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Amerika

Gudrun Pausewang für Lebenswerk geehrt

Die ersten Werke der Jugendbuch-Autorin Gudrun Pausewang erzählen von Südamerika - dort arbeitete sie als eine der ersten deutschen Lehrerinnen nach 1945. Jetzt wurde sie zum wiederholten Mal für ihr Lebenswerk geehrt.

Pausewang (Foto: dpa)

Die Buchautorin Gudrun Pausewang

Buchcover Die Wolke (Foto: ap)

Die Wolke ist das berühmteste Kinderbuch von Pausewang

Ihr Interesse an Südamerika wurde schon geweckt, als sie noch zur Schule ging, erzählt Gudrun Pausewang (Jahrgang 1928). Eine Geschichtslehrerin, die gegen die Nazis eingestellt war, erzählte - anders als damals üblich - vom Schicksal der unterdrückten Ureinwohner. Gudrun Pausewang begann, Berge von Büchern über Südamerika zu verschlingen. "Ich träumte davon, später einmal selbst nach Südamerika zu kommen!"

1956 packte Gudrun Pausewang dann als eine der ersten Auslandslehrerinnen ihre Koffer, um in Chile an einer deutschen Schule zu unterrichten. Sie war damals 27 Jahre alt. Hinter ihr lagen der Zweite Weltkrieg, in dem sie ihren Vater verloren hatte, und die Flucht mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern 1945 von Böhmen nach Westdeutschland, nach Wiesbaden in Hessen. Dort besuchte sie ein Gymnasium, machte 1947 ihr Abitur. 1951 machte sie im hessischen Weilburg ihr Lehrerinnenexamen.

Kultautorin der Anti-Atomkraft-Bewegung

Dem Leben in Chile, in Venezuela, in Kolumbien - immer aus der Sicht der Armen und Entrechteten - hat Gudrun Pausewang mehrere Romane gewidmet, zum Beispiel 1977 "Die Not der Familie Caldera".

Zurück in Deutschland, schrieb sie ein Jahr nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl ihr Buch "Die Wolke". Damit wurde Gudrun Pausewang 1987 zur Kultautorin der Anti-Atomkraft-Bewegung, das Buch verkaufte sich millionenfach, wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Die Geschichte der "Wolke" erzählt die Folgen eines fiktiven Störfalls in einem Kernkraftwerk bei Frankfurt aus der Jugendperspektive. 2006 wurde "Die Wolke" verfilmt. Und noch immer ist das Thema aktuell.

Der Regisseur Gregor Schnitzler, die Autorin Gudrun Pausewang und einige Schauspieler bei der Premiere des Films 'Die Wolke' (Foto: dpa)

Der Regisseur Gregor Schnitzler, die Autorin Gudrun Pausewang und einige Schauspieler bei der Premiere des Films 'Die Wolke'

Aufarbeitung der Nazi-Zeit

Ähnlich wie ihr anderes Thema, die Nazi-Zeit. "Ich habe geglaubt an dieses System!", erzählt die 81-Jährige im Rückblick. Erst in Südamerika wachte sie auf, dort verarbeitete sie die braune Vergangenheit. Später wurden daraus ihre berühmten Bücher wie "Rosinkawiese", jenem Roman über ihre Heimat, ihre Flucht.

Knapp neunzig Bücher hat Gudrun Pausewang, die noch mit siebzig Jahren an der Frankfurter Goethe-Universität promovierte, veröffentlicht. Mit südamerikanischen Freunden pflegt Gudrun Pausewang bis heute regen Kontakt, und politisch wünscht sie sich wie damals mehr Humanität, mehr soziale Gerechtigkeit.

"Wir sind das Volk"

Demonstrations-Plakat (Foto: ap)

Pausewang liebt diesen Slogan: 'Wir sind das Volk!'

Gudrun Pausewang wird oft als "Katastrophenschriftstellerin" etikettiert, obwohl sie neben ihren Büchern über ihre Flucht oder über einen Güterzug mit Deportierten nach Auschwitz auch Dutzende heiterer Bücher für Jugendliche wie für Erwachsene schrieb. "Ich bin noch da, und zwar heftig", sagte die mit vielen Literaturpreisen geehrte Schriftstellerin mit Ende 70.

Und auch heute ist sie noch immer da, und zwar heftig: Sie arbeitet sie von früh bis spät an neuen Buchprojekten. Dafür erhielt sie bereits zahlreiche Auszeichnungen. Jetzt wurde ihr von der Stiftung Else Meyer in Bonn erneut für ihr Lebenswerk geehrt. Und sie will weiter mit ihren Büchern mahnen, und warnen. Ihr großes Vorbild sind dabei die Friedensdemonstrationen 1989 in Leipzig vor dem Mauerfall, wo gerufen wurde: "Wir sind das Volk!" "Wunderbar!“ sagt Gudrun Pausewang dazu, "das ist genau der Punkt!“

Autorin: Kristine von Soden
Redaktion: Mirjam Gehrke