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Politik

Guido macht 'ne Welle

Der arme neue Außenminister könnte einem fast leid tun. Die Korrespondenten in Brüssel hatten nichts Besseres zu tun als jede Silbe, jedes Mundwinkelzucken, jedes Geraderücken der Brille von Guido Westerwelle zu deuten.

Guido Westerwelle am Pressefotografen-Spalier (Foto: AP)

Guido Westerwelle im Rampenlicht

Sitzt die Krawatte, spricht er Englisch, guckt er kundig? Inhaltliche Äußerungen waren nicht zu beurteilen. Es gab nämlich keine. Dr. Guido Westerwelles Aussagen - man erwarte ein gemeinsames Ergebnis oder halte es für eine glückliche Fügung, dass man am ersten Arbeitstag schon viele Kollegen treffen könne - waren nicht nachrichtentauglich.

Am zweiten Arbeitstag im Amte, also dem zweiten Gipfeltag, sei er schon erschöpft, aber zufrieden, gab Westerwelle zu Protokoll. Das ist ein wenig früh, meinten EU-Diplomaten. Allerdings ist es ja auch sehr anstrengend, immer nur dekorativ und würdig lächelnd als Minister-Praktikant im Schlepptau der Kanzlerin über rote Teppiche zu schreiten. Die war mit ihrem Koalitionspartner übrigens zufrieden. "Es hat Spaß gemacht", sagte Frau Merkel und die Europapolitik werde sich nicht verändern.

Die brennende Frage, ob er denn englische Fragen verstehe oder gar diese fremde Zunge spreche, beantwortete Westerwelle mit nur vier lässig hingeworfenen Worten: "Have a nice day!" Gut unterrichtete Quellen wollen den frischen Außenminister sogar Französisch sprechen gehört haben: "Merci bien!" sagte Westerwelle zu Fotografen.

Also, ist der ehemalige Spaß-Politiker doch zum Staatsmann gereift und verdient die Häme der Weltpresse und der Youtube-Gemeinde nicht, die ihn für zu deutschtümelnd hält, weil er in Deutschland auf einer deutschen Pressekonferenz nach den deutschen Wahlen sich keine englischen Fragen anhören wollte? Und wenn er jetzt auch noch Politik machen wird, dann ist es keine Frage, dass Westerwelle schon bald an das Denkmal, seinen Übervater, Ex-FDP-Superstar-Außenminister Hans-Dietrich Genscher heranreichen wird.

Stolz verkündete Westerwelle, dass er bald verreisen wird. Nach Polen, Frankreich und in andere ferne Länder. Toll, das soll ihm erst einmal einer nachmachen. Und den argwöhnischen Korrespondenten sei gesagt: Jeder verdient eine Chance, auch Super-Guido.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Kay-Alexander Scholz