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Lateinamerika

Guatemala: Das Schweigen brechen

Historische Aufarbeitung ist eines der zentralen Themen der DW Akademie in Guatemala. Ziel ist, einen Dialog über die Gräueltaten des Bürgerkriegs vor allem in den ländlichen Gebieten anzustoßen.

Versöhnung setzt Dialog voraus, betonte der Journalist und Moderator Luis Felipe Valenzuela (rechts) im Anschluss an eine historische Podiumsdiskussion der DW Akademie zum Thema Aufarbeitung (Foto: DW/Diego Siegelwachs).

"Versöhnung setzt Dialog voraus", betonte Journalist und Moderator Luis Felipe Valenzuela (rechts) im Anschluss an eine historische Podiumsdiskussion der DW Akademie zum Thema Aufarbeitung

In einem Land, das 36 Jahre lang unter einem blutigen Bürgerkrieg gelitten hat und das bis heute mit der Aufarbeitung der Vergangenheit hadert, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ehemals Verfeindete zusammenkommen und miteinander reden. Bei einer Veranstaltung der DW Akademie Ende November kam es zu einem solchen Aufeinandertreffen: Auf der Podiumsdiskussion "¿Tu verdad? No, la Verdad" ("Deine Wahrheit? Nein, die Wahrheit") sprachen Julio Balconi, General im Ruhestand und ehemaliger Verteidigungsminister, sowie Gustavo Meoño, einst Kommandant der aufständischen "Guerrilla-Armee der Armen" (EGP) und heutiger Direktor des Historischen Polizeiarchivs der Nationalpolizei, gemeinsam über die Gräueltaten an der Bevölkerung. Eine kontroverse Diskussion, die doch mit einer Geste der Versöhnung endete: Am Ende der Veranstaltung umarmten sich Balconi und Meoño.

Ein historischer Moment - das zeigte auch das große Medieninteresse. Rund 40 Journalisten waren gekommen, um über das ungewöhnliche Treffen zu berichten, darunter sowohl Mitarbeiter der nationalen Fernsehsender TV Antigua und Guatevisión als auch Reporter aus ländlichen Gebieten. In der zweistündigen Diskussion sprachen die Podiumsgäste Balconi und Meoño über die Wunden der Vergangenheit und darüber, wie man heute damit umgehe. Unter der Moderation des Journalisten Luis Felipe Valenzuela (Emisoras Unidas) wurde eines deutlich: Versöhnung setzt Dialog voraus. "Wir haben auch heute noch unterschiedliche Ansichten", unterstrich Balconi, "aber mittlerweile reden wir miteinander."

Dialog nach jahrzehntelangem Schweigen

Erstmalig im Gespräch: Julio Balconi (links) und Gustavo Meoño (rechts) (Foto: DW/Diego Siegelwachs).

Erstmalig im Gespräch: Julio Balconi (links) und Gustavo Meoño (rechts)

Im guatemaltekischen Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Guerillaorganisationen und der Regierung (1960-1996) kamen bei Massakern der Armee und rechter paramilitärischer Truppen zwischen 200.000 und 250.000 Menschen ums Leben. Auch die Guerrilla trägt einen Anteil an den schweren Menschenrechtsverletzungen dieser Zeit. Der Großteil der Verbrechen wurde an der indigenen Bevölkerung begangen.

Die Diskussion zwischen Balconi und Meoño sei eine vorsichtige Annäherung und eine wichtige Plattform, die langfristig einen nationalen Dialog anstoßen könne, sagte auch David Olmos, Ländermanager für Guatemala der DW Akademie. "In Guatemala wird nach wie vor kaum öffentlich über die Vergangenheit gesprochen. In den Medien findet eine Auseinandersetzung mit der Geschichte so gut wie nicht statt, vor allem die Anliegen der indigenen Bevölkerung werden ausgespart", so Olmos.

Versöhnung und Dialog

DW Akademie Podiumsdiskussion zum Bürgerkrieg in Guatemala November 2014 (Foto: DW/Diego Siegelwachs).

Teilnehmer einer historischen Podiumsdiskussion

Die Diskussion war eingebettet in die langzeitigen Projekte, mit denen die DW Akademie seit 2013 Berichterstattung in den ländlichen Gebieten unterstützt, um Opfern eine Stimme zu geben und das Schweigen über die Gräueltaten zu brechen. Das deutsche Engagement hat aufgrund der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit einen hohen Stellenwert: "Wir Deutsche haben zwei Weltkriege erlebt. Wir wissen, wie hoch der Wert des Friedens ist", so Artur Brunner, stellvertretender deutscher Botschafter in Guatemala. Auch deswegen begleite Deutschland Guatamala auf dem Weg in eine friedliche und demokratische Gesellschaft.

Daher hat die DW Akademie im Jahr 2014 in eigenes Schulungsprogramm entwickelt, das Medienvertreter in Guatemala für das Thema Aufarbeitung sensibilisieren soll, unter anderem mit Workshops zu Recherchetechniken. Hier arbeitet die DW Akademie eng mit dem Historischen Polizeiarchiv der Nationalpolizei (AHPN) zusammen, das derzeit ein Netz von 22 Stützpunkten landesweit aufbaut, um die Recherche in den Provinzen zu ermöglichen. So können Journalisten und Interessierte künftig effektiver recherchieren, ohne dafür in die Hauptstadt reisen zu müssen.


Die Projekte der DW Akademie in Guatemala werden finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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