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Mittelamerika

Guatemalas Präsident ordnet Ausweisung von UN-Korruptionsermittler an

Als Reaktion auf gegen ihn laufende Korruptionsermittlungen will Guatemalas Staatschef Jimmy Morales den UN-Chefermittler, Iván Velázquez Gómez ausweisen. Das Verfassungsgericht verweigert jedoch die Anordnung.

 Will keine Kontrolle in Guatemala: Präsident Jimmy Morales (Getty Images/AFP/M. Recinos)

Will keine Kontrolle in Guatemala: Präsident Jimmy Morales

"Ich erkläre Herrn Iván Velázquez Gómez zur unerwünschten Person", sagte Morales in einer auf Twitter verbreiteten Botschaft. Er wies das Außenministerium an, die Abreise Velázquez' sofort zu veranlassen. Das Verfassungsgericht des Landes will den Anordnungen des Präsidenten allerdings nicht Folge leisten. Es hat den Ausweisungsbefehl ausgesetzt.

Iván Velázquez Gómez leitet seit Jahren die international gefeierte Internationale Kommission gegen Straflosigkeit (Cicig) in Guatemala. Die unerwartete Attacke auf Velázquez führte zu einem Aufschrei in dem mittelamerikanischen Land. Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú verurteilte energisch den Schritt. "Ich appelliere dringend an die internationale Gemeinschaft, sich einzuschalten, damit die Straflosigkeit nicht siegt in Guatemala", schrieb Menchú auf Twitter.

Guatemala gilt als eines der korruptesten Länder weltweit. Zusammen mit der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft hat die UN-gestützte Cicig seit 2007 zahlreiche Korruptionsskandale aufgedeckt. 2015 brachten ihre Ermittlungen zu einem kriminellen Netzwerk im Staatsapparat sogar den damaligen Präsidenten Otto Pérez Molina zu Fall.

Unerwünscht in Guatemala: Iván Velázquez Gómez (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Unerwünscht in Guatemala: Iván Velázquez Gómez

Für seine Arbeit wurden Velázquez und die guatemaltekischen Ermittler sogar für den Nobelpreis gehandelt. Am Donnerstag hatten der Cicig-Chef Velázquez und die Staatanwältin Thelma Aldana den seit Januar 2016 regierenden Morales ins Visier genommen. Sie beschuldigten den früheren TV-Komiker und Schauspieler, seinen Wahlkampf 2015 illegal finanziert zu haben, und beantragten tags darauf die Aufhebung seiner Immunität. 

Protest gegen Präsident Jimmy Morales in Guatemala -City (Reuters/L. Echeverria)

Protest gegen Präsident Jimmy Morales in Guatemala -City

Bereits am Samstag hatte es Proteste vor dem symbolträchtigen Nationalen Kulturpalast im Zentrum von Guatemala-Stadt gegeben. "Iván bleibt, Jimmy geht", riefen Demonstranten. 2015 hatten wochenlange Proteste den Rücktritt des Morales-Vorgängers Pérez Molina erzwungen. Der ehemalige Staatschef sitzt heute im Gefängnis.

Auch der Außenminister muss gehen

In einem Videoclip kündigte Staatschef Morales auch die Entlassung seines Außenministers Carlos Raúl Morales an. Dieser hatte sich während eines Gesprächs mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres in New York geweigert, Velásquez zum Verlassen Guatemalas aufzufordern. Die UN hatte daraufhin Velásquez in einer Erklärung ihr Vertrauen ausgesprochen.

Morales hatte das Präsidentenamt im Januar 2016 angetreten. Der Politikneuling profitierte vom Verdruss der Wähler über die etablierten Politiker. Beim Amtsantritt versprach er unter anderem, "ab dem ersten Tag" einen "frontalen Krieg" gegen die Korruption zu führen.

cgn/as (afp, dpa)