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Alltagsdeutsch – Podcast

Grundschüler in Bewegung

Immer mehr deutsche Kinder sind schon im Grundschulalter übergewichtig, weil sie sich zu wenig bewegen. Eine bundesweite Initiative setzt darauf, in der Grundschule die Freude an der Bewegung zu fördern.

Sprecher:
Die Zahlen sind alarmierend: Viele Kinder in Deutschland bewegen sich zu wenig. Die Folge sind unter anderem Übergewicht, Haltungsschäden und mangelnde motorische Fähigkeiten. So hat manches Kind im Grundschulalter zum Beispiel Probleme, einen Ball zu fangen oder zu klettern. Eltern, die den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern unterstützen wollen, melden ihre Tochter oder ihren Sohn oft in einem Verein zum sogenannten Kinderturnen an. Denn auch eine Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigt: Sport und Bewegung sind das beste Mittel, um nicht krank oder übergewichtig zu werden – und können nebenbei sogar die Konzentration verbessern. Wie wichtig Bewegung schon im frühen Kindesalter ist, hat Michaela in den vielen Jahren, in denen sie Kinderturnkurse gibt, festgestellt.

Michaela:
„Kinder können einfach heute viele Sachen nicht mehr, die früher locker gemacht wurden. Zum Beispiel, wenn ich die Seile ausfahr’ in der Turnhalle, sind früher immer etliche Kinder ab fünf, sechs Jahren die Seile bis unter die Decke hochgeklettert. Heute kommt kein Kind mehr auf die Idee, überhaupt mal ’n Seil auch nur ’n Stückchen hochzuklettern. Sie könnten das auch nicht mehr.“

Sprecher:
Übungsleiterin Michaela erzählt, dass das, was Kinder früher ganz einfach, locker, gemacht haben, Kindern heutzutage schwerfällt. Als Beispiel nennt sie das Hochklettern an Seilen. Wenn das an der Decke hängende Gestell, an dem die Seile angebracht sind, elektrisch bewegt, ausgefahren, wird, hätten viele, etliche, Kinder kein Interesse daran, hochzuklettern. Manche hätten auch gar keine Kraft dafür. Das sei früher anders gewesen. Michaelas persönliche Beobachtung wird von Wissenschaftlern bestätigt: Kinder sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher – egal ob bei Kraft, Ausdauer oder Koordination –, weil sie sich zu wenig bewegen. Und das hat Folgen, wie Mathias Bellinghausen von der Deutschen Sporthochschule in Köln sagt.

Mathias Bellinghausen:
„Wir hatten Kinder über drei Jahre begleitet. Und wir konnten halt sehen, dass der Anteil der Kinder mit einem erhöhtem BMI bis hin zu Übergewicht – also die lag im ersten Schuljahr bei so knapp 17 Prozent. Und im vierten Schuljahr lag der Wert schon bei knapp 25 Prozent. Das heißt also, ’n Anstieg von jedem siebten auf jedes vierte Kind.“

Sprecher:
Sportwissenschaftler haben über einen Zeitraum von drei Jahren Kinder in der Grundschule beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass die Zahl derjenigen, die übergewichtig waren, vom ersten bis zum letzten Grundschuljahr gestiegen war. Übergewicht wird anhand des sogenannten BMI, des Body-Mass-Indexes, gemessen. Dieser Index wird errechnet, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern, die mit sich selbst multipliziert wurde, teilt. So ist beispielsweise ein siebenjähriger Junge, der 1,25 Meter groß und 24 Kilogramm schwer ist, normalgewichtig. Sein BMI liegt bei rund 15. Übergewichtig wäre er bei einem Wert über 18. Übungsleiterin Michaela sagt, dass Eltern eine gewisse Vorbildfunktion haben und ihre Kinder ein bisschen fordern sollten.

Michaela:
„Ich merk’ auch so, dass die Eltern die Kinder sehr schonen wollen. Das heißt, sie muten ihnen nicht mehr sehr viel zu im Bezug auf Konflikte oder auch mal Bedürfnisse verschieben. Sobald die Eltern merken, das Kind hat irgendeinen Wunsch, wird er auch in der Regel sofort erfüllt.“

Sprecher:
Eltern sollten – wie Michaela sagt – ihre Kinder nicht von Anstrengungen fernhalten, sie nicht schonen. Statt mit dem Auto zur Schule gefahren zu werden, könnten sie beispielsweise zu Fuß gehen, das Fahrrad oder den Bus nehmen. Außerdem sollten die Eltern mehr von ihren Kindern verlangen, ihnen mehr zumuten. Wünsche müssten nicht sofort erfüllt, sondern könnten auch aufgeschoben werden. Die Initiative „Klasse in Sport“ will mangelnder Bewegung schon in der Grundschule entgegenwirken. Inzwischen beteiligen sich daran bundesweit rund 115 Grundschulen. Zusätzlich zu den normalen Sportstunden wird Bewegung auch in den täglichen Ablauf der teilnehmenden Schulen integriert, wie Mathias Bellinghausen von der Sporthochschule Köln erklärt.

Mathias Bellinghausen:
„Es gibt Bewegungsintegration in kognitive Fächer. Das hört sich jetzt so ’n bisschen hochtrabend an. Man kennt das immer Eckenrechnen, oder man tanzt englische Vokabeln, oder so weiter. Das heißt also, man kann auch in diesen Fächern mit Bewegung sehr viel lernen. Oder die aktive Pause, um den Körper wieder zu aktivieren, dass die Kinder wieder mehr Sauerstoff in den Kreislauf kriegen.“

Sprecher:
In manchen Fächer, in denen die Schüler normalerweise still sitzen und konzentriert zuhören müssen, in kognitiven Fächern wie Mathematik oder Englisch, werden Bewegungsübungen eingebaut, sie werden integriert. Mathias Bellinghausen spricht wegen der Fachbegriffe „Bewegungsintegration“ und „kognitiv“ davon, dass sich seine Aussage sehr kompliziert, hochtrabend, anhört. In Mathematik wird beispielsweise „Eckenrechnen“ gespielt. Bei dem Spiel steht in jeder Ecke ein Kind. Die Lehrerin oder der Lehrer nennt eine beliebige Additions- oder Subtraktionsaufgabe. Wer am schnellsten das Ergebnis gerufen hat, darf im Uhrzeigersinn eine Ecke weiter laufen. Gewonnen hat das Kind, das als Erstes wieder in seiner Ecke steht. Es darf dann ein nächstes Kind bestimmen. Auch die Schulpausen werden aktiv gestaltet. So werden Spielgeräte bereitgestellt und genug Platz zum ausgelassenen Spielen, zum Toben, auf dem Schulgelände geschaffen. Das einfache Rezept funktioniert. Eine Studie zeigt, dass die Kinder, die an dem Programm teilnehmen, fitter sind, weniger übergewichtig sind und auch ihr Sozialverhalten verbessert haben. Doch das ist laut Mathias Bellinghausen nicht alles.

Mathias Bellinghausen:
„Wir konnten sogar nachweisen, dass die Leistungen in den kognitiven Fächern, dass die sich verbessert haben. Das heißt also, die Konzentrationsfähigkeit der Kinder hat sich verbessert. Wir haben das damals sehr plakativ dargestellt, oder machen das auch heute noch mit dem Satz: ‚Toben macht schlau!’“

Sprecher:
Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Kinder durch die regelmäßige Bewegung auch besser konzentrieren konnten. Sie fanden dafür einen plakativen, einen einfachen und einprägsamen, Satz: ‚Toben macht schlau!’ Viel Bewegung macht also auch klüger.




Fragen zum Text

Was stimmt? Michaela findet, dass …
1. Eltern ihren Kindern jeden Wunsch erfüllen sollten.
2. Eltern ihren Kindern mehr zumuten sollen.
3. Kinder von ihren Eltern geschont werden sollten.

Wer seinen BMI errechnen will, muss …
1. Größe, Alter und Gewicht addieren.
2. Größe und Gewicht multiplizieren.
3. Größe und Gewicht dividieren.

„Klasse in Sport“ kann nicht bedeuten, dass …
1. jemand gut in Sport ist.
2. eine Schulklasse Sport macht.
3. eine Sportmannschaft in die nächste Klasse aufsteigt.


Arbeitsauftrag


Schaut euch in eurer Lerngruppe das Foto an. Versucht, euch in die Lage des Jungen – nennen wir ihn Tim – zu versetzen. Stellt Tim anschließend in einer Geschichte vor. Verwendet dabei Begriffe, die auch in dieser Alltagsdeutsch-Folge vorkommen. Die Geschichte könnte so beginnen: „Ich heiße Tim und gehe ins vierte Schuljahr. Noch vor zwei Jahren war ich ein ganz normalgewichtiges Kind. Ich hatte noch kein Übergewicht. Mein BMI …“

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