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Wirtschaft

Gruselkabinett Börse

Die Kette von Negativnachrichten großer Unternehmen reißt nicht ab. Nach Enron schockierte auch der US-Telekommunikationsriese WorldCom die Weltmärkte. Aber auch in Deutschland wird bei Geschäftsbilanzen getrickst.

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Kurz vor dem Aus:
Telekommunikations-Riese WorldCom

Mit WorldCom stimmte irgendetwas nicht. Der US-Telekommunikationsriese kam immer wieder ins Gerede. Bis schließlich bekannt wurde, dass das Unternehmen Bilanzen in großem Stil gefälscht hat, um seinen Aktienkurs zu stützen. So wurden laufende Kosten in Höhe von 3,85 Milliarden US Dollar im Jahresergebnis für 2001 als Investitionen ausgewiesen und Verluste verschleiert.

Die SEC geht mittlerweile von systematischer Bilanzfälschung bei WorldCom aus. Schlussendlich ging das Unternehmen Pleite und ersuchte um Gläubigerschutz. Es ist die größte Pleite in der US-Unternehmensgeschichte, die den bisher größten Finanzskandal um den insolventen Energiekonzern Enron in den Schatten stellt.

Arthur Anderson wieder dabei

Wie bei Enron, so ist auch bei WorldCom die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson wieder mit im Spiel. Der Finanzdienstleister wurde inzwischen von einem Geschworenengericht in Texas schuldig gesprochen, tonnenweise Akten beim früheren Kunden Enron vernichtet und dadurch Ermittlungen gegen Enron behindert zu haben. Gleiches befürchtet die SEC auch bei WorldCom und hat sich deshalb zu dem ungewöhnlichen Schritt einer zivilrechtlichen Betrugesklage gegen WorldCom entschlossen.

Fälschung mit System

Anderson ist eine der fünf großen Prüfungsgesellschaften, die eine SEC-Lizenz zur Prüfung von börsennotierten Unternehmen haben. Ihre Prüfungsergebnisse gelten als verbindlich. Im Fall Enron hatte Anderson ein System entwickelt, um Bilanzen gezielt zu verschleiern. So lieh Enron beispielsweise einer seiner Töchter Mittel, um diese als Investition zu verbuchen. Geld wurde intern verschoben, um auf dem Papier Umsatz und Investitionsposten zu erhöhen. Nach der Pleite von Enron musste auch Anderson Konkurs anmelden.

WorldCom kein Einzelfall

Der Fall WorldCom reiht sich in eine ganze Serie von Finanzskandalen in den vergangenen 18 Monaten ein – auch in Deutschland. So wurde bekannt, dass der Hersteller von Autonavigationsgeräten, Comroad, nahezu den gesamten Umsatz für 2000 fingiert hatte. Zusätzliche Millionengewinne erzielte der Vorstand mit rechtswidrigem Insiderhandel. Inzwischen sitzt der ehemalige Comroad-Chef Bodo Schnabel in Untersuchungshaft.

Auch Vorzeigeunternehmen tricksen

Auch Neue Markt-Sternchen wie der Kondomhersteller Condomi haben im vergangenen Jahr mit legalen Tricks Bilanzen geschönt: Bei Condomi wurden Investitionen in neue Akquisitionen in Höhe von 5,9 Millionen Euro nicht – wie eigentlich üblich – als einmalige Aufwendung verbucht, sondern auf vier Jahre verteilt. So verminderte sich der Ertrag für 2001 lediglich um 1,5 Millionen Euro. Ähnlich ging der Anbieter von Kinderfilmen BKN-International vor: Um für 2001 eine ausgeglichene Bilanz aufzuweisen, wurden flugs Abschreibungen statt über drei Jahre, über neun Jahre gestreckt. Somit kommt die Firma auf dem Papier zu einem Jahresgewinn von 940.000 Euro statt 1,5 Millionen Euro Verlust.

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  • Autorin/Autor Oliver Schilling
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