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Testseite Politik

Guantanamo-Häftlinge treten in Hungerstreik

Insassen des US-Gefangenenlagers Guantanamo sind in den Hungerstreik getreten. In dem Lager sind Misshandlungspraktiken angewandt worden, die später im Militärgefängnis Abu Ghoreib eingesetzt wurden.

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Jahrelange Haft ohne Anklage

Zurück nach Kabul aus Guantanamo

Die entlassenen Häftlinge Habir Russol und Moheb Ullah Borekzai berichteten in Kabul von dem Hungerstreik

Um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren, sind 52 Häftlinge des Lagers Guantanamo Bay auf Kuba in Hungerstreik getreten. Die Gefangenen, die wegen Terror-Verdachts festgehalten werden, hätten bisher neun Mahlzeiten in Folge verweigert, teilte das US-Militär am Donnerstag (21.7.2005) mit. Über ihre Anwälte erklärten einige der Häftlinge, sie wollten ihre Frustration darüber zum Ausdruck bringen, dass sie auf unbestimmte Zeit festgehalten würden. Zudem wollten sie gegen die "unmenschlichen Bedingungen in Guantanamo" protestieren.

Unklarheit über Ausmaß des Hungerstreiks

Verhandlungsgebäude Guantanamo

Das Verhandlungsgebäude von Guantanamo Bay

An die Öffentlichkeit gelangte der Protest durch die Freilassung von sieben offenbar unschuldigen Guantanamo-Häftlingen Anfang der Woche. Nach ihrer Rückkehr nach Kabul berichteten zwei afghanische Männer am Mittwoch - abweichend von der Darstellung des US-Militärs - rund 180 afghanische Gefangene befänden sich seit rund zwei Wochen im Hungerstreik. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministerium sagte zunächst, ihm sei nichts von einem Hungerstreik bekannt, aber man werde der Angelegenheit nachgehen. Neben den beiden Afghanen konnten ein Jordanier, ein Sudanese und drei Männer aus Saudi-Arabien in ihre Heimatländer zurückkehren. Der Terrorverdacht gegen sie sei ausgeräumt worden, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Für 13 weitere Inhaftierte stehe die Freilassung unmittelbar bevor.

Marokkaner an Spanien übergeben

Auf dem Weg zum Verhör

Ein gefesselter Gefangener auf dem Weg zum Verhör

Anfang der Woche war ein marokkanischer Guantanamo-Häftling an die Behörden in Spanien überstellt worden. Der Verdächtige werde im Zusammenhang mit den Ermittlungen um die Aktivitäten der Terrororganisation El-Kaida in Spanien gesucht, hieß es am Montag vom spanischen Innenministerium. Der Mann habe Kontakt zum mutmaßlichen El-Kaida-Anführer in Spanien gehabt, der bereits in Spanien in Haft sitzt.

"Kreative" Verhörmethoden

US Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld bei seiner Ankunft in Guantanamo Bay

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld 2002 bei einem Besuch in Guantanamo

Vergangene Woche hatte eine Anhörung des Streitkräfte-Ausschusses des US-Senats ergeben, dass in Guantanamo schon Monate vor dem Misshandlungsskandal im irakischen Militärgefängnis von Abu Ghoreib dort angewandte Verhörmethoden praktiziert wurden. Bereits in Guantanamo hatten laut Aussagen vor dem Ausschuss US-Verhörspezialisten Gefangene gezwungen, Damenunterwäsche auf dem Kopf zu tragen oder sie an Hundeleinen geführt, berichtete die "Washington Post". Andere Verdächtige seien von knurrenden Armeehunden bedroht worden. Bilder mit solchen Misshandlungen in Abu Ghoreib bei Bagdad hatten im Frühjahr 2004 weltweit Empörung ausgelöst. Militärermittler verteidigten die umstrittenen Verhörpraktiken vor dem Senat als "kreativ" und "aggressiv", sagten aber dass sie "nicht die Grenze zur Folter überschreiten." Generalmajor Geoffrey Miller, der das Gefangenenlager Guantanamo lange leitete, war dem Bericht der "Washington Post" zufolge im September 2003 in den Irak geflogen, um das Gefängnis Abu Ghoreib mit aufzubauen. Später habe er so genannte Tiger-Teams entsandt, die die Verhörspezialisten im Irak anweisen und trainieren sollten.

Abmahnung abgelehnt

Wachturm in Guantanamo

Wachturm in Guantanamo

Wie die Militärermittler vertritt auch ein Untersuchungsbericht der US-Armee die Auffassung, dass die Misshandlungen in dem Gefangenenlager Guantanamo Bay nicht als Folter oder als unmenschlich zu werten seien. Die Autoren des vergangene Woche bekannt gewordenen Berichts hätten aber eine förmliche Abmahnung des früheren Guantanamo-Kommandeurs Miller empfohlen, sagte ein Kongress-Mitarbeiter. Der Befehlshaber des US-Oberkommandos Süd, General Bantz Craddock, habe dies jedoch abgelehnt

Rotes Kreuz prangerte Folter an

In dem Lager werden mehr als 500 Gefangene zum Teil seit über drei Jahren ohne Anklage festgehalten. Der Umgang mit den Männern wird in aller Welt scharf kritisiert. So hatte das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in einem internen Bericht an die US-Regierung - anders als die Armee-Untersuchung - vor einem Jahr Folter in dem Lager angeprangert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte das Lager in ihrem Jahresbericht 2005 den "Gulag unserer Zeit". (stu)

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