit der Begründung verboten, die Demonstration für die Selbstbestimmungsrechte sexueller Minderheiten (LGBTI) gefährde "die Sicherheit von Touristen und die öffentliche Ordnung".

Breite Kritik

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte sich sich "tief beunruhigt" über das Verbot gezeigt und die Türkei aufgerufen, das Verbot aufzuheben. Statt die Parade von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender zu verbieten, solle der Staat die Parade schützen. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) hatte erklärt, das Verbot der türkischen Behörden sei "ein klarer Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention". Beck war 2016 selbst bei der Teilnahme an der "Pride Week" von türkischen Polizisten festgenommen worden.

In diesem Jahr fiel die Parade mit dem großen Fastenbrechen zum Abschluss des islamischen Ramadan-Monats zusammen. In sozialen Netzwerken machten türkische Nationalisten und Rechtsextremisten Stimmung gegen die Demonstration. In der Türkei herrscht seit dem gescheiterten Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Juli der Ausnahmezustand.

Istanbul Gay Pride 2014 (Reuters)

Im Jahr 2014 konnte die Gay-Pride-Parade in Istanbul mit etwa 100.000 Teilnehmern noch ungehindert stattfinden

Schon in den Jahren 2015 und 2016 hatten die Behörden die Gay Pride in Istanbul verboten. Im vergangenen Jahr trotzten bis zu 300 Menschen dem Verbot. Die Polizei ging auch damals mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor und konfiszierte Regenbogenfahnen der Aktivisten.

Die mehrheitlich muslimische Türkei gehört zu den wenigen Ländern in der Region, in denen Homosexualität grundsätzlich nicht verboten ist. Allerdings kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle.

as/kle (afp, dpa, ape)