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Asien

Guangzhou - eine Stadt will hoch hinaus

An diesem Freitag beginnen im chinesischen Guangzhou die Asien-Spiele 2010. Teilnehmer aus insgesamt 45 Ländern nehmen teil. Die Stadt hat sich herausgeputzt - und ist vorbereitet auf das Großereignis.

Hochhäuser in Guangzhou (Foto: Markus Rimmele / DW)

Hochhäuser in Guangzhou - ein fester Bestandteil der Skyline

"Guangzhou - die schöne Blumen-Stadt": So heißt einer der offiziellen Songs für die Asien-Spiele. Das Video dazu zeigt tatsächlich ein paar Blumen, vor allem aber futuristische Architektur: Das neue Opernhaus von Stararchitektin Zaha Hadid, Wolkenkratzer, sausende U-Bahnen und immer wieder den Canton Tower, das neue Wahrzeichen der Stadt.

Peng Wei (Foto: Markus Rimmele / DW)

Die freiwillige Helferin Peng Wei

Der Fernsehturm ist 600 Meter hoch und damit das zweithöchste Gebäude der Welt, elegant in sich selbst gedreht und nach oben öffnend. Guangzhou, so die Botschaft, ist eine Weltmetropole, eine Stadt, mit der man rechnen muss. "Durch die Asien-Spiele ist Guangzhou viel schöner geworden", sagt die 22-jährige Peng Wei, eine freiwillige Helferin während der Spiele. Sie steht im Athleten-Dorf und wartet auf die ausländischen Gäste. Der Himmel über ihr ist nicht blau wie im Video, sondern grau und versmogt - wie meistens in Guangzhou. "Alles wurde umgebaut. Und die Bevölkerung wurde mobilisiert und sogar ausgebildet. Taxifahrer haben ein bisschen Englisch gelernt."

Konkurrenz mit Peking und Shanghai

Ikea-Filiale in Guangzhou (Foto: Markus Rimmele / DW)

Selbst Ikea findet man mittlerweile in Guangzhou

Rund 22 Milliarden Euro flossen in die Modernisierung und Verschönerung der südchinesischen Metropole, einst im Westen bekannt als Kanton. Eine so radikale Verjüngung hat die Stadt in ihrer mehr als 2000-jährigen Geschichte wohl nie erlebt. Neue U-Bahn-Linien, Hochstraßen, ein neuer Flughafen, ein neuer Bahnhof für die ebenfalls neuen Hochgeschwindigkeitszüge, die bald ins ganze Land fahren werden.

"Guangzhou ist ganz klar die dritte große Stadt in China", sagt der Politologe und China-Forscher Jean-Pierre Cabestan von der Baptisten-Universität in Hongkong. "Es war immer eine sehr dynamische Handelsstadt. Während der letzten Kaiserdynastie war der Handel mit Ausländern lange Zeit sogar nur in Guangzhou erlaubt. An diese Tradition will die Stadt nun anknüpfen. Sie versucht, den Anschluss zu kriegen an die beiden großen Metropolen Peking und Shanghai."

Der Kaiser ist weit weg

Grauer Himmel über Guangzhou (Foto: Markus Rimmele / DW)

Blauen Himmel sucht man in Guangzhou meist vergebens - oft hängt Smog über der Stadt

Statistisch betrachtet befindet sich die 10-Millionen-Stadt Guangzhou schon auf Augenhöhe mit den beiden. Das Pro-Kopf-Inlandsprodukt liegt vor demjenigen Pekings. Rings um die Stadt erstreckt sich eines der größten Industriegebiete der Welt – das Perlflussdelta.

Doch Guangzhou ist mehr als eine Vorzeigestadt des chinesischen Wirtschaftswachstums. Die umgebende Provinz Guangdong reklamiert auch eine gewisse kulturelle Eigenständigkeit. An erster Stelle steht hier die kantonesische Sprache. Sie ist die Umgangssprache in Guangzhou ebenso wie in Hongkong und Macau. Ein starker Regionalismus ist zu spüren in der Stadt. Der Blick ist mehr nach Hongkong als ins 2000 Kilometer entfernte Peking gerichtet. Der Kaiser ist sehr weit weg.

Autor: Markus Rimmele
Redaktion: Esther Broders